Er hängt und hängt ...
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 09. November 2005 18:00 Uhr
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Er hängt an der 1630/1640er Marke, der Nasdaq100, den vierten Tag in Folge. Ich hänge hier und weiß nicht, ob ich das nun kurzfristig bullish oder bearish werten soll. Gut ist, dass es nicht zu stärkeren Kursverlusten kommt, schlecht, dass es nicht zu stärkeren Kursgewinnen kommt. Was bleibt? Abwarten.
Schlechte Nachrichten vom US-Immobilienmarkt
Derart unentschlossen zeigt sich nun auch der Dax, wen wundert es. Angesichts der Tatsache, dass gestern Informationen über den US-Immobilienmarkt die amerikanischen Indizes belastet haben, muss man schon sagen, dass sich die Märkte stabil halten. Es wurde bekannt gegeben, dass die Häuserpreise immer unerschwinglicher werden und aus diesem Grund Häuser zu einem immer größeren Teil fremdfinanziert werden müssen, so meine Information. Die steigenden Zinsen machen aber die Finanzierung immer schwieriger.
Ja fein, würde ich sage, das ist doch das, was wir erreichen wollen. Der Boom im Immobiliensektor wird nun abgeschwächt, die Zinserhöhungen tun ihre Wirkung. Mit anderen Worten, so langsam kann die Fed dazu übergehen, die Zinserhöhungen auslaufen zu lassen (Zinsänderungen wirken sich um im Schnitt sechs Monate zeitversetzt auf die Wirtschaft aus).
Noch zwei Zinserhöhungen in den USA
Im Moment favorisiere ich noch zwei Zinserhöhungen, bis dann Green Bernie das Amt des Notenbankchefs übernimmt, dieser wird dann die Märkte "überraschen", in dem er ankündigt, dass die Zinserhöhungen nun zunächst ausgesetzt werden. Perfekt.
Nun hatte ich geschrieben, dass es nach Notenbankwechseln gerne zu einem "Crash" in irgendeiner Anlageklasse kommt. Wenn ich mir Druckmaschinen Ben Bernankes Kommentare anschaue, dann ist die gefährdetste "Klasse" der Dollar. Sie sollten also, nach dem Wechsel an der Spitze der Notenbank, auf den Dollar achten.
Schwacher Dollar gut für Aktien
Allerdings, denken Sie immer auch daran: Ein sinkender Dollar führt dazu, dass die US-Firmen, denen ja ein "reeller" Wert zugrunde liegt, international nicht weniger wert sind. Ein sehr vereinfachtes Beispiel: Nehmen wir an, der Dollar verliert 50 %. Dann müssten Sie theoretisch für Dinge, die früher einen Dollar gekostet haben, zwei Dollar bezahlen.
Wenn also ein Unternehmen vorher 100 Dollar je Aktie wert war, müsste das Unternehmen dann 200 Dollar wert sein. Das wäre aber eine Kurssteigerung von 100 %! (leider spiegelt der Kurse einer Aktie natürlich nicht den reellen Wert eines Unternehmen wider).
Was ich damit sagen will: Fällt der Dollar, dann werden die Indizes natürlich allein schon deswegen eine gewisse Neigung zum Steigen haben, natürlich nicht eins zu eins, wie im obigen Beispiel dargestellt, sondern zeitversetzt und verzerrt. Das Beispiel ist so natürlich nicht umzusetzen.
US-Indizes reagieren deutlich auf den Dollar
Schaut man sich jedoch die Entwicklung der US Indizes in den letzten Jahren an, dann erkennt man, dass die Märkte bei einem schwachen Dollar deutlich Stärke zeigten. Seit Anfang des Jahres, seitdem also der Dollar steigt, laufen die Indizes eher seitwärts. Würde man die Dollaraufwertung einrechnen, wäre es sogar ein deutlicher Anstieg.
Sie sehen, der Einfluss der Dollarschwankung scheint also auch ganz real Einfluss auf die Kurse zu nehmen.
Damit zu der Konklusion am heutigen Tage: Wenn also Greeny Bernanke an die Macht kommt, die Märkte dann von einem schwachen Dollar ausgehen, er die Zinserhöhungen aussetzt, dann spricht alles dafür, dass die Märkte stark steigen.
Bis dahin?
Na, da noch zwei Zinserhöhungen in den USA anstehen, wird der Dollar noch gestützt werden, da die Börse jedoch eine mögliche Zukunft vorweg nimmt, kann es sein, dass wir bald einen Boden im Euro/Dollar Verhältnis sehen werden. Damit sollte es dann auch für die Märkte leichter werden zu steigen.
Zuvor, ist aber im kurzfristigen Bereich alles möglich, unser Blick geht auf den Nasdaq100: Dort steht die 1630 – 1640 Marke zur Disposition, schauen wir, was passiert.
Denken Sie daran: Ein Gapclose bei 1600 Punkten wäre noch nicht bearish zu werten!
(Übrigens, wenn jetzt der Markt noch einmal richtig abtauchen würde, der Dow unter die 10.000 Punkte und der Dax unter die 4770 Punkte, wären auch die letzten Bullen aus dem Markt – der Weg des größten Schmerzes, den sollte man sich immer wieder in Erinnerung rufen).