Einführung in die moderne makroökomische Theorie
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 31. Juli 2008, 07:00 Uhr
ENL5454
Leser, die mit der modernen makroökonomischen Theorie nicht vertraut sind, wollen das vermutlich auch so belassen. Aber das hält mich nicht davon ab, mich hinzustellen, um das System vor Ihnen darzustellen.
Im vergangenen November war die Wachovia Bank von Tar Heel State noch mehr als 100 Milliarden Dollar wert. Vor zwei Wochen war sie noch 20 Milliarden Dollar wert - nachdem sie einen Verlust von mehr als acht Milliarden im zweiten Quartal bekannt gegeben hat. Doch oh-ho... in der vergangenen Woche war sie wieder bei 37 Milliarden.
Was geht hier vor sich? Nun, viele Leute werden Ihnen jetzt erzählen, dass die Banken wieder zurückkommen. Ich glaube das nicht. Der Boom bei den Finanzen ist vorbei, die große Mehrheit der Redner wies bei einem Investmentsymposium in der vergangenen Woche darauf hin. Zwei weitere Banken sind während des Wochenendes gescheitert - First Heritage aus Kalifornien und First National aus Nevada.
Eric Fry hat bei einer Rede Charlie Munger, den Vizevorsitzenden von Berkshire Hathaway zitiert.
"Lassen Sie mich außen vor. Viel Schlechtes hat sich in das Finanzsystem eingeschlichen... es stehen viele Skandale vor uns."
Selbst die Überlebenden werden es nicht wieder auf das Niveau der strahlenden Tage von vor ein oder zwei Jahren schaffen. Es bedeutet nicht, dass es nicht einige beachtliche Sprünge geben wird. Wie sie an der Wall Street sagen, können sogar tote Katzen springen. Aber es wird noch lange dauern, ehe die großen Banken wieder in den Genuss von Profiten kommen, so wie sie sie in den Jahren 2003 bis 2007 gemacht haben - als sie Milliarden erwirtschafteten, indem sie Geld an Leute verliehen haben, die es sich nicht leisten können, das Geld auch wieder zurück zu zahlen.
Ich will Ihnen erklären, wie die Finanzindustrie funktioniert. Jemand leiht sich Geld von einem anderen, der sich das Geld von jemandem geliehen hat, der es von der Zentralbank mit einem Zinssatz geliehen hat, der noch unter dem Wert der Verbraucherpreisinflation liegt. Dann hat der Kreditgeber einen Profit mit diese Transaktion verbuchen können, und sich selbst eine Prämie bezahlt... während er den Kredit an jemanden verkauft hat, woraufhin beide einen Profit verbuchen konnten und noch mehr Prämien ausgeschüttet haben. Dann wurde aus dem Kredit und anderen infizierten Krediten ein Paket geschnürt, das von Moody's mit AAA bewertet wurden und dann weiterverkauft wurde - und wieder hat jeder, der die Finger bei dieser Transaktion im Spiel hatte - inklusive der Reinigungsfrau - einen Gewinn verbuchen können und eine Prämie eingestrichen.
Die fremdfinanzierte Dummheit der vergangenen Jahren hat sich über die Ratingagenturen immer weiter fortgesetzt", erklärte Eric vor mehr als 800 Zuhörern. Sie wollten diese Dinge quantifizieren, die nicht quantifizierbar sind. Die Leute wussten nicht wirklich, worauf sie sich da eingelassen haben."
In den vier Jahren vor der Kreditkrise haben sich die großen Banken an der Wallstreet selbst Prämien im Wert von 250 Milliarden Dollar ausgezahlt. Es schien niemanden zu interessieren, dass der Ursprung dieses Wohlstandes überwiegend auf Betrug basierte... und dass die wahren Gewinne niemals realisiert wurden. Jetzt schreiben die Banken die schlechten Kredite ab... und wenden sich an die Steuerzahler, um Geld zu bekommen. Aber niemand hat bislang vorgeschlagen, eine Prämie zurückzugeben, soweit ich weiß.
Das ist natürlich genau das, was hinter dem modernen, angelsächsischen Kapitalismus steht - die meisten kapitalistischen Einrichtungen haben ihr Kapital mit den Prämien abgegeben. Und wenn sie in Schwierigkeiten geraten, dann wenden sie sich an den Steuerzahler, damit er ihnen aus der Patsche hilft. Natürlich haben auch die Steuerzahler ihr gesamtes Geld ausgegeben. Sie können von Glück sprechen, wenn sie noch in der Lage sind, ihren Benzintank zu füllen - mit ihrer Kreditkarte.
