Eingeschneit - Teil 1
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 19. Februar 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Ja, liebe Leser, der Herausgeber dieser Zeilen ist eingeschneit. Nicht zum ersten Mal in diesem Winter.
Und ich bin auch nicht der einzige. Die amerikanische Regierung hat auch dicht gemacht. Egal. Sie haben sowieso nichts anderes getan, als die Sache schlimmer zu machen.
Doch einen Moment noch, was ist das?
Die Washington Post schreibt: Schneesturm oder nicht, die oberste Etage der Angestellten beim Finanzministerium ist eingeschneit - in Arbeit."
Oh je. Die Leute, die die Wirtschaft für uns in Gang halten, sind immer noch an der Arbeit.
Geithners Mitarbeiter verzichten auf freien Tag, um die dunklen Wolken über der Wirtschaft in Angriff zu nehmen."
Eine Wolke in Angriff nehmen?!
Ich muss zugeben, dass ich noch nie einen Vertreter des amerikanischen Finanzministeriums dabei beobachten konnte, wie er eine Wolke in Angriff nimmt. Ich kann es mir nicht so recht vorstellen. Aber es steht in der Zeitung, also muss es stimmen.
Es gibt gerade natürlich sehr viele wirtschaftliche Wolken. Und auch viele richtige Wolken, die ihren Schnee in der Gegend um Washington abwerfen. Politiker und Bürokraten können bei beiden Wolken nicht sonderlich viel ausrichten. Aber es muss die Holzköpfe beruhigen, wenn sie denken, sie würden sich damit befassen. Mir wäre es lieber, sie würden sich den Tag freinehmen - und den nächsten auch. Und dann auch den darauf.
Was ist dieser Schnee doch für ein Geschenk des Himmels. Denken Sie nur an all die Leute, die dadurch einen Job bekommen. Die Kinder schaufeln die Gehwege frei und sie verdienen sich damit ein wenig Geld, das sie ausgeben können. Der Absatz von Schneeschiebern muss in den Himmel schießen. Fahrzeuge mit Allrad-Antrieb rutschen aus den Ausstellungsräumen und von den Verkaufsplätzen der Autohändler... Arbeitstrupps sind Tag und Nacht im Einsatz - und erhalten für die Spätschichten ohne Zweifel Zulage.
Und jetzt denken Sie an all die ungetane Arbeit... und die Schule... all das muss nachgeholt werden.
Sie werden jetzt vermutlich denken, dass an dem Bild etwas nicht stimmt. Wie kann etwas so Zerstörerisches und Teures wie ein Schneesturm gut für die Wirtschaft sein.
Nun, dazu müssen Sie wie ein Wirtschaftswissenschaftler denken. Sie müssen lernen, auf dem Kopf zu stehen. Dann steht auch alles andere auf dem Kopf.
Ein Sturm ist natürlich absolut nicht gut. Aber ein einfacher Geist von Wirtschaftswissenschaftler glaubt, dass ganz egal was einen Menschen an die Arbeit bringt, gut für die Wirtschaft ist - sogar ein Weltkrieg.
In Wahrheit geht bei einem Sturm... oder einem Schneesturm... oder einer Flut... oder einem Krieg echter Wohlstand verloren. Dinge brechen zusammen oder sie werden aufgebraucht. Und dann müssen viele Ressourcen eingesetzt werden, um Reparaturen einzuführen. Wenn man diese Ressourcen in einer konzertierten Weise einsetzt, dann sieht es ganz so wie Fortschritt aus... aber in Wirklichkeit kehrt man nur an den Punkt zurück, an dem man schon einmal war.
Und davon abgesehen müssen diese Ressourcen von anderen Nutzungsmöglichkeiten abgezogen werden. Die Nachfrage nach Schneeräumfahrzeugen ersetzt die Nachfrage nach Motorrädern oder Jet-Skis. Die Arbeiter, die den Schnee bewegen, würden sonst vielleicht Pizzas backen oder die Zeitungen zustellen. Und der Treibstoff der Salzfahrzeuge und Schneepflüge... hätte für etwas Besseres verwendet werden können. Etwas, was sich die Leute gewünscht hätten, und nicht etwas, das sie tun mussten.
Der frühe französische Ökonom Frederic Bastiat stellte dies schon vor langer Zeit fest. Er nannte es die Phantasievorstellung des zerbrochenen Fensters. Schon damals dachten einige faule Ökonomen, dass das Zerbrechen eines Fensters die Wirtschaftsaktivität tatsächlich würde ankurbeln können. Das war natürlich absoluter Unsinn.
Wenn man eine Wirtschaft wirklich verbessern könnte, indem man ein Fenster zerbricht... oder weil ein Tornado durchzieht... warum sprengt man dann nicht einfach ganze Städte in die Luft?
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Matos (19.02. 2010 10:42 Uhr):
das wird ja ohnehin so gemacht. Alle Kriege der vergangenen 200 Jahre wurden bezahlt. Vermutlich von den gleichen Geldgebern. Denn die haben dann jeweils gigantische Summen am Wiederaufbau verdient. Aber ich denke auch, dass eine Zerstörung nicht notwendig ist, da es ja dann keine Arbeit gibt, wenn es keine Probleme zu lösen gibt. Und Probleme haben wir ja wie Sand am Meer. Alleine wenn man denkt, dass im Atlantik 850 Mill Tonnen Müll schwimmen. Ein Müllteppich so groß wie die gesamte Fläche Europas. Das Verhältnis von kleinen Plastikstückchen zu Planton, die optisch fast nicht zu unterscheiden sind, ist zur Zeit 66:1. Die Fische sterben, da sie Plastik fressen und den Bauch voll haben und trotzdem verhungern. So ähnlich wie beim Menschen, wenn er Junkfood zu sich nimmt. Nur es will sich niemand finden, der alle diese Problembewältigungen bezahlt. Da immer die gleichen Leute die gesamte Menschheit ausbeutet und alles Geld das "verloren" schein, hortet. Wer finanziert eigentlich die ganze Zeit die Schulden aller Staaten, wohin ist das Geld geflossen, das die Banken mit ihren Derivaten verdient haben? Irgendeinen Profiteur muss es ja geben. Die Masse ist es sicherlich nicht. Und diejenigen, die die Fäden tatsächlich ziehen, haben auch die Kontrolle über sämtliche Regierungen. Die müssen ihnen aus der Hand fressen, da sie jedes Jahr um Geld betteln. Seit vielen Jahrzehnten. Und die Leute haben sich vorgaukeln lassen, diese Geldmisswirtschaft sei Wohlstand. Niemand dachte an unsere Kinder und Kindeskinder. Jeder hat nurmehr gefordert und gefordert. Und in den Kreisen, die sich alles richten können, ist es ja heute noch so (Banken, Versicherungen, Politik). Oder wie wäre es sonst zu verstehen, dass die EU Politiker eine Erhöhung von über 3,5% erhalten, weit über der Inflation, während die Pensioneisten und Privatangestellten und Bauern fast nichts bekommen? Es ist einfach alles aus den Fugen. Wer wird das wohl noch richten können?
Antworten - Kommentar von Hubert Haag (19.02. 2010 20:36 Uhr):
Ganze Städte in die Luft sprengen, ja das können die USA schon seit 60 Jahren!! Fällt Ihnen sonst nichts besseres ein, ausser Gewalt??
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