Emerging Markets: Konsum- statt Exportsektor!
Daniel Wilhelmi in Traders Daily
vom 21. Januar 2010, 12:00 Uhr
ENL5454
Natürlich hat der Wirtschaftsaufschwung in den meisten Emerging Markets die Mehrheit der Menschen noch gar nicht richtig erreicht. Bittere Armut ist weiterhin sehr verbreitet. Aber hier liegt der Gedankenfehler von vielen Kritikern. Die Entwicklung der Gesamtbevölkerung ist für die Binnenmärkte in den Schwellenländern nicht die relevante Größe.
Entscheidend ist die Entwicklung einer gut ausgebildeten, kapitalkräftigen Mittelschicht. Genau diese wird sich in den kommenden Jahren mit rasender Geschwindigkeit entwickeln. So wird sich die Zahl der Menschen aus den Emerging Markets, die man zur Mittelschicht rechnet (Einkommen über 15.000 USD), zwischen 2006 und 2016 wohl vervierfachen.
Prognostizierte Entwicklung des BIP pro Kopf in den BRIC-Staaten (in USD)
Quelle: Goldman Sachs Research. Das „Vermögen" der Menschen in den Emerging Markets, und vor allem in den BRIC-Staaten, nimmt in den kommenden Jahrzehnten stark zu. Dieses bisher nicht vorhandene Kapital wird die Binnenmärkte in den jeweiligen Schwellenländern entfachen. Der hellgraue Balken (links) steht für Indien. Der dunkelgraue Balken für Brasilien. Der mittelgraue Balken für China. Der schwarze Balken für Russland.
Deshalb an dieser Stelle noch eine kurze Investment-Idee für alle Emerging Markets-Anleger unter Ihnen: Übergehen Sie den Exportsektor und nehmen Sie stattdessen den Konsumsektor auf Ihre Watchlist. Das ist der Sektor der Zukunft in den Emerging Markets und nicht die margenschwache Exportbranche. Der bevorstehende Konsumboom reduziert die starke Exportabhängigkeit von China und Co., ohne dass sich das Wirtschaftswachstum massiv abschwächen wird. Dies geschieht allerdings nicht über Nacht.
Es wird noch Jahre dauern, bis die Binnenmärkte weit genug entwickelt sein werden, um eine relevante Größe in den Volkswirtschaften der Emerging Markets zu spielen.
