Endspurt im Euro-Drama
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 28. November 2011, 20:45 Uhr
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Aktuell machen die Medien Politik und wie es scheint, sogar wesentlich erfolgreicher als die Häuptlinge. Das mag daran liegen, dass die Medien zumindest mit Ideen zur Lösung der Zonen-Krise aufwarten, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass im Moment noch nichts in trockenen Tüchern ist und die Häuptlinge bislang erst noch beraten, was man tun könnte. Und hierbei gibt es immer noch große Differenzen zu überbrücken...
Stabilitäts-Club, EZB-Joker oder Elite-Bonds?
Geht es nach den Journalisten und ihren Quellen, dann hätten wir mittlerweile zumindest irgend einen Lösungsweg beschritten. Am Wochenende wurde darüber spekuliert, dass es bald einen Club der Stabilitätsländer geben wird. Oder anders gesagt: weil die Änderung der EU-Verträge (wie es Angie gerne hätte) viel zu viel Zeit in Anspruch nehmen wird und auch nicht jeder hinter diesen Plänen steht, könnten sich die Zonen-Länder (oder auch ein Teil der Zonen-Länder) dazu entscheiden, gemeinsam einen Stabilitätspakt mit strenger Haushaltsdisziplin aufzustellen - dies entspräche dann zwar lediglich einem Abkommen, aber die Defizitregeln könnten dann von einer übergeordneten europäischen Behörde beaufsichtigt werden.
Ob es dazu kommt und ob es was bringt, wer weiß? Aber die Hoffnungen sind zumindest da, dass sich jetzt langsam mal etwas tut im Euroland...
Allerdings kann das nur funktionieren, wenn Deutschland und Frankreich zusammen einen Weg beschreiten.
Doch liest man die französische Presse wird deutlich, dass im rosigen Verhältnis zwischen Angie und Nic so einige Dornen sprießen. Nur den deutschen Sparweg zu befolgen, ist nicht im Sinne aller Europäer. Das ist das eine, aber viel wichtiger ist, dass ein Stabillitätspakt alleine noch keine Zinsen senken, geschweige denn das französische Triple-A retten wird.
Deshalb soll es nach dem Willen verschiedener Euro-Häuptlinge und - Volksvertreter (nicht nur nach dem Willen der Franzosen), Ökonomen und der OECD (und auch die Amis fänden das gut) auch einen Joker geben: die EZB, welche in großem Umfang Schulden(staaten)anleihen aufkaufen kann.
Der EFSF wird sein angestrebtes Hebel-Ziel nicht erreichen können (so viel sollte inzwischen jedem klar sein; zumindest nachdem selbst EFSF-Chef Regling erklärt hatte, dass das angestrebte Volumen nicht zu erreichen ist) und muss jetzt langsam mal wirklich als gescheitert betrachtet werden.
Alternativ wurden dann heute noch die Elite-Bonds (also die Möglichkeit gemeinschaftlicher Anleihen zumindest der Triple-A-Staaten) in den Medien-Topf geworfen und prompt seitens der Bundesregierung dementiert.
Alles in allem wird vor allem eines deutlich: die Zeit spielt unerbittlich gegen die Häuptlinge, wobei zwischenzeitlich sichtlich Hoffnungen keimen, dass diese im letzten Moment noch das Lenkrad herumreißen und den Euro-Crash verhindern werden. Wie das aussehen könnte wird bereits vorgegeben: Stabilitätsclub gerne, aber ein Zugeständnis seitens der Deutschen muss wohl auch her. Das könnte die EZB sein. Wobei wohl auch die Ankündigung von irgendwie gearteten gemeinsamen Bonds in einer mittelfernen Zukunft, ebenfalls vonnöten werden könnte.
Rohstoffe Wochenrück- und Ausblick 21.11.-28.11.2011
Energie
Die Rohölpreise konnten sich in der vergangenen Woche, im Vergleich zu den Aktienmärkten und den übrigen Rohstoffmärkten, noch relativ stabil behaupten und tendierten im Wochenvergleich, trotz zwischenzeitlicher Schwankungsfreude, fast unverändert.
Unterstützung erhalten die Ölpreise durch die verschärften Sanktionen gegenüber dem Iran, sowie der Forderung Frankreichs nach einem Embargo gegenüber dem Iran einerseits und durch sinkende US-Lagerbestände andererseits.
Auch der Start ins US-Weihnachtsgeschäft am Thanksgiving-Wochenende trägt dazu bei, die Stimmung an den Märkten zwischenzeitlich zu verbessern, ebenso wie die Hoffnungen auf irgendeine Lösung der Euro-Krise. So konnten die Ölpreise am Freitag und Montag noch einmal kräftig zulegen.
