Erdöl – die Woche beginnt mit hoher Volatilität
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohöl als Geldanlage
vom 21. Juli 2008, 20:00 Uhr
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Liebe Leser,
und wieder einmal beginnen wir diese Woche mit unser aller Erdöl (Light Sweet Crude), welches sich heute in einer preislichen Schwankungsbreite von annähernd 3 US-Dollar bewegte.
Der Markt ist nach wie vor unsicher, erscheint etwas hin und her gerissen in Bezug auf die Beurteilung der künftigen Entwicklung. Hinzu kommt noch ein besonderer Faktor, der auf eine steigende Volatilität zu Beginn dieser Woche hindeutet. Doch dazu später!
Befassen wir und zunächst mit der Irangeschichte
Wir erinnern uns: es könnte fast einmal eine Erwähnung in den Geschichtsbüchern (sehr ausführlichen Geschichtsbüchern) kommender Generationen wert sein....
....die USA haben einen diplomatischen Vorstoß in Richtung des gebrandmarkten Iran gewagt. Die Ankündigung, dass ein US-Vertreter an den Gesprächen zwischen dem Iran und der EU am vergangenen Wochenende teilnehmen würde, hat durchaus hohe Wellen geschlagen. Nicht nur in Diplomaten- und Politikerkreisen, auch die Märkte nahmen die ausgestreckte US-Hand deutlich zur Kenntnis. Oder besser gesagt, die Marktteilnehmer nahmen das Zeichen des guten Willens" von US-Seite zum Anlass sich zunächst einmal aus dem Ölmarkt rauszuhalten und weiter zu beobachten, respektive Öl weiter zu verkaufen.
So oder so, man konnte in der vergangenen Woche gedanklich doch schon fast wieder über die rosa Blümchenwiese des Friedens über der heroisch das US-Banner im Wind flattert spazieren. Auch die etablierten Medien taten dies mehrheitlich. Ich erinnere nur an den britischen Guardian der am Horizont schon eine US-Botschaft in Teheran auftauchen sah.
Es war ja auch eine wirklich liebenswerte Geste, die da von Seiten der US-Amerikaner kam, keine Frage! Dennoch konnte ich mich in der vergangenen Woche einer Überlegung nicht ganz entziehen: Wo blieb bei dem Ganzen eigentlich die Reaktion des Irans? Heroisch wurde schon die Entspannung gefeiert, ganz so als seien nur die USA für den Frieden in der Welt zuständig. Sie mögen sich vielleicht erinnern, dass ich mir in der letzten Woche bei jeder Stellungnahme zu dem Thema einen Nebenkommentar dahingehend nicht verkneifen konnte, dass der Iran ja bislang noch gar nicht Stellung bezogen hatte zu dem Thema. Auch hatten die Gespräche ja noch gar nicht statt gefunden. Da war ein Gedanke, dem ich mich nicht ganz entziehen konnte: Würde der Iran überhaupt die ausgestreckte US-Hand ergreifen?!
Zu viel Euphorie kann manchmal blind machen, doch lassen wir das, es war nur ein Gedanke, ich kann genauso wenig wie jeder andere in die Zukunft blicken und rosa Blümchenwiesen mag ich ebenfalls. Überdies folgt der Markt im Grunde sowieso nichts anderem als dem Konsens seines Glaubens.
Wie dem auch sei, die Enttäuschung folgte auf dem Fuß, denn aus den Gesprächen am Wochenende ergab sich erst mal gar nichts. US-Unterstaatssekretär Burns zeigte sich enttäuscht vom ersten Zusammentreffen mit den Iranern und ich würde schätzen diese waren ebenso enttäuscht. Heraus gekommen ist also gar nichts, außer dass der Westen den Iran nach wie vor unter Druck setzt und verlangt dass dieser sein Atomprogramm einstellt. Ansonsten drohen dem Iran weitere Sanktionen und Isolation. Aber immerhin, die Iraner haben jetzt zwei Wochen Zeit zu antworten.
Dies war mit einer der Gründe, die den Preis für leichtes Rohöl heute in Richtung der 132 US-Dollar-Marke gedrückt hatte. Der andere Grund heißt....
Dolly
Dolly ist ein tropischer Sturm der am Wochenende die mexikanische Halbinsel Yucatan getroffen hat und irgendwann heute den Golf von Mexiko erreicht.
Jetzt ist der Markt mittlerweile nach Katrina und Rita sehr sensibel für solche Stürme, denn Dolly könnte sich auch zu einem Hurrikan ausweiten. Zumal wir nun auch den Beginn der Hurrikan-Saison erleben.
Doch die Betonung des Vorsatzes liegt auf könnte". Denn noch herrscht Unklarheit darüber ob Dolly überhaupt die mexikanischen Produktionseinrichtungen oder die US-amerikanischen Plattformen und Raffinerien erreichen wird. Einige Wetterfrösche gehen davon aus, dass Dolly schlicht dazwischen hindurch fegen wird.
Nun Dolly ist jedenfalls Grund genug für einen hübschen spekulativen Faktor. Dass man noch nichts genaues weiß, zeigen auch die unterschiedlichen Reaktionen der im Golf angesiedelten Ölindustrie. Während Petroleos Mexicanos nichts unternimmt, hat Royal Dutch Shell mittlerweile 125 Menschen evakuiert. Nun wir werden sehen was kommt....
Ein Indikator für eine hohe Volatilität zu Beginn dieser Woche
...ist ein ganz anderer banaler Grund: der August-Kontrakt läuft morgen aus. Und da nun einmal ein Großteil der Marktteilnehmer aus Finanzinvestoren besteht, die kein Interesse an einer physischen Anlieferung haben und somit ihre Kontrakte vor dem Erfüllungstermin an Produzenten oder richtige Abnehmer verkaufen müssen herrscht momentan ein hoher Verkaufsdruck von Seiten der Trader der die gegenwärtig hohe Schwankungsbreite unterstützt.
Was danach kommt steht wohl auch in den Sternen nicht, dennoch gehe ich davon aus, dass ein starker Verkaufsdruck bis unter die 120 US-Dollar-Marke erst später anstehen könnte. Die Ölpreise könnten sich zunächst einmal über der 130 US-Dollar-Marke halten und im Angesicht der beginnenden Hurrikan-Saison, sowie der weiterhin bestehenden geopolitischen Risiken zwischenzeitlich neue Preisspitzen herauskristallisieren.