Ende eines Bürokratie-Wahnsinns
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 4. Februar 2010, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Endlich mal eine positive Nachricht.
Dazu vorab eine Klarstellung:
Ich bin überzeugter Europäer. Nach wie vor finde ich es einfach phantastisch, dass Europa politisch zusammengewachsen ist. Ich bin jemand, der sich die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs angeschaut hat und einfach froh ist, dass dieses Elend auf absehbare Zeit nicht mehr passieren kann.
Und dass ich z.B. in der Eifel von Deutschland nach Belgien fahren kann, ohne es überhaupt zu merken. Auch die gemeinsame Währung verbindet natürlich, im Guten wie im Schlechten. Insbesondere die deutsch-französische Freundschaft finde ich sehr, sehr positiv. Bewundernswert finde ich das Vorgehen der Familie eines Freundes, den ich schon seit Kindergartenzeiten (!) kenne: Die Kinder sind konsequent dreisprachig aufgewachsen. Deutsch, französisch, englisch. Aufenthalte in Deutschland, Frankreich, Belgien. Deutsche und französische Staatsangehörigkeit. Nationalität? Europäisch!
Soviel vorab, damit keine Missverständnisse entstehen.
Nun zur eigentlichen Nachricht: Die Europäische Union hat ab Januar die Subventionierung von Tabakanbau eingestellt. Kollege Luis Pazos (Mein Dank ist ihm gewiss!) hat mich darauf aufmerksam gemacht.
Das war ein Irrsinn, der mich richtig geärgert hat:
Mit europäischen Steuergeldern wurde der Anbau von Tabak in der Europäischen Union erheblich subventioniert. Und zwar wirklich „krass": Teilweise erhielten europäische Tabakbauern pro Kilogramm Tabak das Vierfache des Marktpreises von der Europäischen Union ausbezahlt.
In Deutschland gibt es u.a. in einigen Gegenden Badens noch bescheidenen Tabakanbau - dort erhalten die Pflanzer meinen Informationen zufolge rund zwei Drittel ihrer Erlöse von der Europäischen Union.
Insgesamt summierten sich die Mittel, welche die EU für die Subventionierung des Tabakanbaus ausgab, um die Jahrtausendwende auf rund eine Milliarde Euro pro Jahr (!).
Tabak? Da war doch was. Genau, ist doch gesundheitsschädlich, Rauchen und auch Kautabak.
Deshalb hatte die EU diese „Lösung" des Problems. Anstatt diese unsinnige Subvention einzustellen, wurde festgelegt: Die Subvention zahlen wir schon, doch ein Teil von ihr (nämlich 3-5%) muss via Tabakfonds in Anti-Raucher-Kampagnen gesteckt werden.
Und hier möchte ich innehalten. Bewundern wir die Skurrilität des Lebens.
Da zahlen EU-Bürokraten für die Herstellung eines Gutes, welches in erster Linie zur Herstellung gesundheitsschädigender Produkte verwendet wird, kräftig Subventionen.
Und geben gleichzeitig Geld dafür aus, um vor diesem Produkt zu warnen.
Wow!
*** Dieser Irrsinn (meine unmaßgebliche Ansicht) hat nun ein Ende. Zum 1. Januar 2010 hat die EU diese absurde Subventionierung des Tabakanbaus eingestellt.
*** Es bleibt allerdings ein fader Beigeschmack. Denn es ist keineswegs so, dass die Ausgabenseite der EU damit um eine Milliarde Euro erleichtert wird.
Nein, 50% der bisherigen Subventionen werden zukünftig als „pauschale Einkommenshilfe" an die betroffenen Landwirte fließen.
Die anderen 50% sollen in die Entwicklung neuer Erwerbsmöglichkeiten der betroffenen Landwirte fließen.
Ich kann nur hoffen, dass dies eine begrenzte Übergangsmaßnahme ist. „Ausstiegsprämie" für badische und provenzalische Familienbetriebe, welche seit Generationen Tabak pflanzen, wäre mir ja durchaus sympathisch.
Aber wenn die ursprünglichen Subventionen jetzt doch dauerhaft weiterfließen sollten, in Form von „pauschalen Einkommenshilfen" und Hunderten Millionen Euro für die Entwicklung neuer Erwerbsmöglichkeiten...dann...
...ja, was dann....
...dann war der erste Satz dieses Beitrags leider nicht zutreffend.
Mit herzlichem Gruß,
Ihr
Michael Vaupel
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von bernardo (04.02. 2010 12:10 Uhr):
Oh warum wurde ich nicht Tabakbauer?
