Einen Scheck vom Desaster entfernt
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 14. März 2003 18:00 Uhr
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Zwei Meldungen vom Mittwoch fand ich besonders aufschlussreich:
Eine Umfrage von ABC/Money kam zu dem Ergebnis, dass sich die Amerikaner unwohl fühlen – das "Komfortniveau" der Konsumenten steht bei 9-Jahres-Tiefs, so die Umfrage.
Währenddessen haben die Refinanzierungen (also das Erhöhen bestehender Hypotheken) im Gegensatz zu den Hauskäufen einen neuen Rekordwert erreicht.
Wie passt das zusammen? Warum sollten Leute, die Angst vor der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung haben – und vielleicht auch Angst um ihren Job – sich noch mehr verschulden wollen? Die Antwort: Sie brauchen das Geld.
Fast die Hälfte der amerikanischen Kreditkartenbesitzer leistet auf ihre Schulden nur die Minimalzahlung. Und 44 % von ihnen rutschen immer weiter in die Schuldenfalle, weil sie nicht genug Geld haben, um die laufenden Zinsen bezahlen zu können.
Letzten Freitag meldete die Fed, dass die Konsumentenschulden derzeit mit einer Jahresrate von 9,1 % wachsen – das ist drei Mal so schnell wie das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes, und es ist das schnellste Wachstum seit November 2001.
Viele dieser amerikanischen Konsumenten sind "nur einen Scheck vom Desaster entfernt".
Vielleicht ist das der Grund, warum McDonald's – diese Gesellschaft ernährt viele dieser Leute – für Februar erneut zurückgehende Umsätze vermelden musste. Den 12. Monat in Folge. Und auch Walmart – dieses Unternehmen bekleidet diese Leute – teilte mit, dass die Umsätze zurückgehen.
Wenn es dem Konsumenten schlecht geht, geht es auch der gesamten Wirtschaft schlecht. Was könnte sonst zu einer Verbesserung der Wirtschaftslage führen? Antwort: Unternehmensinvestitionen. Aber warum sollten die Unternehmen neue Projekte beginnen und neue Arbeiter einstellen? Die Konsumenten fahren ihre Ausgaben zurück. Die Energiekosten steigen deutlich. Die Defizite der unternehmenseigenen Pensionsfonds fressen die Gewinne der Unternehmen auf.
Dr. Richebächer, der gelegentlich Beiträge für den Investor's Daily schreibt, meint dazu: "Aus der gesamtwirtschaftlichen Perspektive gesehen können höhere Gewinne nur durch steigende Investitionen zustande kommen – oder durch ein Zurückfahren der Sparraten der Konsumenten. Ich sehe keins von beiden. Die Investitionen zeigen kein Lebenszeichen. Und auf der anderen Seite steigen die Sparraten der Konsumenten sogar wieder, da die für die Konsumenten negativen Vermögenseffekte des Aktienmarktes die positiven Effekte der Spekulationsblase am Immobilienmarkt übertreffen." Ich bleibe bei meinem "fuchsienfarbenen Alarm": Die gesamte US-Wirtschaft und ihr Aktienmarkt sind nur einen Scheck vom Desaster entfernt. Die Investoren könnten jeden Tag in Panik verfallen. Und auch die Konsumenten werden nervös. Der Dollar könnte kollabieren – ohne Vorwarnung.
*** Aber was für eine verrückte und wundervolle Welt, in der wir leben. Der Dollar stieg gestern, als Berichten über Kapitulationsverhandlungen zwischen dem CIA und irakischen Generälen.
Mein Freund Michel fragte mich beim Mittagessen: "Hast Du das in den Nachrichten gesehen? Angeblich soll eine irakische Division an der Grenze versucht haben, sich dem britischen Kommandeur auf der anderen Seite der Grenze zu ergeben."
"Der britische General sagte demnach: 'Es tut mir leid, aber wir nehmen noch keine Kapitulationen an. Aber wir werden darauf zurückkommen ...' Das ist erstaunlich. Das ist das erste Mal in der Geschichte, dass eine Armee kapituliert hat, bevor der Krieg überhaupt begonnen hat."
*** Aber man kann diesen Irakern nicht trauen. Sie könnten etwas Teuflisches planen. So könnten sie versuchen, zu verhindern, dass sie in Stücke gebombt werden. Danach erhöhen Sie vielleicht die Hypotheken auf ihre Häuser, um Starbucks-Filialen eröffnen zu können.
