Emerging Markets bleiben die treibende Kraft des Aufschwungs
Andreas Lambrou (Gastbeitrag) in Nebenwerte Daily
vom 1. April 2011, 17:00 Uhr
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ich habe lange überlegt und gesucht, um das derzeitige Gesamtbild an der Börse treffend beschreiben zu können. In der Zeitschrift Finanz und Wirtschaft" vom vergangenen Samstag wurde ich auf Seite 35 fündig. Dort gab der Börsenexperte Ken Fisher ein Interview. Er sieht im aktuellen hin und her der Börse - letztlich aber ohne große Gewinne oder Verluste - eine klassische Übergangsphase zwischen 2 Bullenmärkten. Die Börse ist zurzeit sehr unentschlossen, was daran liegt, dass es ebenso viele Optimisten, wie Pessimisten gibt. Jeder hat sich in seinem Denkmodell festgefahren und verbarrikadiert. Man wartet nun darauf, dass der Markt einem in der einen oder anderen Richtung recht gibt. Diese Meinung kann ich durchaus nachvollziehen. So treffe ich in meinen Gesprächen durchaus auf viel Zurückhaltung gegenüber der Börse. Besonders die Privatanleger sind noch immer sehr vorsichtig. Andererseits haben sich die institutionellen Anleger eher optimistisch positioniert und kaufen jeden Rückschlag und in jeder Korrektur.
Bullenmarkt noch lange nicht zu Ende
Klassischerweise endet ein Bullenmarkt erst dann, wenn es kaum mehr Pessimisten gibt. Es wird jedoch einige Zeit dauern, bis die Pessimisten ihre Meinung ändern. Aktuell mit Japan in der völligen Unsicherheit, einer der längsten Erholungsphasen für die Wirtschaft seit der Nachkriegszeit und der strafferen Geldpolitik in den Emerging Markets sowie der aussichtslosen Situation in Nordafrika - welche schlimmstenfalls auch auf Saudi Arabien übergreifen könnte - tun sich die Optimisten immer schwerer. Deshalb kommt es auch hier und da zu Korrekturen. Diese sind jedoch gesund, denn sie bedeuten, dass der Markt ein neues Gleichgewicht sucht, auf dem die Käufer wieder auf das Parkett treten. So lange diese Phase andauert, sind umfassende Marktprognosen schlicht und ergreifend fast unmöglich.
Emerging Markets bleiben die treibende Kraft des Aufschwungs
Dennoch möchte ich Sie weiterhin an die Kraft der Emerging Markets erinnern. Diese geballte Kraft ist in Russland, Brasilien, Indien und China in der 1. Reihe und in der 2. Reihe in Ländern wie Kolumbien, Vietnam, Argentinien, Thailand, Indonesien, Malaysia, Peru und Südafrika nach wie vor ersichtlich. Dem folgt die 3. Reihe bestehend aus Ländern wie Kambodscha, Bangladesch, Burma, Sambia, Kongo, (bzw. alles südlich von Zentralafrika mit Ausnahme Simbabwes) etc. Habe ich ein wichtiges Wachstumsland vergessen? Nun, alle diese Länder habe ich zum Großteil auch innerhalb der letzten 2 Jahre - also nach der Krise - persönlich bereist. Die meisten Länder konnten von der Finanzkrise meines Erachtens sogar eher profitieren. Das liegt daran, dass einige Übertreibungen - insbesondere bei den Immobilien - gestoppt wurden und es ausgehend von China - wegen der dort steigenden Löhne - zu einigen Produktionsverlagerungen, vor allem im Textilsektor, kam. Die Emerging Markets der 3. Reihe besitzen demnach nun entweder Rohstoffe, oder eine Billigproduktion und sind somit breiter aufgestellt als jemals zuvor.
Die Länder Nordafrikas, Pakistan und viele Staaten Osteuropas habe ich bewusst in dieser Aufzählung weggelassen. Das liegt daran, dass diese Länder nicht als Emerging Markets im traditionellen Sinn gelten und ich diesen auch nicht die Wachstumsmöglichkeiten der anderen Länder zusprechen kann.