Erfolg kann verhängnisvoll sein

unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
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von unserem Korrespondenten Bill Bonner

Letzten Monat sprach Alan Greenspan vor dem N.Y. Economic Club – und für eine Zeitlang hörte er sich an wie vor langer, langer Zeit: "Obwohl man den Goldstandard (Währungen waren durch Gold gedeckt) nur schwer als Grund für die damalige Periode der Preisstabilität anführen kann, ist es ein Faktum, dass das Preisniveau 1929 sich nicht groß von dem des Jahres 1800 unterschied", so gestand Greenspan ein. Und weiter: "Aber in den zwei Dekaden nach Aufgabe des Goldstandards 1933 verdoppelten sich die Konsumentenpreise in den USA fast. Und in den 4 Dekaden danach haben sich die Preise verfünffacht. Die Geldpolitik, die nicht mehr an die Einengung durch den Goldstandard gebunden war, erlaubte es, zuviel Geld zu drucken. Vor einer Dekade stellten die Zentralbanker nach einem halben Jahrhundert der chronischen Inflation fest, dass eine Papierwährung ohne Deckung sehr anfällig für eine solche Entwicklung ist."


Er hätte hinzufügen können, dass kein Zentralbanker es jemals geschafft hätte, das Gegenteil zu beweisen. Jede Papierwährung ohne Deckung hatte sich immer dem Schicksal einer schleichenden Inflation und manchmal sogar der eigenen Zerstörung ausgesetzt gesehen.

Nach dieser Erkenntnis kam aber wieder der neue Alan Greenspan zum Vorschein. Ich möchte heute eigentlich nicht über Mr. Greenspan schreiben, sondern vielmehr über seine Handlungen. Jeder Beruf hat seine Risiken. Der Bäcker kann sich die Finger verbrennen ... ein Psychiater muss sich bald seinen eigenen Kopf untersuchen lassen, und ein Zentralbanker, der die Möglichkeit hat, aus Luft Geld zu machen, geht fast immer zu weit. Und wenn einer dem widerstehen kann, dann wird das sein Nachfolger nahezu sicher nachholen.

Es gibt einige Dinge, liebe(r) Leser(in), bei denen Erfolg gefährlicher als Misserfolg ist. Eine Zentralbank zu führen – oder eine auszurauben – ist ein Beispiel dafür. Je erfolgreicher ein Zentralbanker ist, das heisst, je mehr Leute auf die Stabilität des Papiergeldes vertrauen, desto gefährlicher wird die Situation. Der Vater von der Investmentlegende Warren Buffet, ein Kongressabgeordneter aus Nevada, warnte in einer Rede 1948: "Die Krankheit des Papiergeldes war bis jetzt eine angenehme Angewohnheit, die nicht freiwillig aufgegeben werden wird; genauso wenig, wie ein Drogenabhängiger freiwillig aufhören wird ... ich finde allerdings keinen Beweis dafür, dass man darauf hoffen könnte, dass unser Papiergeld letztlich besser abschneiden wird als solche Experimente in anderen Ländern."

In allen anderen Ländern, zu jeder Zeit ... war es das Gleiche. Ein System des Papiergeldes ging auf die Dauer nicht gut. Die Gefahr des "moral hazard" (ich hatte gestern darüber geschrieben) war zu groß. Die Zentralbanker konnten nicht widerstehen; wenn es ihnen gefiel, dann übertrieben sie es und erhöhten das Geldangebot schneller, als das Angebot an Gütern und Dienstleistungen, die dieses Geld kaufen konnte, stieg.

Ich bat meinen Kollegen Addison Wiggins darum, eine Liste mit den weltweiten Problemen des Papiergelds zu machen. Aber er verzweifelte bald an dieser Aufgabe. "Ich glaube nicht, dass Du das alles wissen willst", sagte er. "Sieh Dir Mal diesen Bildschirm an. Ich habe eine alphabetische Liste angelegt. Aber es gibt schon 318 Punkte und ich bin immer noch beim Buchstaben 'B'. Und jeder Punkt ist nutzlos."

Im Gegensatz dazu sticht das Gold positiv hervor. Egal, wessen Gesicht auf Goldmünzen abgedruckt ist ... oder welche Aufschrift sie haben ... oder wann sie geschmolzen wurden ... eine Goldmünze hat heute immer noch zumindest den Wert des enthaltenen Goldes. Und man wird mit einer Goldmünze heute normalerweise noch genauso viel Güter und Dienstleistungen kaufen können wie zum Zeitpunkt ihrer Erstellung. Gold findet man auf der Erde nur sehr begrenzt. Wenn Gott großzügiger mit dem Verteilen von Gold gewesen wäre, dann wäre Gold natürlich billiger gewesen. Aber es ist ja genau die Tatsache, dass die Erde das Gold so gut versteckt, die das Gold so wertvoll macht. Und Papiergeld – auf der anderen Hand – kann in fast unbegrenzten Mengen produziert werden. Wenn die Grenzen der modernen Drucktechnologie erreicht werden sollten, dann brauchen die Designer nur eine "0" hinzuzufügen ... und sie haben die Geschwindigkeit, mit der sie die Währung inflationieren, um den Faktor 10 erhöht. In der heutigen elektronischen Welt misst man seinen Reichtum sowieso nicht mehr an der Menge der physisch vorhandenen Banknoten – man hat "virtuelles" Geld auf Konten. Ein Zentralbanker muss deshalb noch nicht einmal wirklich die Druckerpresse anwerfen lassen; elektronisch registrierte Nullen können mit Lichtgeschwindigkeit hinzugefügt werden. Ist es angesichts der Leichtigkeit, mit der neues Papiergeld gedruckt wird, verwunderlich, dass das alte Papiergeld seinen Wert verliert?