Antworten - Kommentar von Ewald Lehrmann (04.02. 2010 12:35 Uhr):
Das ist wirklich ein Irrsinn mit dem Tabak! Da regt man sich auf, das die Solar Industrie subventioniert wird, dabei ist das ja nur ein Anschub, der wirklich was bringt. Jeder Häuslebauer interessiert sich für Solar auf dem Dach. Irgendwann wirkt das zu Gunsten der Umwelt. Auch die Technik schreitet immer weiter vorwärts, sodaß die Subventionen entfallen können. Beim Rauchen ändert sich hingegen nichts.
Antworten - Kommentar von hajo (04.02. 2010 13:32 Uhr):
Bewundernswert finde ich das Vorgehen der Familie eines Freundes, den ich schon seit Kindergartenzeiten (!) kenne: Die Kinder sind konsequent dreisprachig aufgewachsen. Deutsch, französisch, englisch. Aufenthalte in Deutschland, Frankreich, Belgien. Deutsche und französische Staatsangehörigkeit. Nationalität? Europäisch! Was hat dies mit dem "Einmaligem Unsinn"(EU genannt) zu tun ? Ich war bereits seit 1967 in Europa beruflich und wohnsitzmäßig "unterwegs". Spreche auch mehrere Sprachen, habe überall gute Bekannte und schätze die Kulturen. Dies alles ohne die EU-Bürokratie und aufgezwungene "Gleichheit". MfG
Antworten - Kommentar von Wiesmath Walter (04.02. 2010 16:25 Uhr):
Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust... (Goethe in Faust I) und Zwei Seelen-ach! Ich fühl es zu gewiss! - bekämpfen sich in meiner Brust mit gleicher Kraft. (Christof Martin Wieland 1733 - 1813). Da im europäischen Parlament mehrere Parteien mit noch mehreren Abgeordneten vertreten sind kann es doch nicht anders sein, als dass solche Widersprüche auftreten. Die Nichtraucher, die Landwirtschaftslobby und diejenigen, die es nicht bezahlen brauchen (und das sind dann alle).
Antworten - Kommentar von Claudia (04.02. 2010 17:30 Uhr):
Wer rauchen will, soll dies tun. Wer nicht rauchen will, soll es lassen. Ob man Tabak subventionieren muß, steht auf einem anderen Blatt Papier. Allerdings hat nicht nur unser Staat sehr gut an Tabakprodukten verdient und tut es schließlich heute noch. Wer aber der Bevölkerung vorschreiben will, wie sie zu Leben hat, begeht einen Fehler.
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- Kommentar von klaus feldmann (05.02. 2010 10:36 Uhr):
hallo herr vaupel, ich lese ihre beiträge stets sehr gerne und finde sie immer so erfrischend "anders". so auch jetzt über die tabaksubventionen. für mich sind die gedankengänge der europäischen politiker fast schizophren, das versteht doch kein vernünftig denkender mensch. die erste garde nationaler politiker macht z.zt. sicherlich auch keinen guten eindruck, aber was die 2. garde aus den europäischen ländern in brüssel fabriziert versteht doch rationell kein mensch. weiter so! grüsse aus detmold
Antworten - Kommentar von Ewald (15.02. 2010 11:25 Uhr):
Da läuft also ausgehend von der EU der gleiche Wahnsinn zugunsten der Tabakanbauer, wie im Verwaltungssystem BRD zugunsten der Schornsteinfeger, von denen bei realistischer Beurteilung allenfalls noch 5 % von den 16 000 Stück Fegern erforderlich sind. Der Büger ist Beute geworden unter dieser Scheindemokratie BRD, in der diese organisierte Gruppe selbst erklärte "Wir lassen nichts unversucht". MIt dem Geld das sie uns abpressen auf der Grundlage krimineller Gesetze, siehe Sch.-Fegergesetz §§ 1; 2 und 50, und Verordnungen lassen korrupte Personen der herrschenden Obrigkeit sich für wertlose Vorträge überaus üppig bezahlen, Parteien lassen sich mit dem uns abgepresten Geld Spenden zukommen, und Personen dieser Obrigkeit lassen sich zu Ehrenschornsteinfegern und Ehrenschornsteinfegermeistern kühren wie jüngst der Herr "von und zu", als er noch Wirtschaftsminister war, den niemand je gewählt hatte unter diesem Parteienstaat, der sich fälschlich als Demokratie ausgibt in Wahrheit eine Diktatur von Parteien ist. Aus den Bildern zum Treiben der Feger, sie "Nichts unversucht" lassen, die in der Presse erschienen, springt dem Betrachter die Korruption regelrecht ins Gesicht. Dass Korruption unter diesem geistig, rechtlich, sittlich und moralisch heruntergewirtschafteten System normal ist, daran sollen wir anhand dessen gewöhnen. Und leider haben sich zu viele schon daran gewöhnt.
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