Allerdings sind Hoffnungen, ohne konkrete Ergebnisse, nur von kurzer Dauer und so dämpfen die Prognosen der OECD auf eine Rezession in Europa, sowie Warnungen seitens der OECD und Mood'y vor einer Verschärfung der Krise mit risikoreichen Auswirkungen auch für den Rest der Welt, schließlich auch wieder die Hoffnungen und die Preis- und Kursanstiege.
WTI notiert aktuell bei 98,44 USD pro Barrel nach einem heutigen Hoch bei 100,74 USD pro Barrel zur Lieferung im Januar an der NYMEX.
Brent Crude zur Lieferung im Januar notiert aktuell bei 109,11 USD pro Barrel (weniger stark unter Druck als WTI, aufgrund der Embargo-Pläne gegenüber Iran), nach einem heutigen Hoch bei 109,49 USD pro Barrel an der ICE.
Ausblick
Unterstützend für Brent dürften sich die Embargo-Pläne gegenüber Iran auswirken, da die EU zweitgrößter Abnehmer iranischen Öls ist. Von allzu langer Dauer dürfte dies allerdings nicht sein, da zunehmend libysches Angebot auf den Markt kommt. Der springende Punkt wird aber auch für die generelle Tendenz der Ölpreise, die Entwicklung der Euro-Krise und Weltwirtschaft bleiben.
Edelmetalle
Auch die Goldpreise können sich in der vergangenen Woche nicht gegen den generellen Trend an den Märkten komplett zur Wehr setzen, halten sich aber im Wochenvergleich relativ stabil und können ebenfalls zu Wochenbeginn zulegen.
Obgleich die physische Nachfrage nach wie vor hoch ist (auch die Zentralbanken haben, laut IWF, im vergangenen Monat netto wieder Gold gekauft), übt der Druck von den übrigen Märkten, nach wie vor Verkaufsdruck auf die Spekulanten aus.
Gold in USD notiert aktuell bei 1.708,50 USD pro Feinunze, nach einem heutige Hoch bei 1.720,51 USD.
Gold in EUR notiert aktuell, aufgrund eines schwächeren Euro, deutlich fester bei 1.283,49 Euro pro Feinunze.
Ausblick
Obwohl die gesamte Ausgangslage weiterhin für steigende Preise spricht, ist noch immer die Gefahr des forcierten Verkaufsdrucks von Seiten der Spekulanten und damit die Korrelation zu den übrigen Märkten nicht ganz gebannt. Allerdings dürfte die physische Nachfrage die Preise weiterhin abstützen.
Zum zweiten Teil von: Die Stimmung macht vor keinem Rohstoff halt
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Albert Karl (29.11. 2011 00:50 Uhr):
Das Ganze ist doch ein unvorstellbares Trauerspiel: Die USA verlangen, dass wir die EZB als Gelddruckmaschine missbrauchen. Aber das Risiko liegt doch auf der Hand: Wenn die Notenbank ohne Limit die Staaten finanziert, ist das einfach der Türöffner für die Inflation oder sogar Hyperinflation. Und auch Ungarn verhandelt zur Verhinderung eines Staatsbankrotts wieder mit der EU und dem IWF. Nach den 20 Mrd. Euro Notkrediten von 2008 steht das Land nun offenbar wieder vor der Pleite. So hat die EU jetzt ein Sorgenkind mehr. Das ist doch der Grund, warum die Staatsfinanzierung durch die Notenbank im EU-Vertrag ursprünglich strikt verboten wurde. Und da sieht man dann im Fernsehen, wie unser Vertreter Herr Barroso drüben in den USA bei Herrn Obama das alles wie ein kleiner Schuljunge mit dem Kopf abnickt. So geht es doch nicht!! Wie soll es da je zu einem europäischen "Finanzministerium" kommen, wenn man sich in den Detailfragen nicht einig wird. Und die Franzosen weichen auch schon wieder von der vereinbarten Linie ab, dass man die Banken an den Kosten bei den Anleihen-Geschäften mit einbinden soll. Zusammengefasst: Wir brauchen kein Vorbild Fed. Mit Recht lehnen Bundesregierung und Bundesbank Euro-Bonds und unbegrenzte Anleihenkäufe der EZB strikt ab. Wer diesen Mist dann noch kaufen soll, wird dabei wohl nicht bedacht. Auch nationale Souveränität und die entsprechenden Verfassungen glaubt man, inszwischen einfach aushebeln zu können. Hoffentlich bleibt unsere Bundeskanzlerin bei ihrer harten Linie. Der deutsche Vorschlag: Die Krisenstaaten sollen sparen. Wenn der Haushalt ausgeglichen ist, kehrt das Vertrauen der Marktteilnehmer automatisch zurück. Theoretisch wäre das die perfekte Lösung. Sorry, aber meine Gedanken waren wieder einmal zuschnell und zuviel. Gute Nacht. A.K
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