Energiedebatte
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 30. März 2011, 20:30 Uhr
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Nach meinem Beitrag vom Montag (Politische Trendwende oder emotional gesteuertes Versuchsprojekt?) gab es eine ganze Reihe an Reaktionen. Zunächst einmal Vielen Dank an alle Leser, die sich per e-mail oder Kommentarfunktion die Zeit genommen haben, ihre persönliche Meinung zu schildern.
Nun ist mir natürlich bewusst, dass Sie, liebe Leser, nicht alle meiner Meinung sind. Das ist auch gut so, schließlich sind wir ja kein gleichgeschaltetes Kollektiv und vor allem wenn es auch um politische Themen geht, zahlt sich doch gerade die Vielfalt und am Ende natürlich eine Mehrheitsbildung aus.
Nun aber zum Thema:
Möglicherweise hat der eine oder andere den Eindruck gewonnen, ich sei ein unbedingter Verfechter der Atomkraft. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal klar stellen: dem ist nicht so. Wichtig war mir in meinem Beitrag vom Montag (und ist es immer noch) vor allem deutlich zu machen, wie bedeutsam es ist, wichtige Entscheidungen nicht von kurzfristigen Emotionen abhängig zu machen. Denn dies führt dazu, dass allzu gerne eine ganze Reihe weiterer wichtiger Faktoren außer Acht gelassen werden.
Zum Beispiel, dass wer A sagt, eben auch B sagen muss.
Ich persönlich habe grundsätzlich überhaupt nichts gegen einen Ausstieg aus der Atomenergie, wie ihn Grüne und SPD (und mittlerweile ja auch ganz vehement die FDP...ob das natürlich dazu angetan ist, die Glaubwürdigkeit der Partei zu unterstützen, bleibt meiner Meinung nach fraglich...aber lassen wir das) ja gerne proklamieren. Realistisch betrachtet bleibt es aber dennoch fraglich, wie rasch so ein Ausstieg überhaupt umsetzbar ist, angesichts dessen, um beim Beispiel Baden-Wüttembergs zu bleiben, dass das Ländle derzeit fast die Hälfte seines Stroms aus der Kernenergie bezieht.
Nun gut, jedem dürfte klar sein, dass ein Komplett-Ausstieg nicht mehr in der beginnenden Legislaturperiode von Grün-Rot in BaWü zu bewerkstelligen sein wird. Die kommende Koalition weiß das auch selbst und hat den Komplettausstieg mal auf Mitte der 2020er Jahre veranschlagt.
Realistisch betrachtet ist aber auch das immer noch ein überaus ehrgeiziges Ziel, vor allem wenn der Steuerzahler und Wähler dann auch noch B sagen muss.
Wenn wir B sagen müssen
Nun setzt ja nicht nur Grün-Rot bekanntlich vor allem auf den Ausbau der Windenergie. Vor Ort ergeben sich dabei bekanntlich schon mal Probleme, weil nicht jeder ein Windrad vor Augen haben will. Aber sei es drum, wesentlich effizienter arbeitet die Windenergie-Technologie sowieso an den windigen Standorten im Norden. Das weiß auch Grün-Rot und so ist der Ausbau der Windenergie in der Nordsee mit Sicherheit auch eines der wichtigsten Energieprojekte für Deutschland. Aber eben, um die Energie vom Norden zu uns in den Süden zu transportieren, bedarf es neuer Leitungen. Und hier sind wir schon beim nächsten B angekommen. Eigentlich müssten für den vollen Umstieg deutschlandweit rund 4.500 Kilometer an neuen Hochspannungsnetzen gebaut werden. Nur, die Wenigsten wollen so eine Hochspannungsleitung vor der Nase haben, weshalb sich ebenfalls deutschlandweit schon Widerstand regt.
Natürlich können die Leitungen auch unterirdisch verlegt werden, das Problem aber hierbei sind bislang die deutlich höheren Kosten gegenüber einer oberirdischen Leitung. (Schätzungen gehen von bis zu 10mal höheren Kosten aus). Die höheren Kosten entstehen zum einen dadurch, dass bei der unterirdischen Verlegung ein besonders breiter Raum veranschlagt werden muss. Hinzu kommt oftmals ein notwendiger Bodenaustausch. Darüber hinaus bleibt es fraglich, wie die Fläche oberhalb der Stromleitung überhaupt genutzt werden darf, wodurch also oftmals auch gerade landwirtschaftlich nutzbare Fläche verloren geht. Zum anderen sind die Verluste bei unterirdischer Leitung oftmals um ein Vielfaches höher als im Vergleich zur oberirdischen Leitung, weshalb gerade bei längeren Übertragungsstrecken ab etwa 50 km spezielle Hochspannungsgleichstromübertragungstechniken angewendet werden müssen, was die Leitung weiter verteuert.