Für eine Zeitlang schien Mr. Greenspan Gottes Segen zu haben. Er stand auf der Bühne der Weltwirtschaft wie Moses vor dem Roten Meer, und er glaubte, dass er das Gelobte Land der Papierwährungen gefunden hätte – denn seine Papier-Dollar stiegen gegenüber dem Gold für zwei Dekaden, obwohl sie eigentlich hätten fallen sollen. Greenspan erklärt seinen Exodus damit: "Aber die negativen Konsequenzen des exzessiven Geldmengenwachstums (bis zum Ende der 1970er Jahre) für die finanzielle Stabilität und die wirtschaftliche Entwicklung provozierten einen Rückschlag. Die Zentralbanker wurden schließlich zum Überangebot an Geld gedrängt, sogar auf Kosten von zeitlichen wirtschaftlichen Fehlentwicklungen. 1979 war es schmerzhaft klar geworden, dass in den USA drastische Maßnahmen notwendig geworden waren. Die Fed unter dem damaligen Vorsitzenden Paul Volcker verlangsamte mit Unterstützung sowohl der Carter- als auch der Reagan-Administration das Wachstum der Geldmenge dramatisch. Daraufhin fiel die Wirtschaft in eine Rezession und die Inflation ging zurück."

"Allerdings blieb der Erfolg – die Senkung der Inflationsrate – auch dann erhalten, als die Wirtschaft wieder zu einer deutlichen Erholung ansetzte. Ende der 1980er hatte sich das Inflationsklima dramatisch geändert. Die Entwicklung der letzten 20 Jahre unterstützt die Beobachtung, dass eine kluge Geldpolitik, die eine längere Periode durchgehalten wird, die Kräfte der Inflation unter Kontrolle halten kann – obwohl der Druck, die Geldmenge zu erhöhen, chronisch ist."

Bis Anfang 2000 wurde der Genius von Mr. Greenspan noch weltweit beklatscht. Sein Managen der Geldpolitik sah wie ein großer Erfolg aus. Aber dann platzte die Blase. Die Leute begannen sich zu wundern, welche Zentralbank so dumme Sachen tun würde. "Die Geschichte zeigt, dass es der größte Fehler ist, den eine Zentralbank machen kann, wenn sie das Entstehen einer Spekulationsblase zulässt", schrieben Andrew Smithers und Stephen Wright im Jahr 2000 in "Valuing Wall Street". Nachdem die Spekulationsblase geplatzt war, sah die Geldpolitik von Alan Greenspan nicht mehr so klug aus. In seiner Amtszeit hatte er die Geldmenge verdreifacht – in einer Zeit, in der das amerikanische Bruttoinlandsprodukt um nur 50 % stieg. Er schuf mehr neues Geld als alle Fed-Vorsitzenden vor ihm zusammen – für jede neue Unze Gold kamen 6.250 neue Dollar auf den Markt.

Dieses neue Geld hatte keine Ressourcen hinter sich. Obwohl es in den Geschäften willig angenommen wurde, repräsentierte es keinen Zuwachs an wirklichem Reichtum. Die Geschäftsleute dachten, sie hätten mehr "Geld", aber es gab wirklich keinen realen Wert, der dieses neue Geld deckte. Ermutigt durch die scheinbar unbegrenzte Kaufwut der Amerikaner bauten Ausländer neue Fabriken in großem Maßstab – zuerst die Japaner in den 1980ern, dann China in den 1990ern. Sie verkauften ihre Produkte den Amerikanern ... und investierten dann das erhaltene Geld entweder in neue Kapazitäten zu Hause oder in Anlagen in den USA. Ende 2002 war das produzierende Gewerbe immer noch in einer Krise, die seit 30 Jahren andauert, und die Ausländer besaßen fast 20 % der amerikanischen Aktien. Diese Auswirkungen des "moral hazard" fühlt man jetzt. Die amerikanischen Konsumenten sind so hoch verschuldet wie nie zuvor – und sie scheinen neue Kredite zu brauchen, nur um die alten bezahlen zu können. Die moderaten Überschüsse bei den Haushalten der US-Bundesstaaten und beim amerikanischen Bund haben sich in hohe Defizite verwandelt. Wo soll das Geld her kommen? Die Amerikaner haben wenige Ersparnisse; das Geld muss man außerhalb kommen. Aber die US-Leistungsbilanz ist mit satten 450 Milliarden Dollar jährlich im Minus. Stephen Roach schätzt, dass der neue Kapitalbedarf das Defizit auf 600 Milliarden erhöhen wird – das sind 2,5 Milliarden Dollar pro Arbeitstag.

Die Ausländer könnten bereit sein, eine neue Konsumwelle in den USA zu finanzieren. Allerdings könnten sie auch nicht dazu bereit sein – der Dollar fällt ja schon. Ich weiß nicht, was passieren wird, aber ich kann Ihnen meine Einschätzung geben: Die Ausländer werden dazu nicht zum selben Dollarkurs bereit sein. Der Dollar sollte gegenüber dem Gold fallen ... und gegenüber ausländischen Währungen. Er wird es wahrscheinlich auch.


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