Einschätzung zum Ölpreis
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 08. April 2005 12:00 Uhr
ENL5454
Heute wende ich mich an das Taipan-Netzwerk von Analysten, damit Ihnen diese Ihre Einschätzung zum aktuellen Marktumfeld geben. Diesmal lasse ich Adam Lass zu Wort kommen. Er schreibt:
Das perfekte Bild eines Marktes auf der Kippe: Gestern gab es bei MSNBC zwei prominente Schlagzeilen: "Stabilität des Ölpreises beflügelt die Wall Street" und "Das Wachstum der neuen Arbeitsplätze verlangsamt sich (in den USA), die Aktienkurse leiden".
Nicht dass eine dieser beiden Schlagzeilen besonderen Sinn machen würde. Erdölpreis stabilisiert? Er steigt von Allzeithoch zu Allzeithoch, kommt dann vielleicht mal vier Dollar zurück. Warum das so ist? Weil das der eindeutigste Spekulantenmarkt ist, den ich jemals gesehen habe.
Es gibt ein paar fundamentale Gründe für einen möglichen kurzfristigen Rückgang des Ölpreises: Die Nachfrage nach Heizöl und Benzin und Diesel geht nach der Winter-Heizsaison und vor der Sommerreise-Saison zurück.
Es gibt auch viele Gründe dafür, dass der Ölpreis die nächsten 12 Monate lang im Bereich der oberen 40er bleiben könnte. Aber diese verrückten Preisschübe Richtung 60 oder 80 oder sogar noch mehr Dollar werden von den lachenden Jungs an der Wall Street verursacht, die höhere Ölpreise brauchen, um mit ihren aktuellen Öl-Futures Millionen zu verdienen. Das macht Spaß, solange es klappt, aber ich möchte nicht der letzte sein, der einen Öl-Future mit Fälligkeit im nächsten Monat hält, wenn der Preisschub sich in einen kurzfristigen, durch Gerüchte verursachten Selloff verwandelt, in einem Augenblick.
Aber Stabilität des Ölpreises? Nein.
Zum US-Arbeitsmarkt: Letzte Woche wurde vermeldet, dass das monatliche Wachstum der neuen Arbeitsplätze nur halb so stark ausfiel wie von den Wall Street-Cheerleadern prognostiziert. Aber dennoch fiel die Arbeitslosenquote um 0,2 %. Und es gibt einen Bericht, demzufolge die Arbeitgeber letzten Monat den Abbau von 86.396 Stellen verkündeten, was immer noch besser ist als der Februarwert (dort wurde der Abbau von 108.387 Stellen gemeldet), aber dieser Wert liegt auch 27 % über dem Wert von März 2004.
Und der Plan von Ford, 1.000 Mitarbeiter aus dem Verwaltungsbereich zu entlassen, ist noch gar nicht berücksichtig.