Enttäuschungen, vielleicht sogar Gerichtsverhandlungen
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 29. April 2005 18:00 Uhr
ENL5454
Die Asiaten verleihen das Geld, das sie durch ihre Exporte in die USA erhalten, an ihre Banker. Die Banker verleihen es an die institutionellen Kreditnehmer in Amerika – insbesondere die amerikanische Schatzkammer. Das leichte Geld aus dem Ausland ermutigt zu niedrigen Zinssätzen in Amerika ... so niedrig, dass große Kreditnehmer Geld zu Raten bekommen, die kaum über der Inflationsrate liegen. Sie können das Geld dann – zu leicht erhöhten Zinssätzen – an kleinere Kreditnehmer weiter verleihen. Überall in diesem System sorgt der Überschuss an Erspartem aus Asien ... und nicht vollständig zufällig auch die geringen Zinssätze der amerikanischen Zentralbank ... dafür, dass die Kosten für Kredite sinken, ebenso wie die Erträge. Selbst die Geldfonds mit den höchsten Erträgen zahlen weniger als 3 %. Und der Kreditnehmer, dessen einziger Vermögenswert sich auf Fensterscheiben und Spiegeln niederschlägt, kann hingehen und so viel Geld ausleihen, wie er braucht, um noch ein Haus zu kaufen.
Ich kann mir nicht helfen, aber ich habe das Gefühl, dass die Enttäuschung in dieses System schon mit eingebaut ist. Wie ich schon einmal erklärt habe, ist es sehr gut, dass das weltweite Finanzsystem Kreditnehmer und Kreditgeber zusammenbringt, aber diese Partnervermittlung kann nur funktionieren, wenn sie zu zufrieden stellenden Ergebnissen führt. Wenn man eine Prinzessin an einen Frosch vermittelt ... und das arme Mädchen beugt sich hinunter um dem Tier ein Küsschen zu geben, dann sollte es sich deutlich verändern, oder es wird zwangsläufig zu Enttäuschungen führen.
Enttäuschungen, vielleicht sogar Gerichtsverhandlungen.
Genauso wie sich ein Reisender solange nicht sicher sein kann, ob er eine angenehme Reise hatte, bis er wieder zuhause ist, weiß man auch nicht, ob eine Leihgabe gut oder schlecht war, ehe das Geld wieder bei seinem Verleiher angekommen ist. An dieser Stelle wird die Enttäuschung vermutlich auftreten.
"Sind die Kreditgeber zu nachsichtig", fragt CNN Money. Das werden wir erst wissen, wenn sich das Geld auf den Heimweg macht. Ich schätze, dass sich nicht so viel auf den Weg nach Hause machen wird, wie die Leute erwartet hatten.
Eins von vier Häusern, die in den letzten Jahren gekauft wurden, war ein Zweithaus ... oder eine Anlageimmobilie. Im letzten Jahr ist der Betrag, der an Eigenkapital (bei Hauskäufen) aufgebracht wurde, um 42 % zurückgegangen, und der durchschnittliche Eigenanteil fiel von 6 % 2003 auf nur noch 3 %.
"Der rasante Anstieg an Krediten, bei denen nur die Zinsen gezahlt werden müssen – im letzten Jahr griff die Hälfte der Hauskäufer darauf zurück, 2001 tauchten sie noch fast gar nicht auf – ist die treibende Kraft, die dazu führte, dass die Immobilienpreise in Kalifornien stiegen", schreibt die LA Times. Das bedeutet, dass es in Kalifornien viele Haushalte gibt, die die Zinssätze genau beobachten. Selbst ein kleiner Anstieg würde diese Familien zwingen, die Ausgaben in anderen Bereichen zurückzustellen.
In der Zwischenzeit beklagt sich die Business Week:
"Kreditkartenvorschriften, die minimale monatliche Zahlungen erfordern, könnten den Banken ebenso wie den schuldbeladenen Verbrauchern schaden."
" Wie viele Amerikaner sind Robert und Hill Procter aus Kansas City von Kreditkartenschulden betroffen. Als Robert vor zwei Jahren seinen Job verlor, machte das Paar 35.000 Dollar Schulden auf 10 verschiedenen Kreditkarten, nur um für die täglichen Ausgaben für Lebensmittel und Gas aufzukommen. Selbst als Robert im vergangenen Jahr eine Stelle als Manager in einem Country Club fand, reichte das Geld gerade noch, um die Ausgaben für zwei Autos, eine Hypothek, die Kreditkartenrechnungen und die normalen Haushaltskosten abzudecken."
Robert, der bei den Karten mit den größeren Schulden nur die minimalen Zahlungen leistet, solange er noch bemüht ist, die kleineren Beträge auf den anderen Karten zurückzuzahlen, sagt: "Wenn sie noch weitere Gebühren erheben, sind wir geliefert."
"Und das ist genau das, was passieren wird. Wegen eines härteren Durchgreifens beim (Amt für Währungskontrolle) werden die meisten Banken und Aussteller von Kreditkarten in den nächsten 12 Monaten gezwungen sein, die minimalen monatlichen Zahlungen anzuheben. In Zukunft müssen die Zahlungen sämtliche Gebühren und Zinsen abdecken und zumindest einen Teil des ausstehenden Betrags zurückzahlen."
Noch können die Procters Spiegel zum Beschlagen bringen. Aber werden sie auch in der Lage sein, ihre Rechnungen zu bezahlen?