Und das ist der Grund, warum Hank Paulson so eifrig darum bemüht ist, die Welt zu täuschen. Er weiß, dass wenn das Ausland jemals hinter den Betrug kommt, der in den Vereinigten Staaten läuft, sie nicht weiter ihr Geld verleihen werden. Und dann stecken die Wall Street, Washington, sogar die breite Masse der Verbraucher tief in der Klemme.
Das weit verbreitete Denken unter den Amerikanern ist vergleichbar mit dem Tragen eines String-Bikinis auf einer Polarexpedition", sagte Eric, man sieht so lange gut aus, bis man krepiert."
Es ist an der Zeit, Risiken zu verkaufen und vorzusorgen."
Der durchschnittliche einfache Haushalt muss so oder so Schläge einstecken. Die Inflation prügelt auf der einen Seite auf ihn ein... und die deflationäre Krise schlägt ihn von der anderen.
Auf Seite drei der Wochenendausgabe der Financial Times gibt es die folgenden Schlagzeilen:
"EDF hebt die Strompreise um 17% an", ist die eine,
Die Wirtschaft schrumpft, sagen Analysten" berichtet die andere.
Wie kann ein gewaltiges Versorgungsunternehmen während eines Konjunkturrückgangs die Preise anheben? Zwangsvollstreckungen sind doppelt so häufig wie noch vor einem Jahr. Und die Hausbesitzer finden es immer schwieriger, zu finanzieren. Wenn die Hypothekensätze steigen und die Hauspreise fallen, dann qualifizieren sich nur noch 3% der Hausbesitzer für eine Refinanzierung, heißt es in einer Schätzung, verglichen mit 30% vor einem Jahr.
Die Hauspreise sind 10 Monate in Folge gefallen. Sie sind heute laut Case/Shiller um 18% gefallen. Und sie haben erst die Hälfte ihres Weges zurückgelegt. Das ist die Vermutung von Nouriel Roubini. Er sagt, dass letzten Endes die Verluste, die mit Krediten in Verbindung gebracht werden, auf ein bis zwei Billionen Dollar anwachsen könnten, und dass die Rezession noch mindestens ein Jahr lang andauern wird.
Die große Nachricht des Marktes aus der vergangenen Woche war der fallende Ölpreis. Er ist bis Freitag auf 122 Dollar gefallen.
Hat die schwarze Masse ihren Gipfel überschritten. Vielleicht. Doch wie ich schon erklärt habe, ist eine Blase bei Öl nicht so wie eine Blase bei Tulpenzwiebeln oder dot.coms. Öl ist vermutlich der wichtigste Rohstoff der modernen Welt. Und soweit ich sagen kann, steigt die Zahl derer, die Öl haben wollen, während die Menge, die leicht für den Verkauf erreichbar ist, zurückgeht.
Der Ölpreis könnte fallen oder steigen. Aber er wird nicht verschwinden. Und wenn alles gesagt und getan ist, dann wird der Preis von Öl effektiv vermutlich über den Werten von 2003 bleiben. Und das ist der Grund, warum die Versorger die Preise anheben... und warum die Fluggesellschaften Geld verlieren. Sie haben gehofft, dass der Ölpreis schnell wieder abflauen würde. Aber das ist nicht passiert. Und vermutlich wird er auch nicht allzu weit fallen - selbst wenn der Gipfel für diesen Zyklus hinter uns liegt.
Die gesamte Welt schaukelt auf einer schäumenden See des Bargeldes - und deswegen ist es schwer zu entscheiden, was die Dinge wirklich wert sind. Der Dollar ist in der vergangenen Woche ein bisschen gestiegen - aber mit 1,56 Dollar pro Euro ist er kaum das, was man als eine starke" Währung bezeichnen würde.
Doch auch heute sagt der Finanzminister Hank Paulson noch, dass ein starker Dollar sehr wichtig" für die Vereinigten Staaten sei. Der Mann an der Spitze des Finanzministeriums versteht, wie abhängig die Vereinigten Staaten heute von der Freundlichkeit Fremder sind, die bekanntes Geld in ihren Taschen haben.
Es befinden sich ungefähr 13 Billionen Dollar außerhalb der Vereinigten Staaten, sagt Jim Rogers. Und die Golfstaaten allein fügen zu ihrem Stapel täglich eine Milliarde Dollar hinzu.
Wenn sich diese Ausländer irgendwann einmal dazu entschließen sollten, den Dollar fallen zu lassen... dann wird es an den Währungsmärkten eine Art Vorhölle geben. Der Dollar wird dann einrechen... und die Vereinigten Staaten wären daraufhin nicht mehr in der Lage, Geld zu leihen, welches sie doch so dringend brauchen, um weiterhin über ihre Verhältnisse leben zu können.