Empire State Index
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 17. August 2010, 08:30 Uhr
ENL5462
die gestrigen Wirtschaftsdaten aus den USA fielen – ganz im Gegensatz zu den europäischen Daten der letzten Zeit – wie gewohnt schwach aus. Der von der "National Association of Home Builders" (NAHB) veröffentlichte Index zur Stimmung am US-Wohnungs-Immobilienmarkt ist im August von 14 auf 13 Punkte gesunken (Erwartung: 15 Punkte). Dies entspricht dem niedrigsten Niveau seit März 2009 – der Beginn der weltweiten Erholung an den Aktienmärkten. Erst Indexstände von über 50 (!) Punkten indizieren einen Überhang der Optimisten, was das letzte Mal im April 2006 der Fall war. Um es kurz zu machen: der amerikanische Wohnimmobilienmarkt hat seine kurze Erholung hinter sich gelassen und ist dabei, auf das Niveau vor dem bisherigen Höhepunkt der Immobilienkrise abzustürzen. Wie schon während der Finanzkrise 2008 wird dieser Absturz nicht auf den Sektor beschränkt bleiben und erhebliche gesamtwirtschaftliche Auswirkungen haben, sofern die US-Regierung/-Notenbank nicht eine zündende Idee hat, wie der Sektor doch noch zu retten sei. Aber pumpen Sie mal eine platzende Blase wieder auf.
Die angesprochenen gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen zeigen sich seit vielen Monaten im Einbruch von Konsum und Frühindikatoren (was Sie kaum in den mainstream-Medien finden dürften). Inzwischen werden die Spuren auch beim Empire State-Index, dem Frühindikator zum verarbeitenden Gewerbe im Großraum New York, sichtbar. Dieser ist im August gegenüber dem Vormonat zwar von 5,1 Punkten auf 7,1 Punkte gestiegen, verfehlte aber die Erwartungen eines Anstiegs auf 8 Punkte. Noch im Juni stand der Indikator bei 19,6 Punkten, im vergangenen Oktober gar bei 34,6 Punkten (dem bisherigen Erholungshoch). Mit Indexständen über Null zeigt sich zwar immer noch ein schwaches Wachstum, aber es dürfte nicht mehr lange dauern, bis der Index in den Schrumpfungsbereich abrutscht, wenn die laufende Entwicklung sich so weiter fortsetzt.
Die wichtigen Teilkomponenten zu den Neuaufträgen und Auslieferungen fielen zum ersten Mal seit Juni 2009 unter Null. Die Neuaufträge brachen von 10,1 Punkten im Vormonat auf minus 2,7 Punkte ein. Die Auslieferungen schossen von 6,3 Punkten auf minus 11,5 Punkten nach unten. Dies stellt hier das niedrigste Niveau seit März 2009 dar. Die unerledigten Aufträge verzeichneten den fünften Monat in Folge einen unterhalb der Wachstumsschwelle liegenden Stand. Ein kleiner Lichtblick stellt die Beschäftigungskomponente dar, wo sich mit einer Steigerung von 7,9 auf 14,3 Punkte das höchste Niveau seit vergangenem Mai ergeben hat. Aber die Beschäftigung hinkt der allgemeinen Entwicklung bekanntlich ein paar Monate hinterher. Insgesamt ist die Entwicklung kein gutes Vorzeichen für den in rund zwei Wochen erwarteten nationalen ISM-Index zum verarbeitenden Gewerbe in den USA. Und kein gutes Zeichen für die Entwicklung der Konjunktur in der größten Volkswirtschaft der Welt. Die große Preisfrage wird sein, ob sich Europa erstmals von diesen negativen Tendenzen abkoppeln kann. Ich denke, das ist sehr unwahrscheinlich, da sich über Jahrzehnte gewachsene Handelstrukturen nicht in so kurzer Zeit ändern können.
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