Endphase der Bärenmarktrallye
Martin Weiss in Kapitalschutz Akte zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 20. Februar 2012, 07:30 Uhr
ENL5454
Die Bärenmarktrallye setzte sich auch in der vergangenen Handelswoche fort. Der deutsche Leitindex legte 2,3 Prozent zu.
Am Ende der Woche standen 6848 Zähler auf der Tafel. Größter Wochengewinner im deutschen Börsenbarometer war die Adidas-Aktie. Das Papier des Sportartikelherstellers legte fast sechs Prozent zu. Top-Verlierer unter Deutschlands Standardwerten war die Aktie von ThyssenKrupp. Hier ging es gut 6,5 Prozent nach unten.
Euphorische Stimmung
Fakt ist allerdings, dass die langsam aber sicher heiß laufende Bärenmarkt-Rallye immer noch intakt ist. Wohl gemerkt, noch. Sicherlich, mit jedem Plus-Tag verbessert sich auch die Stimmung unter den Investoren. Sehr schön deutlich wurde dies erst jüngst wieder beim ZEW-Indikator. Ja, allmählich werden die Marktteilnehmer wieder euphorisch. Kursziele werden laufend nach oben angepasst. Mittlerweile werden für den deutschen Leitindex gar 10000 oder 15000 Zähler als mögliche neue nominale Allzeithochs in den Raum gestellt.
Ende der Bärenmarktrallye
Und just jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, noch vorsichtiger zu werden. Sicherlich mögen die Bullen in den nächsten Tagen den deutschen Leitindex vielleicht noch bis in den Bereich um 7000 Punkten nach oben treiben. Aber es wäre wahrlich verwunderlich, wenn es signifikant weiter nach oben gehen würde. Denn die Kombination aus fundamental ambitioniert hoher Bewertung, stark überkaufter Markttechnik, fast schon übereuphorischer Stimmung und einer ernsten Rezessionswarnung kommt im historischen Vergleich eher selten vor. Und gerade dies ist äußerst bedenklich.
6430 als erstes Ziel
Rein technisch betrachtet wäre es alles andere als überraschend, wenn der deutsche Leitindex nach der seit Anfang Oktober laufenden Erholungsbewegung zunächst einmal wieder in Richtung 6430 zurückfallen sollte. Sollte es auch hier kein Halten mehr geben, droht ein weiterer Absturz. Zielmarke wäre dann der Bereich um 6000.
Mögliche Auslöser der Wende nach unten
Gefragt nach den möglichen Auslösern der Wende, so liegt es sehr nahe, hier insofern auf die Zuspitzung der Euro-Staatsschuldenkrise und auf die mögliche Eskalation des Iran-Konflikts zu verweisen. Mit Blick auf die Euro-Krise wäre es wahrlich nicht mehr verwunderlich, wenn es zumindest hinsichtlich des hoffnungslos überschuldeten Griechenlands zu einem ersten Austritt aus der Euro-Zone käme. Zumindest in mittelfristiger Sicht.
Geopolitisch könnte die Eskalation im Iran-Konflikt höchst unangenehme Folgen zeitigen. Diese kündigen sich im übrigen bereits an. So wurde bekannt, dass der Iran kein Öl mehr nach Frankreich und Großbritannien liefern will. Sicherlich vermag ein Brent-Ölpreis um 120 US-Dollar je Barrel realwirtschaftlich alles andere als stützende Wirkung zeitigen.
Es bleibt also festzuhalten, dass in den kommenden Tagen bzw. Wochen die Wahrscheinlichkeit einer erneuten scharfen Abwärtswelle an den Aktienmärkten relativ hoch ist.
Seien Sie auf der Hut!
Zum zweiten Teil von: Wie Sie eine Wirtschaft ruinieren und die Leute beeinflussenähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von bernard (20.02. 2012 10:51 Uhr):
Sehr gute Nachricht " Iran verkauft kein Öl an Frankreich und England " Warum sollen die Iranern Öl an diese beide Ländern die ihn Problemen machen verkaufen ? Ich hoffe die Deutsche werden diese Öl kaufen. Deutschland macht Realpolitik. China ist heute der Erste Deuschland Wirstchaft Partner, nicht mehr Frankreich. Deutschland hat gute Beziehungen mit die Russen, diese beide Ländern sind die zukunft, das hat Deutschland verstanden Bravo, weiter nur jetzt mit die Iranern zu arbeiten aus.
Antworten- Antwort von Leichte feder (20.02. 2012 14:40 Uhr):
Eigentlich wollte ich einen Kommentar zur Kursentwicklung abgeben. Aber dieser Kommentar schreit geradezu nach einem Gegenkommentar. Ich hoffe doch, daß wir (Deutsche, wie auch die anderen Europäer) nicht unser letztes bißchen Gewissen nehmen und damit iranisches Öl kaufen. Auch wenn der Ölpreis auf über 5 Euro/Liter steigen sollte! Von einem Regime, das die ganze Welt verarscht und vor lauter Intolleranz alle die nicht gleicher Meinung sind in Gefängnisse steckt (oder sie gleich ermordet), darf die Weltgemeinschaft nicht aus "Geschäftsinteresse" kuschen. Der Fehler wurde in der Vergangenheit schon zu oft gemacht (ob bei Diktaturen in Afrika oder Südamerika). Russland und China sind anders. Beide sehen zwar auch hauptsächlich ihre eigenen Interessen (wer nicht?) und verstoßen auch gegen Menschenrechte. Aber ein wesentlicher Unterschied ist.... sie gehen pragmatisch vor und ihr Ziel ist es nicht alle "Ungläubigen zu töten oder zu bekehren".
- Antwort von Leichte feder (20.02. 2012 14:40 Uhr):
- Kommentar von Michael Schäfer (20.02. 2012 14:26 Uhr):
Auf der Hut muss man immer sein. Wie die Rallye heisst ist egal. Danach fragt das Depot nicht. Wer nicht dabei ist, ist eben nicht dabei!
Antworten - Kommentar von leichte feder (20.02. 2012 14:46 Uhr):
2. Kommentar zum Aktiengeschehen. Als voriges Jahr durch die amerikanischen Ratingagenturen die Aktienmärkte gen Süden geschickt wurden, gab es auch keine realwirtschaftlichen Gründe. Die Wirtschaft lief durchgehend gut bis sehr gut. Trotzdem fielen die Aktienkurse. Warum sollten sie diesmal fallen wenn die Wirtschaft tatsächlich schwächeln sollte (was sie zumindest in unserer Branche die ersten 2 Monate nicht macht). Die Aktienkursentwicklung hat sich meilenweit von realwirtschaftlichen Gründen entfernt.
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