*** "Liebe Freunde von Saddam", so begann eine Email, die mir ein Leser schrieb. Meine Antwort dazu: Moment Mal. Ich habe Saddam Hussein niemals getroffen. Und was den Krieg betrifft ... dazu habe ich keine Meinung. Wird die Welt dadurch ein besserer Ort ... oder ein schlechterer? Ich weiß darüber nicht mehr als der amerikanische Oberbefehlshaber. Alles was ich weiß, ist, dass der Krieg genauso wahrscheinlich ein komplettes Desaster wie ein Triumph werden kann.
Aber jetzt, wo ich die wirklichen Kriegsziele der USA besser verstehe, beginnt das alles ein bisschen mehr Sinn zu machen. Wenn das Ziel sein sollte, überall auf der Welt amerikanische Truppen zu verteilen, um sich in die Angelegenheiten von Staaten einmischen zu können, die manche noch nicht einmal auf der Weltkarte finden würden und in die man nicht reisen will ... dann ist der Irak sicherlich ein besserer Anfang als, sagen wir einmal, Frankreich.
Ich beginne auch zu sehen, wie der Krieg ins gesamtwirtschaftliche Bild passt. Schließlich ist die Wirtschaft mein Thema, auch wenn ich immer wieder abschweife. Und obwohl ich auch nicht mehr über die Wirtschaft weiß als der Fed-Vorsitzende, habe ich eine oder zwei Meinungen.
Der Krieg gegen den Irak ist in den Augen von Leuten wie Thomas Barret (vom "Naval War College"; ich habe ihn gestern zitiert) ein Weg, der sicher macht, dass das Ende der Geschichte besiegelt ist. Sie werden sich vielleicht an die Proklamation von Francis Fukuyama vom "Ende der Geschichte" nach dem Fall der Berliner Mauer erinnern. Schließlich war der amerikanische Konsumentenkapitalismus fast überall auf der Welt angekommen. Und da man sich keine Verbesserung mehr vorstellen konnte ... war das "Ende der Geschichte" gekommen.
Tja, dann kam allerdings an den Weltbörsen das größte Debakel aller Zeiten ... und die Anschläge vom 11. September 2001 ... und plötzlich sah es so aus, als ob die "Geschichte" wieder im Geschäft sein könnte.
Und jetzt komme ich auf die Ansicht von Mr. Barnett zurück. Ich sage gelegentlich: Es gibt für jeden Fehler unter dem Himmel eine Zeit. Der besondere Fehler von Mr. Barnett scheint zu sein, dass ihm die Bush-Administration so gut gefällt; und deren Zeit ist gekommen.
Die Grundidee von Barnett: Um sicher zu gehen, dass der amerikanische demokratische Konsumentenkapitalismus weiterhin triumphiert und abgesichert wird, sollten die USA ihre militärische Macht nutzen, um eben dieses System den Staaten, die es nicht wollen oder damit nicht umgehen können, aufzuzwingen. Er nennt das "den Export von Sicherheit". Sobald diese Staaten "sicher" geworden sind, werden die Leute dort wahrscheinlich die Republikaner wählen und Konten bei Fondsgesellschaften eröffnen.
Natürlich wird dies laut Barnett nicht über Nacht geschehen. Es wird eine Menge Geld kosten ... und einige Leben. Aber hey, auch Rom wurde nicht in einem Tag gebaut.
Aber wer wird das bezahlen? Ich kann nur raten, wie die Antwort von Mr. Barnett lauten würde: Natürlich sollten die Leute, die von diesem Export von "Sicherheit" profitieren, dafür bezahlen. Die meisten von ihnen haben zwar kein Geld. Aber der Irak hat zum Beispiel Öl.
Amerika produziert nicht genug Güter, um das derzeitige Konsumniveau aus eigener Kraft halten zu können. Von neuen geopolitischen Kraftakten ganz zu schweigen. Aber Amerika hat eine neue boomende Exportindustrie – Sicherheit –, die die Bilanz verbessern könnte, wenn man die Leute dazu zwingen kann, diese Sicherheit zu "kaufen".
Das ist natürlich alles irgendwie Unfug. Aber diese Art von Unfug regiert die Welt ... und macht Geschichte.
Verkaufen Sie den Dollar. Kaufen Sie Gold.
*** In den Nachrichten kam, dass die Amerikaner französische Güter boykottieren und französischen Wein auskippen, um zu zeigen, was sie von Chiracs Haltung zum Irakkonflikt halten. Ich weiß eine bessere Lösung. Leser, die französischen Wein auskippen wollen, können mir ungeöffnete Flaschen französischen Weins – am liebsten einen '86er Bordeaux – senden. Ich garantiere, dass diese Flaschen geleert werden.