Erdölnachfrage: Erholung für 2010 prognostiziert!
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohöl als Geldanlage
vom 14. Juli 2009, 20:00 Uhr
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Gestern haben wir uns ausführlich mit der aktuellen Situation am Ölmarkt beschäftigt und Gründe evaluiert die vorerst für eine Weiterführung des Abwärtstrends der Rohölpreise sprechen.
Doch, ich sage gezielt "vorerst", denn schließlich verändert sich die Ausgangslage eines Marktes immer mit der Zeit.
Die Frage ist also, was eine Überlegung mit zeitlich ausgedehnterem Horizont hergibt?!
IEA prognostiziert Anstieg der Erdölnachfrage in 2010
Die International Energy Agency prognostiziert folgerichtig im Angesicht all der Faktoren die dafür sprechen einen Nachfragerückgang von 2,9% für das laufende Jahr 2009.
Doch die IEA geht noch weiter: für 2010 prognostiziert die Agentur wieder eine Erholung der weltweiten Ölnachfrage um 1,7% oder 1,4 Millionen Barrel auf 82,5 Millionen Barrel pro Tag.
Zum größten Teil geht das erwartete Nachfragewachstum für das kommende Jahr auf das Konto der Nicht-OECD-Staaten, insbesondere Chinas. Aber auch für die Staaten des Nahen Ostens und Südamerika erwartet die IEA eine steigende Nachfrage.
Für die OECD-Staaten dagegen erwartet die IEA im kommenden Jahr höchstens ein sehr leichtes Nachfragewachstum von 0,2%.
Sehen wir uns zur Unterstützung folgende Grafik der EIA (Energy Information Administration) an, die einen Überblick über das weltweite Erdölverbrauchswachstum und das Wachstum der Ölproduktion in den Nicht-OPEC-Staaten, gibt:
Quelle: EIA
Auch die EIA erwartet, wie man sieht, ab dem kommenden Jahr wieder einen steigenden Verbrauch.
Oder sehen wir uns hier die Prognose der EIA, bezüglich des weltweiten Flüssigkraftstoffverbrauchswachstums an:
Quelle:EIA
Auch diese Grafik spricht bereits Bände: die deutlichen Verbrauchswachstumsimpulse gehen von den asiatischen und anderen Nicht-OECD-Staaten aus.
Antriebsmotor China
Nicht umsonst ruhen immer mehr Hoffnungen auf China, wenn es um den tatsächlichen Beginn der konjunkturellen Erholung geht oder sogar darum einen Antriebsmotor für die Erholung der Weltwirtschaft zu suchen. Chinas Konjunkturpaket, die wachsenden Investitionen, die hohen Währungsreserven und die wesentlich bessere finanzielle Lage des Staates gegenüber den anderen hoch verschuldeten großen Volkswirtschaften des Westens, machen das Land zu einem Hoffnungsträger. Auch für den Ölmarkt....
China baut strategische Ölreserven weiter aus
Seit einiger Zeit beobachten wir schon wie sehr sich China auf die bereits angelaufenen und vor allem die noch kommenden Ausgaben im Infrastrukturbereich vorbereitet: mit dem Aufbau hoher Rohstoff- Reserven. Industriemetalle hat das Land seit Beginn des Jahres wie verrückt gekauft. Doch relativ unbemerkt von Vielen hat China bereits im Jahr 2003 damit begonnen, seine strategischen Ölreserven aufzubauen. In 4 Küstenstädten rund um den natürlichen Tiefseehafen Dalian und die Bohai-Bucht wurden bereits spezielle Öllager gebaut. In einer zweiten Stufe sollen nun - wie im Februar bekannt gegeben wurde - bis 2011 weitere 8 Lagerkapazitäten aufgebaut und mit
Öl gefüllt werden.
Ziel ist es, den Erdölbedarf der Volksrepublik für rund 90 bis 100 Tage aufrechtzuerhalten. Davon ausgehend , dass China aktuell rund 100 Millionen Barrel an Ölreserven hält, bedeuten diese Maßnahmen, dass das Land seine Reserven um weitere 180 Millionen Barrel ausweiten will. Schon allein aufgrund dieses Faktors, kann also von langfristig weiter wachsenden Ölimporten ausgegangen werden.
Und tatsächlich: die einzig wirklich bullischen Signale kommen im Moment aus China. Im Juni importierte das Land rund 16,6 Millionen Tonnen Rohöl. Das entspricht einer Steigerung von 14% gegenüber dem Vorjahr.

