Endlich: Interbankenraten fallen und Rohstoffpreise ziehen wieder an!
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 13. Oktober 2008, 20:00 Uhr
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Zunächst möchte ich noch einmal auf den im ersten Teil angesprochenen 4-Punkte-Plan der Euro-Länder zu sprechen kommen, der meiner Meinung größere Beachtung verdient, als der allgemein gehaltene 5-Punkte Plan.
Die 4 Punkte im einzelnen:
1. Garantie von neuen Krediten der Banken bis Ende 2009
2. Die Staaten geben neues Kapital in das Bankensystem mittels Übernahme von Aktienanteilen an Kreditinstuten
3. Die Staaten verpflichten sich jede kritische Bank im Notfall zu rekapitalisieren
4. Gewissen regulatorische Verpflichtungen sollen vereinfacht werden
Insbesondere Punkt 1 verdient nähere Betrachtung und ist in meinen Augen einer der ausschlaggebenden Faktoren für die positive Reaktion der Märkte auf das vergangene Wochenende. Denn Punkt 1 behandelt gerade das Kernproblem der gegenwärtigen Krise: die neue Kreditvergabe. Die Vertrauenskrise führt in erster Linie dazu, dass Banken sich untereinander kein Geld mehr leihen. An zweiter Stelle stehen hier dann aber die Unternehmen. Wenn den Unternehmen allerdings der Kredit versagt wird, dann ist die Auswirkung auf die Realwirtschaft bereits kurzfristig dramatisch. Dies galt und gilt es in erster Linie von Seiten der Politik zu verhindern. Mit einer staatlichen Garantie neuer Kredite aber, kann das Vertrauen zurückkehren.
Und es scheint als sei es zurückgekehrt!
Die Interbankenraten sind endlich gefallen. Libor verzeichnete mit 7 Basispunkten auf 4,75 % den stärksten Rückgang seit März.
Endlich scheint sich der Knoten im Kreditmarkt ein wenig aufzulösen.
Auch die Aktienmärkte haben heute - wie Sie sicher wissen - jubiliert. Der DAX schloss mit über 11% im Plus. Hang Seng Plus 10 %. Der S&P 500 notiert gegenwärtig mit über 7 % im Plus, ebenso wie der Dow Jones Industrial.
Insbesondere der Rückgang in den Interbankenraten gibt mir Hoffnung, dass wir nun den Höhepunkt der Bankenkrise hinter uns gelassen haben.
Wobei ich betonen muss, dass ich hier nur von der akuten Phase der Liquiditätskrise spreche. Wir alle wissen, dass die Rettungsmaßnahmen der einzelnen Regierungen rund um den Planeten - so notwendig sie für die Stabilität des Kredit/Finanzsystems sind - langfristige Auswirkungen haben werden. Es ist keinesfalls auszuschließen, dass einige Staaten, darunter insbesondere die USA vor einer Rezession stehen. Auch anderen droht ein konjunktureller Rückgang, denn die Rettungspakete kosten natürlich Geld, welches hinterher möglicherweise den Konjunkturprogrammen fehlt.
Was mich allerdings zuversichtlich stimmt, dass wir nicht in eine weltweite Rezession rutschen ist die Entwicklung an den Rohstoffmärkten. Meines Erachtens können die Rohstoffe in diesem Zusammenhang durchaus als guter Indikator genutzt werden. Sollten die Rohstoffpreise stark fallen, dürfte dies bedeuten, dass der Markt seinen Fokus auf eine mögliche weltweite Wachstumsproblematik lenkt und sich die Gefahr verstärkt, dass der Markt wieder in eine depressive Phase zurückfällt.
Doch dies ist nicht geschehen...stattdessen haben die Rohstoffe zugelegt. Nur Gold hat leicht abgegeben. Neben den Agrarrohstoffen und Öl, haben - und dies gefällt mir insbesondere - heute vor allem die bislang extrem günstigen Industriemetalle durch die Bank weg zugelegt.
Den stärksten Anstieg verzeichnete der Konjunkturindikator Kupfer, mit einem Plus von fast 12 %. Nickel legte 7,5 % zu und Blei über 6 %.
So mag ich das! Hoffentlich bleibt es so!
So long liebe Leser....so viel für heute...ganz schön teuer wird die Rettung des Finanzsystems...dennoch: gönnen wir uns alle diesen wunderbar sonnigen Tag, atmen einmal tief durch und geben uns wenigstens heute der Erleichterung hin...bis morgen
Ihre Miriam Kraus
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