Einige gute Ansätze
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 27. November 2008, 17:00 Uhr
ENL5454
Leider war den bisherigen Rettungspaketen" kein Erfolg gegönnt. Jede kurze Rallye wurde sofort wieder verkauft und das Mißtrauen gewann die Oberhand. Dies war insofern auch kein Wunder, da nicht nur die Verunsicherung der Konsumenten täglich größer wurde, sondern auch die Warnungen der Konjunkturforscher stetig schriller. Für das kommende Jahr wird das deutsche BIP nach durchschnittlichen Schätzungen etwa um 1,5 % sinken. Für das jetzige vierte Quartal wird die größte Abwärtsdynamik im BIP seit vielen Jahren erwartet. Daher ist es nur zu verständlich, dass noch nicht allzu viele Investoren auf Einkaufstour gehen und die zahllosen Rettungspakete den Börsianern eher Furcht einflössen.
Obwohl eine Rallye schon seit mehreren Tage in der Luft hing und es nur eine Frage der Zeit schien, frage ich mich immer noch, ob es JETZT wirklich für längere Zeit nach oben gehen könnte.
Denn die US-Wirtschaft befindet sich nach wie vor im freien Fall. Alleine die gestrigen schwachen Daten zum Konsumklima, der Kapazitätsauslastung in der Industrie, der schwache Bausektor und der Arbeitsmarkt sprechen eine deutliche Sprache. Das spricht für weiteren Kursdruck. Doch auf der anderen Seite stemmt sich die US-Wirtschaftspolitik mit aller Macht gegen die Abwärtsspirale. Mutige Investoren müssen sich also fragen, ob die US-Regierung das Steuer herumreißen kann.
Dies könnte schwer fallen, da der Beschäftigungsgrad momentan mit einer Jahresrate von über 2 Prozent fällt. Aber nicht nur die Angst vor einem Job-Verlust bremst die Konsumlust der Bevölkerung, sondern auch der entstandene gigantische reale Vermögensverlust durch die Deflation bei Häusern und Wertpapieren, der in Billionen von Dollar gemessen wird. Problematisch und ein Beweis für das geringe Vertrauen ist auch die Lethargie im Bankensektor. Denn obwohl die Banken weltweit gehätschelt werden, bemühen sie sich mit höchster Priorität um ihre eigene Entschuldung, anstatt das Kreditangebot auszuweiten. Deshalb sind Kredite nicht nur für die überschuldeten Verbraucher, sondern auch für die Firmen knapp, die ohnehin schon mit Einbussen zu kämpfen haben.
Auf der anderen Seite ist zu erwarten, dass die Kreditnachfrage von Verbrauchern und Firmen wegen der Unsicherheit sinkt und die Sparquote steigt. Dies könnte einen Nachfrage-Rückgang von mehreren Milliarden bedeuten.
Und trotzdem steigen die Kurse plötzlich!
Die aufgezählten Probleme wirken natürlich in der Gegenwart und werden sich auch in der nahen Zukunft nicht sehr schnell lösen lassen. Aber ganz offenbar gibt es einige Marktteilnehmer, die der Meinung sind, dass die jüngsten Maßnahmen der FED, die genau auf den Häusermarkt zielen, etwas bewirken können. Auf jeden Fall ist bei den Leerverkäufern der Respekt groß genug, dass diese derzeit ihre Bestände eindecken.
Optimistisch macht aber auch das ordentliche Volumen der letzten Tage. Offenbar werden nun doch allmählich einige Käufer angelockt. Die kommenden Tage werden über die Qualität dieser Rallye entscheiden. Denn wegen der Komplexität des gigantischen Rettungspaketes von 800 Mrd. werden die Bankstrategen einige Tage zu rechnen haben, bis sie über die Auswirkungen auf die faire Bewertung von Aktien entscheiden können.
Sehr schnell und sicher zu urteilen ist aber über den positiven Effekt der weiter fallenden Rohstoffpreise. Diese wirken wie ein Konjunkturprogramm für Verbraucher und Konsumenten und entlasten uns alle um viele Mrd. Euro, die wir sinnvoll verwenden können.
Es gibt also viele Gründe, die für eine Bärenmarkt, bzw. Jahresend-Rallye sprechen. Wegen der sich überlagernden Effekte ist es aber aus heutiger Sicht unmöglich, über deren Dauer oder Intensität zu diskutieren. Aber die Wahrscheinlichkeit wächst, dass die Märkte keine neuen Tiefs mehr markieren und das gröbste hinter uns liegt.
Kommenden Montag werfen wir einen Blick auf den wichtigen Nebenwerte-Index Russell 2000 um uns ein umfassendes Bild von der technischen Situation in diesem Marktsegment zu machen!
Ich wünsche Ihnen schon heute ein schönes Adventswochenende!
Herzliche Grüße
Ihr Klaus Buhl