Eines Tages wird irgendetwas passieren (Teil 2)
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 27. April 2004 18:00 Uhr
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Ich warte und warte. Ich warte immer noch darauf, dass etwas passiert. Die Aktien sind im Ganzen ziemlich überteuert. Die Dividendenrendite auf die meisten Aktien beträgt weniger als zwei Prozent. Die Investoren spekulieren lediglich darauf, dass sie weiter steigen. Dabei sind die Aktien der Spitze ihrer historischen Kursspanne schon sehr nahe.
Immobilien sind im Ganzen ebenso zu teuer. Wo können Sie, nach Abzug der Kosten, noch einen anständigen Ertrag bei Immobilien erwarten? Das ein oder andere Örtchen gibt es wahrscheinlich schon noch, aber die meisten Investoren investieren ohnehin nicht aufgrund des Ertrages ... sie spekulieren auf höhere Preise und nehmen in großem Umfang Hypothekenschulden auf, ganz so, als wenn diese eine sichere Wette wären.
Anleihen? Mein Tipp geht dahin, dass die Anleihen die Investoren dadurch überraschen könnten, dass sie nicht kollabieren. Nun, da Greenspan eine Deflation ganz offiziell verneint hat, scheint das ja nahe an der Gewissheit zu sein. Eine Deflation würde auf geringere, nicht höhere Erträge hinauslaufen ... und offensichtlich auf höhere Preise für Anleihen.
Also, was soll's ? Wir investieren ja schließlich nicht aufgrund unserer Vorahnungen. Anleihen könnten runter- genauso gut wie heraufgehen. Außerdem: Welchen Gewinn man mit Anleihen auch immer machen kann, er nimmt sich auf jeden Fall ziemlich bescheiden aus gegenüber den immensen Verlusten, die Sie als Investor auf jeden Fall erleiden werden, wenn es zu einer Inflation kommt.
Daher setze ich auf Goldmünzen und warte ab. Wenn abwarten alles ist, was Sie tun können, bleiben Sie letztendlich beim guten alten Bargeld – ob in Dollar, Euro oder Yen –, oder auch beim Gold.
Währenddessen geschieht zur Zeit etwas sehr Interessantes auf dem gemeinsamen Treffen der G–7. In der gestrigen Ausgabe der Londoner Times berichtet Gary Duncan, dass sowohl französische als auch deutsche Regierungspolitiker über den Präsidenten der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet verärgert sind.
Bemerkenswerter Weise scheint Herr Trichet seine Verantwortung für den Schutz des europäischen Geldes sehr ernst zu nehmen. Deutsche und französische Politiker hätten nichts dagegen, wenn die Zinsraten etwas gesenkt würden. Somit könnte zu Hause dann eventuell wenigstens ein Hauch von wirtschaftlichem Aufschwung erreicht werden. Herr Trichet erinnerte sie jedoch daran, dass seine Arbeit nicht darin besteht, ihnen zur Wiederwahl zu verhelfen; stattdessen wird von ihm nun mal erwartet, dass er die Inflation im Zaume hält.
Das Wirtschaftswachstum in Euroland sei gegenwärtig bereits so groß, wie unter den gegebenen Umständen erwartet werden könnte, verkündete er. Nebenbei meldete die Financial Times in einer ihrer Schlagzeilen "Inflation in der Euro-Zone bricht durch die Decke." Gegenwärtig ist schlicht nicht die Zeit, Zinsraten zu kürzen, meint Trichet.
Wie sehr müssen die Deutschen und Franzosen doch ihre amerikanischen Pendants beneiden! Während der unbeugsame Monsieur Trichet nicht willens zu sein scheint, auch nur einen Finger zu krümmen um die europäische Wirtschaft weiter zu inflationieren, ist Amerikas eigener Zentralbanker Alan Greenspan, der Herr der Spekulationsblasen, dagegen der reinste Wackelpudding. Seine Herren im Weißen Haus scheinen ihn in jede denkbare Form gießen zu können, egal wie unnatürlich und abartig sie auch sein mag.
Egal ob Haushaltsdefizit, Blasen auf dem Aktien- und Immobilienmarkt, Verbraucherverschuldung oder schwankende Hypothekenzinsen – es gab bisher keine Situation, egal wie unangenehm oder unbequem sie auch war, an die Herr Greenspan sich nicht perfekt angepasst hätte, wenn die Gelegenheit dafür günstig erschien.
Sein Niedrigzinssatz von einem Prozent wird irgendwann gebrochen werden. Ich warte solange, bis das passiert und behalte mein Geld für den Augenblick bei mir – mag sein, das ich es noch brauchen werde.
Nun aber zu Eric Fry an die Wall Street: