Einzelhandelsdaten enttäuschen
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 13. Januar 2012, 08:30 Uhr
ENL5454
heute ist Freitag der 13. Hoffentlich kein schlechtes Omen. Aber erfahrungsgemäß passiert ausgerechnet an diesem Tag selten etwas. Aber zurück zum Markt. Nach einer ganzen Serie guter US-Konjunkturdaten mussten die Börsen gestern wieder eine Enttäuschung verkraften. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen auf 399.000, erwartet wurden 373.000, nach zuvor 372.000. Auch der Einzelhandelsumsatz für Dezember stieg nur um +0,1%, erwartet wurden +0,3%, nach zuvor +0,2% (jeweils im Vergleich zum Vormonat).
Gerade was die US-Einzelhandelsumsätze angeht, häufen sich die Negativmeldungen in den letzten Wochen (ich berichtete bereits). Die gestrige Gewinnwarnung von Tiffany`s passt da nahtlos ins Bild. Das erstaunt etwas, wenn Sie bedenken, dass die US-Arbeitslosenzahlen sich in den letzten Monaten positiv entwickelt haben und man eigentlich davon ausgehen müsste, dass mehr Leute in Arbeit auch mehr Geld ausgeben können (es sei denn, das Lohnniveau wäre lächerlich niedrig, etwa in Teilzeit-Hilfsjobs). Zu bedenken ist, dass ein Großteil der US-Konjunktur am Konsum hängt. Ein Konsumeinbruch hätte also sehr negative Folgen.
Die gestrige Gewinnwarnung der britischen Einzelhandelskette Tesco, die unter dem schwachen Weihnachtsgeschäft gelitten hatte, nährt zudem die Befürchtung, dass die Entwicklung in Europa ähnlich aussehen könnte. Bei der deutschen Metro hatten wir ja eine ähnliche Gewinnwarnung erst kurz vor dem Höhepunkt des Weihnachtsgeschäfts. Den unvoreingenommenen Beobachter dürfte eine solche Entwicklung allerdings kaum überraschen. Die Sparpakete und Steuererhöhungen sowie die Unsicherheit über die weitere Entwicklung dürften über kurz oder lang überall zu verstärkter Konsumzurückhaltung führen. Die Leute halten ihr Geld vorsichtshalber einmal zusammen, bis sich der Sturm wieder gelegt hat und die Aussichten wieder besser werden.