Ergebnisse: Der Stop-Loss beim Trading
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 15. Oktober 2008, 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
herzlich willkommen zum dritten Teil der Serie zum Thema Risiko-Minimierung. Wenn man sich als Anleger das Geschehen der letzten Wochen ansieht, so gewinnt gerade die Risikominimierung ja sicherlich ihren ganz besonderen Reiz.
Ich werde Ihnen heute, abschließend zum Thema "Stop Loss", zwei Zuschriften (an dieser Stelle wieder einmal vielen Dank für Ihre rege Teilnahme an meiner Frage der letzten Woche) vorstellen und hoffe, dass Sie nach dem heutigen Artikel zum Thema Stop Loss vielleicht die ein odere andere Anregung bzw. Idee für sich mitnehmen konnten.
Am Freitag stelle ich Ihnen einen weiteren Index vor, mit dem Sie den inneren Zustand des Markts in einigen Bereichen sehr verlässlich prüfen können. Dieser lässt sich sehr gut in Kombination mit dem NYSE BPI verwenden. Hinzu kommt, dass Sie diesen Index sogar mit den richtigen Tradingmöglichkeiten- und freigaben sehr elegant als Portfolio-Versicherung verwenden können, welche Ihnen mit ein paar Klicks schlimmeren Schaden in Zeiten von Markteinstürzen ersparen kann und Ihnen statt Panik und schlaflose Nächte eine gesunde Ruhe verschafft.
Wie Sie als Leser das Thema "Stop Loss beim Trading" handhaben
Ich habe mich wieder einmal sehr gefreut über all die Zuschriften und war teilweise auch sehr überrascht, wie gut einige von Ihnen das Thema Stop Loss beim Trading bereits verinnerlicht zu haben scheinen.
Die Auswahl aus den Zuschriften war nicht sehr einfach und leider kann ich hier nicht alle vorstellen (wenn Ihre also nicht dabei sein sollte, dann heißt das nicht, dass ich diese nicht gut fand, sondern es ist einfach platzlich nicht möglich, alle Zuschriften vorzustellen; gelesen habe ich auf jeden Fall alle Nachrichten von Ihnen, wie immer):
Beim kurzfristigen Trading müssen Stop Loss und Money Management miteinander einhergehen
Dementsprechend schreibt ein Leser hierzu sehr treffend:
Sehr geehrter Herr Hahn,
zur obigen Frage an Ihre Leser:
1. definiert man bereits beim Kauf, wieviel seines Spekulationskapitals man bei einer einzelnen Position riskieren
will (z. B. 1 - 2 %);
2. dann rechnet man diesen Betrag, abhängig von Positionsgröße und Kaufkurs, in einen möglichen Verkaufs-
kurs um;
3. sucht man die nächste realistische Unterstützungslinie und positioniert den Stop-Loss darunter.
Wird der Stop-Loss ausgelöst, kann man nicht mit diesem Kurs als Verkaufskurs rechnen, vielmehr erhält man
(wenn der Broker richtig arbeitet bzw. ehrlich ist) den ersten tatsächlich gehandelten Kurs ab/unter dem Stop- Loss.
Ein anderer Leser fasst sich eher kurz und prägnant:
Ich gehe bei steigendem Trend eine Long-Position im Falle eines Rücksetzers möglichst nahe oberhalb einer Unterstützung (untere Begrenzung des Trendkanals oder 200 Tage GDL) ein und ziehe dann von dieser Unterstützung den ATR (Average True Range) am Kauftag ab. Der Stopp Loss liegt dann jeweils etwa 5 bis 10% unterhalb des Kaufkurses.
Bei einer Short-Position mache ich es genau umgekehrt.
Fazit
Die beiden obigen Zuschriften sprechen zwei wichtige Punkte an, nämlich dass Money Management (also stark vereinfacht gesagt, die vernünftige Portionierung des Spekulationskapitals) und das Setzen eines Stop Loss zusammengehören sollten. Diese Ansicht teile ich völlig. Hierzu gibt es natürlich viele verschiedene Methoden und die zwei Zuschriften hier sind nur zwei Beispiele.
Auch ich verwende eine Vielzahl verschiedener Möglichkeiten für das Setzen eines Stop Loss. In einfacheren Fällen greife ich hierbei auf folgendes Prinzip zurück:
1) Überlegung, welche Gewichtung die Position in meinem Gesamtportfolio haben soll
2) In Abhängigkeit von 1 überlege ich mir dann, wie hoch das "Capital at risk" der Position sein darf. Hierbei wähle ich zwischen 1% bis 5% der gesamten Portfoliogröße (meist 2% bis 3%, 5% nur bei starken Gewichtungen).
3) Definition eines geeigneten Einstiegsfensters: Wie weit darf z.B. der Einstiegskurs von der Stop Marke (üblicherweise durch die Regeln aus der P&F Charttechnik bestimmt) entfernt sein? Wie groß wird dann die Position jeweils in Abhängigkeit von der Differenz zur SL-Marke? Ich suche mir ein entsprechendes Szenario bzw. warte auf ein meinen Vorgaben entsprechendes Einstiegsfenster. Je besser ich dieses treffe, desto größer kann die Position gewählt werden; maßgeblich ist nur, dass nicht mehr als der gewählte Prozentsatz der Portfolio-Größe dabei verloren gehen können (diese Vorgehensweise ist natürlich unter der Prämisse, dass keine extremem Verwerfungen bei SL Ausführung auftreten, was ja glücklicherweise unter gewöhnlichen Umständen eher selten der Fall ist).
4) Ich überlege mir evtl. weitere Optimierungsmöglichkeiten für den Einstieg (gerne unter Zuhilfenahme von Optionen, aktuell z.B. die letzen Tage dank der Rekord-Volatilität durch cash-covered Puts).
Anders wiederum sieht es natürlich bei Derivaten aus; bei Optionen z.B. sind aus meiner Sicht andere Regeln erforderlich, aber dazu komme ich noch in zukünftigen Ausgaben, wenn ich etwas mehr Optionswissen vorgestellt habe und die meisten von Ihnen sich ein grundliegendes Verständnis von Optionen angeeignet haben.