Ende der Langeweile
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 14. November 2007 07:30 Uhr
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Nun, über Langeweile dürfen Sie sich nicht beklagen. Nicht mehr. Es wird interessanter... sehr interessant.
Am vergangenen Donnerstag hat der Dow einen weiteren Schlag um 360 Punkte einstecken müssen. Gold ist um weitere 10 Dollar auf 833 Dollar hochgeschossen. Und Öl hielt sich bei 96 Dollar.
Ja, Gold hat es endlich in die Nachrichten geschafft. Die Leute sind dahintergekommen. Meine geschätzten Leser kaufen Gold schon, seit es bei 300 Dollar lag. Aber jetzt steigen alle ein. Ist es an der Zeit, auszusteigen?
Gleichzeitig hat Xu Jian, Vize-Direktor der Zentralbank von China, die Welt wissen lassen, dass China den Dollar fallen lassen will. „Der Dollar verliert seinen Status als Währung der Welt“, sagte er. Whoa... China hat 1,4 Billionen Dollar in den Reserven… das meiste davon in Dollar. Sie, liebe Leser, wollen den Dollar nicht länger halten, wenn das Reich der Mitte aussteigt.
General Motors haben für das letzte Quartal einen Verlust von 39 Milliarden Dollar bekannt gegeben. Mit anderen Worten hat der Autohersteller innerhalb eines einzigen Vierteljahres einen Betrag verloren, der dem Doppelten des gesamten Marktwert des Unternehmens entspricht.
So was darf nicht öfter vorkommen.
Wie kommt es zu diesem großen Verlust? „Steuerbelastungen“, war die offizielle Erklärung. So weit ich es aus den Nachrichten entnehmen kann, ist es in Wahrheit so, dass der einstmals sehr profitable Finanzierungszweig des Unternehmens – GMAC – nicht so viel eingebracht hat wie erwartet. Und dann hat der Versuch von GM, die Bilanzen zu frisieren, den gesamten Salon in die Luft fliegen lassen.
Sie werden sich vielleicht noch erinnern, dass die amerikanische Wirtschaft in den vergangenen 50 Jahren eine große Verschiebung durchlebt hat – von Ersparnissen hin zu Schulden, von der Produktion hin zu den Finanzierungen, von der Herstellung von Gütern hin zum Kauf von Gütern. Das rostige Motto über dem düsteren Trenton in New Jersey lautet auch heute noch: „Trenton Makes, The World Takes“ (Trenton stellt es her, die Welt nimmt es.) Doch in den vergangenen Jahrzehnten haben die Einwohner aus New Jersey... und den anderen 49 Staaten, mehr genommen als hergestellt.
Gleiches gilt an den Ufern des Lake Michigan, wo General Motors immer noch Autos herstellen. Aber in den vergangenen Jahren haben General Motors Geld ihr verdient, indem sie Autos und Häuser finanziert haben. Das Unternehmen wurde zu einem Finanzunternehmen. Warum? Weil das der Ort war, an dem das große Geld steckte.
Damals in den Siebzigern machten Finanzunternehmen nur ungefähr 5% der Gesamtkapitalisierung des S&P aus. Als die Vereinigten Staaten von der Herstellung von Gütern mit Gewinn auf den Kauf von Gütern auf Kredit umsattelten, stieg der Anteil des S&P durch die Finanzunternehmen auf mehr als 21% im Jahr 2007.
Doch heute scheinen die Finanzen den Gipfel hinter sich gelassen zu haben. Die Finanzierung von Immobilienkäufen ist zumindest nicht mehr das schicke Geschäft, das es noch vor zwei Jahren war. Die Leute kaufen auch keine Autos mehr – zumindest nicht die Autos von GM – so wie sie es damals in den Sechzigern taten.
GM hat seine guten Tage hinter sich. Und jetzt sehen Sie sich an, was mit den anderen Finanzierungsunternehmen passiert. Merrill, Morgan Stanley, Citigroup, Goldman – alle diese Herren des Universums müssen Schläge einstecken. Nicht nur die Aktienkurse fallen... die Unternehmen müssen Abschreibungen einstecken, die fast so groß sind wie die von General Motors.
Bislang wurden Verluste aus dem minderwertigen Kreditmarkt im Wert von ungefähr 40 Milliarden Dollar durch die Finanzindustrie bekannt gegeben. Ein Stratege von der Royal Bank of Scotland sagt, dass er davon ausgeht, dass die Summe irgendwann bei 250 Milliarden bis 500 Milliarden Dollar liegen wird.
Es stehen noch ein bisschen mehr als eine Billion Dollar in minderwertigen Hypotheken aus. Ich habe gehört, dass nicht weniger als eine von sechs dieser Hypotheken Krediten in Schwierigkeiten steckt. Und nachdem man diese Hypotheken in CDOs gesteckt hat... und einige Optionen in die Derivatkontrakte eingebettet hat... und die Mathematiker hinzugerufen hat, um Modelle zu entwickeln, so dass man diese bis an die Wolkendecke belasten kann – kann man heute nicht mehr sagen, wie hoch die Verluste sein könnten.
In einem Nachrichtenbeitrag aus der vergangenen Woche habe ich erfahren, dass die Geldschieber gezwungen sein werden, bis zu 100 Milliarden Dollar aus ihren “Level 3” Anlagewerten abzuschreiben. Sie wissen vielleicht nicht, was „Level 3“ Anlagen sind, liebe Leser. Das weiß ich auch nicht. Aber ich will an Sie weiterreichen, was ich in Erfahrung bringen konnte, als ich die Zeitung las.
Level 1 ist all das, was man einfach so am offenen Markt verkaufen kann – Aktien, Anleihen und so weiter. Level 2 ist all das, was man nicht ganz so schnell verkaufen kann, wo man aber immer noch Modelle hat, die einem sagen, was alles wert ist. Und Level 3 ist das Zeug, dessen Wert man eigentlich nicht kennt. Der Wert wird über „nicht beobachtbare“ Eingaben bestimmt, heißt es in der Presse.
Von all dem, was zur Kategorie “Level 3” zählt, hat Goldman eine Menge – einen Betrag, bei dem man davon ausgeht, dass er 185% der Vermögenswerte ausmacht. Einen Augenblick... soll das heißen, dass Goldman ungefähr doppelt so viel in diesen zweifelhaften Anlagewerten stecken hat, wie in den absatzfähigen? Ja, das ist, was ich damit sagen will.
Soll das etwa heißen, dass Goldman... wenn sich der Wert dieses Zeugs halbiert... so gut wie ausgelöscht sein wird? Ja, ganz so sieht es aus.
Doch was weiß ich denn schon? Ich habe noch nie geglaubt, dass diese Unternehmen so erfolgreich sind, wie alle sagen. Heute glaube ich nicht, dass sie so verzweifelt sind, wie die Presse es scheinen lässt. Die Jungs von Goldman haben immer noch einige Schekel in ihren Taschen. Und sie wissen, was sie damit anstellen können. Während sie ihre Klienten in die minderwertigen Derivate gesteckt haben, haben sie für ihre eigenen Konten vermutlich Gold gekauft.