Einsatzbereite Rohstoffe – Teil 1 von 2
Kevin Kerr in Traders Daily zum Thema Rohstoffe
vom 26. April 2007 12:00 Uhr
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Vor einem Jahr brachte ein Ochse von durchschnittlicher Qualität ungefähr 85,50 Dollar pro „cwt“ beim Schlachter. (Die Abkürzung „cwt“ steht für „hundredweight“. Hundredweight bedeutet einfach, „pro hundert amerikanische Pfund spezifisches Gewicht d.h.45,4 kg. Es wurde zu dem Gewichtsmaß, welches für Rinder immer angewandt wird.)
Vor zwei Wochen lag der Durchschnitt bei 94,44 Dollar pro cwt, ein Anstieg von 3,32 Dollar im Vergleich zur Vorwoche. Übersetzung: Die Preise für Rinder am Geldmarkt steigen rapide und sie werden vermutlich auch weiterhin steigen. Die Nachfrage ist der Motor. Nachdem wieder mehr Länder ihren Markt für amerikanisches Rind geöffnet haben, wird die Nachfrage steigen. Die Gewinnspannen der Schlachter liegen in der Nähe eines kostendeckenden Niveaus. Im Moment werden knappe Rinderbestände und Massen kostengünstigen Futters vermutlich zu einer Verfestigung der Rinderpreise führen. Das gilt insbesondere für die Rindfleischhersteller und die Weidenbesitzer.
Und dann gibt es auch noch die Vogelgrippe. Wenn ein Fall von Vogelgrippe in die USA übergreift und einen Menschen infiziert, dann werden die Menschen dem Geflügel den Rücken kehren und auf direktem Wege auf die Fleischregale im Supermarkt zusteuern. In Wahrheit wird die Vogelgrippe nicht wirklich über den Verzehr von Geflügel verbreitet, doch aus Sicht des Tradings ist das dennoch oft die Wahrheit und allein die Bedrohung durch Vogelgrippe reicht aus, die allgemeine Öffentlichkeit dazu zu bringen, Geflügel zu meiden. Auch wenn der Verzehr nicht der Grund für die Erkrankung ist, wird die breite Öffentlichkeit keinen Unterschied machen. Und wer will schon in ein Hähnchen des Todes beißen, wenn man sich auch für ein schönes, saftiges Steak entscheiden könnte?
Rinderwahnsinn? Normalerweise haben die Marktteilnehmer eine kurze Erinnerungsspanne, also ist es wichtig die Angst auszunutzen, solange sie noch voll greift. Der Rinder- und der Fleischmarkt sind das Herzstück vieler Witze in der Investmentwelt – es kommt einem Hillary Clintons berühmter Rinder-Trade in den Sinn, so wie die bereits erwähnte Frage zu den Schweinebäuchen. Um die Wahrheit zu sagen sind die Fleischsorten ein guter landwirtschaftlicher Markt mit soliden Grundlagen und sie können ein großartiger Übungsmarkt für Anfänger unter den Tradern sein – gehen Sie nur sicher, dass niemand erfährt, dass sie ein Novize sind.
Im Oktober 2006 nahm ich Lebendrindpositionen auf und machte einige sehr gute Gewinne mit der 86 Call-Option und später mit der 88 Call-Option. Der Rindermarkt ist sehr flüchtig und relative illiquide, es kann also ein schwieriger Markt sein, wenn man gerade erst anfängt. Vielleicht wollen sie ihn meiden, bis sie etwas mehr Erfahrung gesammelt haben.
Die Märkte für Kaffee, Zucker und Kakao liegen mir sehr nah am Herzen. Diese drei Rohstoffe sind auch als die „Tropicals“ bekannt, weil die meisten in den Tropen wachsen, oder als „Softs“, ich vermute, weil sie alle einen weiche Konsistenz haben. Doch ganz egal wie Sie sie nennen möchten, sie zählen zu den Märkten mit den besten Leistungen, zu denen, die am wenigsten verstanden sind und über die man am wenigsten an dem Märkten spricht. Ich habe einen großen Teil meiner frühen Karriere in den Gräben der Kaffee-, Kakao-, Orangensaft- und Zuckermärkte zugebracht und ich kann Ihnen sagen, diese Märkte traden sich wie keine anderen. Gold und Öl mag der Löwenanteil unter allen Beiträgen und Schlagzeilen zukommen, aber wenn Sie nach Aufregung suchen: Diese Märkte haben sie zu bieten.
Zucker ist beispielsweise einer meiner Lieblingsmärkte. Zucker steigt aufgrund der Ethanolproduktion exponentiell in der Nachfrage und ist in Lebensmitteln weit verbreitet. Gleichzeitig schrumpft das Angebot aufgrund von Faktoren wie der Kürzung von Subventionen in Europa. Zucker wird sich meiner Meinung nach im Laufe der nächsten Jahre vermutlich verdoppeln und die Zeichen dafür sind schon ablesbar. Ungefähr das gleiche gilt für Märkte wie Kakao und Kaffee.
Die weltweite Nachfrage saugt die Vorräte schneller auf, als diese Rohstoffe geerntet werden können. Ich kenne den Kaffeemarkt gut – um genau zu sein, sehr gut. Es ist einer der ersten Märkte, in denen ich getradet haben, als ich vor achtzehn Jahren bei Rohstoffen eingestiegen bin. Es ist auch einer der Märkte, die sich am schnellsten bewegen und einer der volatilsten Märkte, was bedeutet, dass es dort massenweise Möglichkeiten für Sie gibt, eine ganze Menge Geld zu verdienen. Das ist ein gutes Beispiel, wenn man davon spricht, was die besten Eigenschaften sind, wenn man Rohstoffe tradet: die Möglichkeit einen Markt genauso leicht zu „shorten“ wie „long“ gehen zu können. Das ist richtig– denn anders als bei Wertpapieren, kann man bei Rohstoff-Futures genauso leicht „short“ gehen wie „long“.
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