Eingeschränktes Vertrauen in den Kapitalismus
Bill Bonner in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 26. Mai 2008 08:30 Uhr
ENL5454
Ich saß heute Morgen hier im Büro, und sah mir eine dicke Frau an – splitterfasernackt – die auf einer Couch schlief.
Für mich war die Frage, wofür reiche Leute ihr Geld ausgeben, immer schon ein Quell des Interesses und der Unterhaltung.
Dass so vernünftig erscheinende und kluge Männer wie Roman Abramowitsch 33.641.000 Dollar für das Gemälde „Benefits Supervisor Sleeping“ auf den Tisch legen, muss auch für die Armen beruhigend sein. Sie müssen es sich wenigstens nicht ansehen.
Aber die Welt des Geldes ist eine Welt der Wunder… heute genauso wie immer. Ich könnte den heutigen Newsletter auch damit anfangen lassen, dass ich mich darüber wundere, warum die Reichen so wild dahinter her sind, sich von ihrem Geld zu trennen… oder aber auch warum die Armen so wild dahinter her sind, Geld zu bekommen.
Sie können doch deutlich erkennen, dass es die eigene Urteilsfähigkeit außer Kraft setzt und den eigenen Geschmack degradiert. Stattdessen will ich mich jedoch darüber wundern, warum diejenigen, die ständig die Vorzüge des Kapitalismus loben, so wenig Vertrauen in den Kapitalismus haben.
Diese Frage kam aufgrund der jüngsten Gesetzesvorlage auf, die das Finanzkomitee des Senats genehmigte. Der Kongress bereitet sich darauf vor, die Funktionsweise des Kapitalismus zu verbessern, indem er die Federal Housing Administration [amerikanisches Bundesministerium für Wohnfragen] (die selbst schon der Fortschritt eines früheren Kongresses war) autorisiert, Immobilienhypotheken im Wert von 300 Milliarden Dollar zu versichern.
Bislang konnte dieses Ministerium Unfug jeglicher Art betreiben. Man könnte sogar behaupten, dass sich die Immobilienblase von vornherein nie entwickelt hätte, wären da nicht die impliziten Garantien durch Fannie Mae und Freddie Mac gewesen, oder die expliziten Bemühungen der praktisch öffentlichen Unternehmen, einen großen Markt für Derivate zu erschaffen, der auf Hypothekenfinanzierungen basiert.
Doch jetzt wird – für den Fall, dass aus dem Gesetzesentwurf ein Gesetz wird, neuer Unsinn in der Szene erscheinen. Die Federal Housing Administration wird die Macht haben, dazu beizutragen, die amerikanische Immobilienblase mit Flicken zu versehen. Das Ziel, sagte Senator Chris Dodd, sei es, die Leute in ihren Häusern zu lassen. Er hat nicht erwähnt, dass ebendiese Häuser, genau die Häuser sind, die sich ihre Kunden offensichtlich nicht leisten konnten.
Auch machte er sich keine besonders großen Sorgen, dass seine Einmischung in die korrektive Maschinerie des Kapitalismus vermutlich dazu führen wird, dass man Sand ins Getriebe streut. Stattdessen blickte er, wie Gott am sechsten Tag, auf seine Schöpfung und fand, dass sie ziemlich gut war.
Alle sind absolut zufrieden damit, dass der Kapitalismus seine Sache macht – solange ihnen die Ergebnisse gefallen. Aber wenn eine Korrektur ins Haus steht, dann ist die Presse plötzlich voll von jammernden Experten und Politikern, die sich einmischen. Jede Korrektur bringt neue Verbesserungen mit sich, bis es so viele davon gibt, dass das System unter dem Gewicht zusammenbricht.
Und das ist der Grund für die Revolutionen und die Konkurse, die letzten Endes nur die gesammelten Bremsen wegsprengen.