Einsteiger-Serie: Grundlegende Orderarten
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 26. Mai 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
letzte Woche betrachteten wir grob, welche Arten von Brokern es gibt und wo Sie als Einsteiger in der Regel am besten ein Depot eröffnen können.
Heute werfe ich einmal einen Blick mit Ihnen darauf, was es mit den einzelnen Orderarten auf sich hat. Natürlich gibt es hier eine Vielzahl verschieder Ordertypen, aber die folgenden vier Punkte sollte aus meiner Sicht jeder Anleger kennen:
- Market-Order (sinngem. "Order zum aktuellen Marktpreis"): Dieser Ordertyp wird oft auch als "bestens" bezeichnet. Die Market-Order ist die schnellste Möglichkeit, eine Order direkt ausführen zu lassen, denn es wird augenblicklich zum aktuell verfügbaren Preis gehandelt. Wichtig bei einer Market-Order ist es zu beachten, dass die Spanne zwischen BID- und ASK-Preis nicht zu hoch ist. Angenommen, Sie haben eine wenig liquide Aktie, welche einen aktuellen BID-Preis von 13,00 EUR habe und einen ASK-Preis von 15,00 EUR (Beispiel bewusst überzogen gewählt), so würde das Aufgeben einer Market-Order dazu führen, dass Sie zum aktuellen BID-Preis, also 15,00 EUR ausgeführt werden würden. Das ist natürlich wenig vorteilhaft. Umgehen können Sie dies mit einer
- Limit-Order (sinngem. "Bestellung mit gesetzter Preisgrenze"):Bei der Limitorder muss zusätzlich vom Anleger ein Limitpreis angegeben werden, bis zu dem die Order ausgeführt werden soll. Auf unser fiktives (und natürlich nicht ganz realistisches) Beispiel oben bezogen würde dies etwa bedeuten, dass wenn Sie die Aktie mit einem Limit von 14,00 EUR ordern würden, Ihre Order erst ausgeführt werden würde (im Gegensatz zur Market-Order), wenn der BID-Preis auf 14,00 EUR fällt, es also einen anderen Anleger gibt, der Ihr Limit akzeptiert. Ein derartiges Limit kann in vielen Situationen sehr nützlich sein (z.B. auch, wenn Sie nicht unter einem gewissen Preis Ihre Aktie verkaufen möchten).
- Stop-Market-Order (sinngem. "Market-Order mit Auslösungsschwelle"): Eine Stop-Market-Order ist eine ganz interessante Möglichkeit, Market-Orders erst ab einem gewissen Zeitpunkt in den Markt zu stellen. Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Stellen wir uns vor, wird würden die Aktie XY besitzen und XY notiere momentan bei 25,00 EUR pro Aktie. Wir haben die Aktie damals gekauft, als sie bei 15,00 EUR stand und möchten die Gewinne nun noch möglichst lange laufen lassen. Um aber nicht im Falle einer schnell auftretenden Marktschwäche auf dem "falschen Fuß" erwischt zu werden, möchten wir eine Sicherheitsvorkehrung treffen. Wir wählen eine Stop-Market-Order und geben als Stop-Marke 22,00 EUR ein. Nun haben wir folgenden Mechanismus programmiert: Fällt der Aktienkurs von XY auf 22,00 EUR, so stellt der Broker automatisch eine Market-Order für den Verkauf der Aktien in den Markt. Wir müssen also als Anleger den Kurs nicht die ganze Zeit beobachten, sondern legen im Vorfeld unsere Ausstiegsschwelle fest. Eine Stop-Market-Order ist also eine Market-Order, die ab einer vom Anleger gewählten Schwelle automatisch ausgelöst wird (dies kann sowohl eine Kauforder oder aber auch eine Verkaufsorder sein).
- Stop-Limit-Order (sinngem. "Limit-Order mit Auslösungsschwelle"):Diese funktioniert vom Prinzip her ähnlich wie die Stop-Market-Order. Der einzige Unterschied hierzu ist, dass bei Überschreiten bzw. Unterschreiten der Stop-Schwelle eine Limit-Order und nicht eine Market-Order automatisch in den Markt gestellt wird. Vom Anleger sind für die Programmierung solch einer Order also zwei Größen einzugeben. Einmal die Auslösungsschwelle (wie auch bei der Stop-Market-Order) und einmal das Limit, welches die Order dann haben soll. Stop-Limit-Orders können in gewissen Fällen durchaus sinnvoll sein. Ich werde auf das Thema Orders aber nochmals nächste Woche eingehen und Ihnen dort auch anhand von ein paar konkreten Beispielen erläutern, wann welche Order am vorteilhaftesten eingesetzt werden kann.
Betrachten wir zum Abschluss noch ein paar gängige zeitliche Begrenzungen, mit denen die jeweiligen Orders in der Regel versehen werden können:
- DAY ("tagesgültig"): Eine Order, welche Sie mit diesem Zusatz versehen, ist nur an dem Tag gültig, an dem Sie sie aufgegeben haben. Wird die Order bis zum Handelsschluss nicht ausgeführt, löscht sie sich automatisch und ist am nächsten Tag nicht mehr vorhanden.
- GTC (=good till cancelled, "bis auf Widerruf"): Eine Order, welche den Zusatz GTC trägt, bleibt so lange bestehen, bis sie entweder ausgeführt wurde oder von Ihnen storniert wird.
- FILL OR KILL (sinngem. "alles oder nichts"): Eine Order, die Sie mit dem Zusatz "fill or kill" versehen, muss bei Marktgültigkeit in einem einzigen Handel abgeschlossen werden können. Ist dies nicht der Fall oder sind nur Teilausführungen möglich, wird der Auftrag gelöscht.
Nächste Woche sehen wir uns das Thema "Orderarten" nochmals vor einem praktischen Hintergrund an und ich werde noch die ein oder andere Orderart in diesem Zusammenhang erklären.
Beste Grüße