Nun ja, so sind wir also wieder bei den Kosten, doch zu diesem Thema habe ich noch einen interessanten Beitrag eines Lesers für Sie. Dazu also später mehr...
Schweres Erbe für die Grünen
Ich weiß, ich habe es so ähnlich schon am Montag gesagt, doch die Realität gestaltet sich in der Regel nicht so einfach, wie man es im Angesicht tapferer Pläne gerne hätte. Und ich habe eben auch gerade so meine Zweifel, dass sich die Realität für die Grün-Rote Landesregierung in BaWü wirklich einfach gestalten wird. Denn vermutlich wird es dem Wähler in 5 Jahren relativ egal sein, ob der EnBW-Deal noch auf das Konto der Mappus-Regierung ging oder nicht. Fakt ist, Grün-Rot muss jetzt mit einem zu erwartenden Gewinnrückgang um 30-40% umgehen. Und nicht nur das: auch wenn das jetzt so manch einer nicht gerne hören will (andere vielleicht schon), es ist sogar möglich, dass Grün-Rot die übrigen AKWs in BaWü gar nicht so schnell abschalten kann, wie versprochen. Denn auch die mehrheitlich konservativ vertretenen Kommunen in Oberschwaben, die vertraglich geregelt, genau so viele Anteile besitzen wie die Landesregierung, haben noch ein Wörtchen mit zu reden. Alles in allem wird es Grün-Rot nicht einfach haben im Spagat zwischen Wirklichkeit und Glaubwürdigkeit und gerade Hoffnungsträger fallen bekanntlich, wenn sie fallen, besonders tief. Aber na ja...mal schauen...
Mein Fazit
Auch wenn ich bislang nur von den Problemen gesprochen habe, die sich durch den Energie-Umstieg ergeben, möchte ich noch einmal festhalten, dass ich grundsätzlich den Ausbau Alternativer Energien für sehr wichtig halte. Mir ist es nur wichtig, von der emotional geführten Atom-Debatte grundsätzlich abzurücken und mir ein realistisches Bild zu bewahren. Ein Komplettausstieg aus der Atomenergie, wie er seitens der Politik frühestens auf Mitte des kommenden Jahrzehnts proklamiert wird, bringt auf jeden Fall eine ganze Reihe, auch unerfreulicher weiterer Faktoren mit sich, die man auch im Eifer des Gefechts nicht vergessen darf. Das heißt aber keinesfalls, dass ich nicht vehement dafür plädiere, dass insbesondere Technik und Forschung am raschen Ausbau der Alternativen Energien arbeiten müssen.
Ja, ich meine das genau so...Wind- und Solarenergie sind zwei äußerst wichtige Energiezweige. Doch, wir müssen auch realistisch bleiben: die Effizienz beider Technologien ist mehr als abhängig von ihrem jeweiligen Standort und beide Technologien sind, je nach Standort, leider auch mehr als unbeständige Technologien. In der Nähe meines Wohnortes gibt es beispielsweise mittlerweile ein Windrad - das produzierte im März des vergangenen Jahres schon stattliche 2.300 kWh. Im März dieses Jahres liegt die Produktion leider gerade einmal bei knapp über 670 kWh. Auch wenn das jetzt natürlich nur ein winzig-kleines Einzelbeispiel ist...mit solchen Schwankungen lässt sich leider nur sehr schwer kalkulieren, geschweige denn eine absolut sichere Grundversorgung bereit stellen. Dennoch gibt es natürlich Standorte an denen die Technologien jeweils absolut hervorragend und passend sind.
Trotzdem...auch wenn Bundesregierung und überhaupt der gesamte Politikhaufen vor allem auf Wind und Solar setzen...ich fühle mich nicht ganz sicher mit einer ausschließlichen Hauptversorgung nur durch diese beiden Energieerzeugungsformen.
Deshalb sind Forschung, Technik und Innovationskraft gefragt, damit wir uns irgendwann tatsächlich, ausschließlich und dann mit einem sicheren Mix aus den verschiedensten Alternativen Energieerzeugungsformen versorgen können.
Nun aber noch zum 4.Teil und einem interessanten Leserbeitrag...
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