Einfache Regel: Der Trailing Stopp
Tom Firley (Gastbeitrag) in Traders Daily
vom 18. Oktober 2010, 12:00 Uhr
ENL5454
Ein Trailing Stop ist zu Deutsch ein „nachlaufender Stop". Das bedeutet: Sie steigen zu einem bestimmten Kurs ein und ziehen den Stop nach, wenn der Kurs gestiegen ist. Ein einfaches Beispiel:
Sie kaufen eine Aktie (oder ein Rohstoff-Zertifikat) zu einem Kurs von 100 Euro und setzen Ihren Stop bei 90 Euro. Sie setzen diesen Stopp bei dieser Marke, weil Sie nicht mehr als 10 Prozent des eingesetzten Kapitals verlieren wollen, falls sich Ihre Analyse zu diesem Zeitpunkt als falsch erweist. Jedoch steigt die Aktie und erreicht einige Zeit später 110 Euro. Jetzt überlegen Sie sich:
„Feine Sache, bei einem Kurs von 110 Euro liege ich 10 Prozent im Gewinn. Aber die Aktie kann noch weiter steigen. Sicherheitshalber ziehe ich meinen Stop jetzt aber nach... und zwar wieder etwa 10 Prozent vom aktuellen Kurs von 110 Euro entfernt... das wäre als ein Stopp bei etwa 99 Euro."
Trailing Stops heißt auch: Gewinne absichern
Gesagt, getan. Glücklicherweise haben Sie einen Trend erwischt und die Aktie steigt weiter auf 120 Euro. Jetzt ziehen Sie den Stopp auf etwa 108 Euro nach, um sich somit sichere 8 Prozent Gewinn zu sichern usw. usw.
So einfach ist das?
Fast.
Sicherlich macht es oft keinen Sinn, Ihren Trailing Stop genau 10% unter dem aktuellen Kurs zu setzen. Ich persönlich richte mich da nach den stärksten Unterstützungen in diesem Bereich. Wenn ich also zu einen Kurs von 100 Euro einsteigen würde und eine starke charttechnische Unterstützung läge bei 88 Euro, dann würde ich den Stopp bei etwa 87 Euro (entspräche 13%), also ein Stückchen unter der Unterstützung.
Trailing Stopps: Fluch oder Segen?
Oft erhalte ich Leserbriefe, in denen Anleger oder Trader mir ihr Leid mit Stopps klagen. Das sieht dann meistens so aus: „Letzte Woche bin ich knapp ausgestoppt wurden und musste einen Verlust von 6 Prozent hinnehmen. Aber heute steigt die Aktie wieder und ich läge schon wieder etwas im Plus..."
Zu solch einem Beispiel habe ich drei Anmerkungen:
1.) Überprüfen Sie noch einmal Ihre ursprüngliche Analyse. Auch wenn Sie ausgestoppt worden sind, hindert Sie das ja nicht daran, die Aktie erneut zu kaufen (auch wenn dies beim ersten Lesen unlogisch klingt). Sie sind von keiner Aktie geschieden, wenn Sie sie verkauft haben... allerdings auch mit keiner verheiratet, wenn sie sie gekauft haben.
2.) Wer überhaupt nicht mit Stopps arbeitet, der setzt entweder auf das Prinzip Hoffnung oder muss schon ein sehr erfahrener Zocker sein. Ein Zocker, der einfach damit rechnet, dass er mit der einen spekulativen Position einen Totalverlust erleidet und dafür mit der anderen Position mehr als 100 Prozent Gewinn macht. Auch solch eine Strategie gibt es (wenn Sie hierfür ein Beispiel interessiert, schreiben Sie mir einfach oder entfachen Sie eine Diskussion über die Kommentar-Funktion; hier an dieser Stelle würde das zu weit führen).
3.) Zu guter Letzt ein altbekanntes Beispiel dafür, was passieren kann, wenn Sie nicht mit Stopps arbeiten:
Chart Deutsche Telekom
Blicken Sie bitte auf das rote Rechteck. Bei allen möglichen Einstiegs-Kursen, die innerhalb des Rechtecks zu finden sind, lägen Sie heute im Minus. Bei den wenigen Einstiegs-Kursen unterhalb des Rechtecks lägen Sie im Gewinn.
Ich weiß, dass ich bei einigen langjährigen Börsianern jetzt noch Salz in die Wunde streue. Aber wer hier nicht mit Stopps gearbeitet hat, der liegt 20 oder 30 oder 50 oder gar 80 Prozent im Minus...
Überlegen Sie sich einfach selbst, ob da nicht ein schneller Verlust von 10 Prozent einfach besser gewesen wäre...
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
