Energie aus dem blauen Meer – der Ölboom vor der Küste – Teil 4
Chris Mayer in Traders Daily
vom 4. September 2008, 12:00 Uhr
ENL5454
Die neue Wendung bei der Metallgeschichte ist das Problem der Energielieferung in vielen Ländern - in Südafrika, Chile, China und in anderen Ländern. Jahre der Unterinvestitionen in die Energielieferungen sind ein weltweites Problem - ein Thema, über das ich schon wiederholt geschrieben habe. Und man kann dieses Problem nicht lösen, indem man einfach auf einen Schalter drückt. Es braucht Jahre, neue Kraftwerke zu bauen und die Kapazität zu steigern.
Südafrika ist ein besonders schwerer Fall der Energieknappheit. Die Folgen für die Produktion sind erschütternd. Im ersten Quartal ist die Leistung der Minen um 22% zurückgegangen, auf das geringste Niveau in vierzig Jahren. Bergbauunternehmen in Südafrika stehen dem Risiko wiederholter Energieausfälle und/oder erzwungener Reduktionen gegenüber.
Chile leidet auch unter ernster Energieknappheit. Das Land ist bei Erdgas von Argentinien und Bolivien abhängig. Da die beiden letztgenannten Länder mehr Erdgas konsumieren, exportieren sie weniger nach Chile. Chiles Wasserlevel ist ebenfalls um 40% geringer als vor einem Jahr. Weil Chile von hydroelektrischer Energie abhängig ist, ist das ein großes Problem und die Elektrizitätskosten schießen in Chile in den Himmel. Da dort 35% des weltweiten Kupfers hergestellt wird, muss die Fähigkeit angezweifelt werden, angesichts der Energieknappheit weiterhin die Produktion steigern oder auch nur aufrecht halten zu können.
Das sind lediglich zwei Beispiele, aber es gibt sicher noch mehr. Ein weiterer Faktor, der das Angebot einschränkt und die bestehenden Minen so wertvoll macht, ist der Mangel an Fachkräften. Vom Kohlenabbau bis hin zu den Betreibern der Ölplattformen vor der Küste stellt man fest, dass es eine große Herausforderung darstellt, ausreichend Fachpersonal zu finden.
Es gibt nur ein knappes Angebot an traditionellen Fähigkeiten - Leute, die eine Maschinenwerkstatt leiten können oder ein Bergbauunternehmen, beispielsweise. Diese Fähigkeiten lassen sich nicht schnell erlernen. Doch es besteht eine weite Spanne zwischen dem, was diese Leute machen und dem, was jemand macht, der an einem Schalter an der Wall Street sitzt und mit Hypotheken handelt.
Michael Aaronstein, ein langjähriger Geldmanager und Stratege fasst das so zusammen:
„Der relative Unterschied der Entlohnung von jemandem, der am Derivatschalter sitzt und jemandem, der wirklich eine Lokomotive überholen und reparieren kann, ist heute bestimmt auf einem Jahrtausendhoch... aber das wird sich ändern. Ich gehe davon aus, dass sich diese Spanne verkleinern wird, ein Prozess, der schon zu den Tiefstwerten im Jahr 2002 begonnen hat."
Fasst man all das zusammen - den heißen Markt der Fusionen und Übernahmen, das Problem mit der Energieknappheit, den Mangel an Fachkräften und mehr - dann heißt das letzten Endes, dass es schwer werden wird, das Angebot an die Nachfrage anzupassen.
Und die Nachfrage ist da, angefeuert von den boomenden Ökonomien in China, Indien und Russland. Um genau zu sein, kommt ein großer Teil der Fusionen und Übernahmen aus diesen Ländern.
Sie brauchen ein größeres Angebot an Metallen, um der Nachfrage in der Heimat nachkommen zu können. Z.B. haben Aluminium Corp. aus China und Sinosteel mehr als 16 Milliarden Dollar ausgegeben, um Bergbauanlagen überall auf der Welt zu kaufen. Diese Unternehmen versuchen Rohmaterialien wie Kohle und Eisenerz zu sichern.
Bergbauaktien haben, nicht überraschend, in den vergangenen beiden Jahren gut abgeschnitten, und das in einer Zeit, in der sich der allgemeine Markt kaum bewegt hat.
Die Metals and Mining ETF des S&P, ein anständiger Stellvertreter der Minenaktien, haben sich in den vergangenen beiden Jahren verdoppelt. Der Markt insgesamt hat sich in dieser Zeit kaum gerührt.
Doch der Blick vom Boden aus, scheint - wie das vorangehende deutlich macht - darauf zu deuten, dass die Bergbauaktien immer noch zu günstig sind.