Einer nach dem anderen
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 18. November 2008, 07:30 Uhr
ENL5462
Liebe Leserin, lieber Leser!
Nach den Banken stehen nun auch die Autobauer bei der Regierung Schlange und ersuchen Hilfe. Der viertreichste Deutsche soll wegen massiver Verluste in Folge einer Fehlspekulation (angeblich setzte er auf fallende VW-Stammaktienkurse) ebenfalls bereits in Verhandlungen über eine Staatsbürgschaft stehen.
Staat letzter Hoffnungsanker
Es darf munter weiter spekuliert werden, wer bzw. welche Branche nun beim Wett-Retten als Nächstes beim Staat anklopfen wird. Die 94-jährige Wall-Street-Legende Seth Gickenhaus geht sogar so weit, dass am Ende des Tages der Staat alle schlucken werde". Nachdem zuerst die großen die kleinen Firmen übernommen hätten, würde nun am Schluß der Staat alle in seine Fittiche nehmen.
Scheinbare Allmacht der Regierungen
Aktuell flüchten sich alle, die können, unter den Rettungsschirm des Staates. Aber nur wenige stellen die Frage nach der Frage der Gesundheit" des Retters. Anders formuliert, die Staatsfinanzen der meisten Länder sind seit Jahren alles andere als gesund". Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Regierungen tatsächlich an die Grenzen ihrer eigenen Leistungsfähigkeit" geraten.
Ja, liebe Leserin, lieber Leser, die Verantwortlichen werden an einem möglicherweise nicht allzu fernen Tag in der Zukunft entscheiden müssen, ob sie die Wirtschaft oder sich selbst retten wollen.
Und, insofern braucht man wahrlich kein Prophet sein, dass die Regierungen schlussendlich dann doch keine Rücksicht auf das Wohlbefinden der Wirtschaft nehmen werden, um den eigenen Untergang aufzuhalten bzw. zu verzögern.
Ende der Obama-Euphorie
Sehr interessant ist, dass nach dem Obama-Wahlsieg eine weltweite Welle der Hoffnung eingesetzt hat. Fraglich ist nur, wann diese letztendlich wieder an der bitteren Realität zerschellen wird. Insofern sind Meldungen über Massenentlassungen (53000 Stellen sollen bei der Citigroup wegfallen) sicherlich alles andere als geeignet, die Euphorie weiter zu befeuern".
Derivate-Bombe wächst weiter
Und, die Woge der Freude dürfte sich auch in Grenzen halten, wann realisiert wird, dass auch kein Weltfinanzgipfel die ultrascharfe Derivat-Bombe, die im Hintergrund munter weiter tickt, entschärfen kann. Laut Bank für Internationalen Zahlungsausgleich wuchs das OTC-Derivate-Volumen weltweit zum 30.6.08 auf sage und schreibe 684 Billionen Dollar an. Gegenüber dem Jahresende 2007 entspricht dies einem satten Zuwachs von fast 15 Prozent oder nur" 88 Billionen Dollar.
In Relation dazu erscheint das deutsche 500 Milliarden-Euro Banken-Rettungspaket wahrlich als Peanuts".
Ob die Damen und Herren beim Weltfinanzgipfel wirklich über die Risiken und Nebenwirkungen eines Platzens dieser Mutter aller Mega-Blasen diskutiert haben?
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