Eleganter Wechsel
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 14. Dezember 2005 18:00 Uhr
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Ja, genauso, wie gestern beschrieben – es schießt nach oben, dann kommen die Gewinnmitnahmen, frei nach dem Motto: "Sell the good news". So bricht dann erst einmal die kleine Intraday-Rally wieder ein. Der DAX sah heute morgen schlechte Vorgaben aus Japan und die Ami-Futures notierten im Minus. Er hat sich dann wohl gefragt: "Weia, was ist da los?" und taucht ängstlich ebenfalls ins Minus.
Nächtliche US-Futures ein Spielball der Institutionellen
Warum die US-Futures im Minus sind, kann man sich denken. Sie sind relativ leicht morgens zu manipulieren, da in der Nacht (USA) kaum Umsatz vorhanden ist. Wenn bestimmte Adressen in den Markt einsteigen wollen, dann können sie also mit vergleichsweise wenig Geld die US-Futures vorbörslich (vor der Dax-Eröffnung) nach unten drücken, um so bessere Einstiegskurse zu erhalten. Sie können nicht nur, sie tun es auch. Ob es heute so war, bleibt allerdings wie jedes Mal Spekulation.
Ich rechne sowieso heute in den USA noch eher mit einer Seitwärtsbewegung. Wichtig gilt zu beobachten, wie der US-Markt in der letzten halben Stunde läuft. Das wird ein erstes Indiz auf die weiter Marktrichtung geben. Im Ganzen scheint mir aber diese aktuelle Entwicklung bullish zu sein. Normalerweise warte ich, wie gestern beschrieben, ab, was am Donnerstag passiert. Und zwar in den USA. Dann erst wird die Richtung klar. Da Freitag jedoch Verfallstag ist, muss man ein wenig orakeln, wohin die Reise geht.
Ölpreis nicht aus den Augen verlieren
Ich orakel: Bullish, sobald die Gewinnmitnahmen vorbei sind. Allerdings gefällt mir der Ölpreis nicht, da muss man abwarten, bei welcher Marke die aktuelle Gegenbewegung nach dem Einbruch ihr Ende findet.
Fed wie erwartet
Die Fed hat den Zinssatz, wie erwartet, um weitere 25 Basispunkte auf 4,25 % erhöht. Ebenfalls hat sich, wie von vielen erwartet, der Wortlaut der Fed zum vorherigen Mal verändert. Die Fed hat den Passus rausgelassen, indem sie die Geldpolitik als "locker" bezeichnet. Somit wird der aktuelle Zinssatz nicht mehr als wirtschaftlich stimulierend angesehen. Allerdings will sie noch weiter an ihre maßvollen Straffung der Geldpolitik festhalten. Mit anderen Worten, es ist noch mit ein bis zwei Zinserhöhungen zu rechen.
Notenbankchefwechsel eingeleitet
Damit macht die Fed genau das, was ich bereits im Anfang Herbst vermutet habe: Sie bereitet den Notenbankchefwechsel gefühlvoll vor. Die Zinsen werden voraussichtlich bis März noch weiter steigen. Eventuell wird Ben Bernanke dann im 28 März 2006 noch eine weitere Zinserhöhung vornehmen, wir ständen damit bei 4,75 %. Danach sollte es zu einer Aussetzung der Zinserhöhungen kommen. Wie ich hier schon erwähnte, wird Ben Bernanke damit erst einmal Ruhe in die Märkte bringen wollen.
Er hat dann, falls sich Turbulenzen am Markt abzeichnen, genug Wasser unter dem Bug, die Zinsen massiv zu senken, notfalls kann er aber auch die Zinsen durchaus noch weiter anheben, wenn die Inflationsgefahren zu sehr ansteigen.
Old Greeny hat sich sein "Old" verdient (im Sinne von weise)
Alan Greenspan hinterlässt damit seinem Nachfolger bereits drei Jahre nach dem Ende eines der größten Börsencrashs aller Zeiten eine US- Wirtschaft, die ein starkes Wachstum aufweist und das bei einem ausgewogenen Zinsniveau. Das natürlich die Aufgabe trotzdem nicht leicht wird, brauchen wir nicht zu diskutieren.
Aber es ist im Prinzip sehr viel mehr, als man Anfang 2003 noch erwarten dürfte und: Es ist sehr viel mehr als nahezu alle (!) Analysten damals erwartet haben.
Wenn auch Alan Greenspan das nur durch eine atemberaubende Geldpolitik erreicht hat, muss man diese Leistung anerkennen, das steht außer Frage!
Viele Grüße
Ihr
Jochen Steffens