Eng, enger – ganz eng : Dow über 10.000
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 09. Dezember 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Ich habe Ihnen heute noch einmal den aktualisierten Dow-Chart, den ich Ihnen bereits vor kurzem vorgestellt hatte, beigefügt. Es geht immer noch um diese Wolfe Wave. Diese entwickelt sich prächtig. Der Dow reckt sich gegen die 10.000 Punkte und mich würde es nicht wundern, wenn er sich auch noch einmal kurz darüber "hinwegreckt". Nur um zu schauen, wie es denn darüber aussieht. Schließlich war er da ja seit 4 Jahren nicht mehr (am 8.4.1999 schaffte der Dow zum ersten Mal einen Schlusskurs über 10.000 Punkte). Und schließlich ist doch alles wieder so wie 1999 ... alles?
Hier der Link:
www.boerse.mynetcologne.de/dow.gif
Wenn der Dow an dieser blauen Linie nachhaltig abprallen sollte und durch die 9850 Punkte Marke geht, dann kann es ganz schnell, ganz düster werden. Eine Wolfe Wave in einer Broadenig Formation ... zwei große Umkehrformationen ... – eng, enger – ganz eng, nach ganz eng kommt lose: Was ist aber, wenn der Dow diese Linie durchbricht, plötzlich feststellt, dass es ihm doch ganz gut über der 10.0000er Marke gefällt?
Ich war gestern bei meinem Weinhändler um die Ecke, um diesen ausgezeichneten 1995er Rerserva zu erwerben, den ich hin und wieder sehr gerne trinke. Da es kurz vor 20.00 Uhr war, verwunderte es mich, dass noch ein Grüppchen zusammenstand und Wein verkostete. Ich ließ mich nicht lange einladen und vertiefte mich in die Gespräche. Es ging um Roulette. Einer der Anwesenden erzählte, dass er als Student mehrer Jahre in einem Casino gearbeitet hatte. Ich würde Ihnen gerne alle seine Geschichten erzählen, denn sie waren wirklich überaus interessant. Aber eine Geschichte hat mich besonders begeistert:
Er erzählte, dass er dabei war, als 37 Mal (!) hintereinander Impair (Ungerade) gefallen ist: (Falls Sie sich nicht im Roulette auskennen, man kann beim Roulette neben den Zahlen nicht nur auf Rot oder Schwarz, sondern auch auf Gerade oder Ungerade setzen) Zunächst hatten es die wenigsten bemerkt, aber so nach 15 Mal Impair fiel diese Serie den meisten Spielern auf. Ab 20 Mal hintereinander Impair, flogen nur die Jetons. Immer wagemutiger wurden die Einsätze auf Pair (Gerade). Diese Serie musste doch irgendwann aufhören.
Doch es kam auch 25 Mal hintereinander Impair. Der ehemalige Student meinte, nach 30 Mal Impair hätte keiner der (bekannten) Zocker auch nur noch einen Cent in der Tasche gehabt. Immer wieder wurde auf "Pair"(Gerade) gesetzt, immer wieder wurde verloren. Alle standen fassungslos um den Tisch. Selbst die "Antizykler" wagten es nicht mehr weiter auf "Impair" zu setzen. Mittlerweile wurden schon die Croupiers bei jedem Wurf ausgetauscht, doch es fiel immer wieder Impair. Nur nebenbei merkte er an, dass die Spielbank an diesem Abend ihren größten Tischgewinn des Jahres erzielte. Zum Schluss hätte nahezu keiner mehr auf irgendetwas gesetzt, auch weil keiner mehr Geld hatte. Als dann doch noch kurz vor Schluss, nach dem 37sten Mal Impair, endlich eine gerade Zahl kam, hat die Spielbank eine Freirunde für alle ausgegeben – so der ehemalige Student.
Ich weiß nicht, ob diese Geschichte stimmt, aber sie faszinierte mich. Natürlich werden Sie erraten, woran mich diese Geschichte erinnerte. Nur glaube ich nicht, dass die Fed den Bären eine Freirunde ausgibt, wenn der Markt endlich fällt. Deswegen schreibe ich immer und immer wieder, warten Sie, bis die bearishen Marken nach unten brechen und versuchen Sie nicht das Top zu erwischen ...
Ansonsten bleibt alles beim Alten, Gold steigt, Euro steigt, die Märkte steigen. Beim Euro liegt die nächste wichtige Marke bei 1,235 Dollar. In diesem Bereich sollten Sie auf ihre Calls aufpassen, dort könnte es zu einer nachhaltigen Konsolidierung kommen. Insgesamt bin ich mir jedoch sicher, dass der Dollarverfall noch viel weiter gehen wird, weiter als alle erwarten.
Die Fed Sitzung heute Abend wird nach Medienberichten mit "Spannung" erwartet. Doch was soll das für eine Spannung sein? Keiner rechnet mit einer Veränderung des US-Leitzinses. Der Kommentar der Fed solle Aufschluss geben, über die weitere Haltung der amerikanischen Nationalbank. Ich glaube nicht, dass Alan Greenspan die Märkte mit einer Aussage verunsichert.
An den Börsen hingegen bemerkt man von Tag zu Tag mehr, dass die Weihnachtszeit naht: Das "Nachrichtenaufkommen" wird dünner, die Börsen benehmen sich seltsamer, auch die Umsätze dünnen aus – der Börsenwinter hat begonnen – mit Tauwetter ist erst wieder Anfang Januar zu rechnen.
Gerade sehe ich, nach dem Start der Amis, der Dow hat die 10.000 Punkte ganz kurz überschritten. Da kann ich nur gratulieren. Ich kaufe mir also nun einen kleinen Put, der weit aus dem Geld ist und eine Laufzeit bis Ende nächsten Jahres hat. Natürlich nur mit einem ganz kleinen Einsatz – Spielgeld, einfach als Trophäe zur Feier des Tages. Ein Glas Rotwein werde ich mir dann heute Abend noch genehmigen, den Reserva – Sie wissen schon ...