Einschätzung zu China
Justice Litle in Baltimore in Traders Daily zum Thema Global Anlegen
vom 25. September 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
China kommt mit zwei Geschichten zugleich.
Auf lange Sicht scheint der Drache unerbittlich zu sein. Es ist schwer, sich etwas auszudenken, das ihn zurücktreiben könnte. Kurzfristig muss sich China jedoch mit einer gefährlichen inneren Schwäche befassen, insbesondere einem verdorbenen Bankensystem, schlechter interner Kontrolle und einen gefährlichen Strom „heißen Geldes" - spekulatives Kapital auf der Suche nach aggressiven Rückzahlungen - die drohen die gesamte Wirtschaft zu überschwemmen und werden letzten Endes eine massive Instabilität auslösen, wenn dieses Geld wegfällt. Ähnlich wie bei der asiatischen Währungskrise in den später Neunziger Jahren.
Eine Meinungsverschiedenheit bildet sich langsam heraus, hinsichtlich der Frage, ob China den vollständigen Übergang zum Kapitalismus des freien Marktes schaffen wird, ohne das gegenwärtige politische System zu zerstören. Die Gegner meinen, dass ein vollständig statischer Zugang zur Regierung niemals mit dem freien Markt zusammengehen wird und das die Konflikte, die Chinas kompliziertem Arrangement innewohnen, schließlich und endlich die Führung auseinanderreißen werden...oder zu einem gewalttätigen Ende der Reformen in Richtung des freien Marktes führen werden...vielleicht sogar beides gleichzeitig.
Im Gegensatz dazu deuten die Optimisten auf so blühende Länder wie Singapur, wo der Kapitalismus unter der gütigen Autorität eines Lee Kuan Yew und seiner Mitstreiter aufkeimte.
(Nur als Randbemerkung: Es ist gesetzlich im Prinzip nicht verboten, in Singapur Kaugummi zu kauen. Man darf es laut Gesetz nur nicht importieren oder verkaufen.)
Sie weisen darauf hin, dass ein Arrangement, das statisch und autoritär wirkt, vielleicht wesentlich demokratischer ist als es scheint, weil die Leute bereit sind, die Regierung zu unterstützen. Der Kompromiss lautet: Stabilität für Reichtum.
Solange der Reichtum geliefert wird, wird die Stabilität in Form einer Quasi-Demokratie akzeptiert. Die Optimisten glauben, dass die Autorität in China nach und nach verschwinden wird - genauso wie der Kommunismus in China von vorherrschender Politik langsam zu reiner Rhetorik übergegangen ist - und sie sehen keinen Grund, warum dieser Übergang nicht ohne größere Beeinträchtigungen fortgesetzt werden sollte.
Nur die nachträgliche Einsicht wird zeigen, wer von beiden Recht behält, aber es steht viel auf dem Spiel wegen der weltweiten Aufruhr, die einem politischen Aufstand folgen würde. Derzeit hat China an die 2.000 Milliarden Dollar Devisenreserven (mein Kollege Michael Vaupel berichtete). Das ist ein Betrag, der die finanzielle Flickschusterei sehr schnell auseinander reißen könnte, wenn er kurzfristig auf den Markt geworfen würde.
Und nicht zuletzt wäre es auch für diejenigen, die werfen eine fiskalische Dummheit. Das ist genau der Grund, warum ein solcher Schritt nicht ernsthaft zu befürchten ist. Chinas eigene Wirtschaft würde mit in den entstehenden Sog gezogen und warum sollten sich die Chinesen die Pistole an die eigenen Stirn setzen?
Es gilt in diesem Fall die Doktrin der sicheren wechselseitigen Auslöschung, allerdings der finanziellen und nicht der nuklearen Art.
Als ein Produkt der 50er Jahre, stellt diese Doktrin fest, dass zwei Parteien, die in der Lage sind, sich wechselseitig auszulöschen, schnell einsehen würden, wie dumm eine Feindschaft wäre. Wir liquidieren die Sowjetunion, sie liquidieren uns und keiner gewinnt. Also ist der Frieden gesichert, oder?
Falsch!
Der Fehler in dieser Theorie kommt als eine Frage: Was passiert, wenn es auf der einen oder der anderen Seite zu politischen Unruhen kommt oder wenn die Herrschaft von einem Verrückten übernommen wird, der nichts zu verlieren hat?
Mehr dazu nächste Woche, hier im Trader´s Daily.
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