Eine zombifizierte Wirtschaft in der Geriatrie
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 20. Januar 2012, 07:30 Uhr
ENL5454
Die große Hoffnung der Regierungen ist, dass sie eine Krise abwenden können - indem sie den Banken genug Cash zukommen lassen...welches diese dann nehmen, um damit Staatsanleihen zu kaufen.
Je länger der Zahltag herausgezögert werden kann, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Gläubiger den Weg aus den Problemen finden, indem sie "herauswachsen". Aber Schulden unterdrücken Wachstum. Wenn der Schuldenstand auf über 90% des BIP steigt, dann geht das Wachstum stark zurück.
Und selbst bevor die Schulden zum großen Problem wurden, hatte in der entwickelten Welt das Wachstum deutlich abgenommen. In Japan gab es in den letzten 20 Jahren fast gar kein reales Wachstum mehr. Und in den USA gab es im privaten Sektor in den letzten 10 Jahren kein reales Wachstum mehr. In Europa sieht es mehr oder weniger ähnlich aus. Und in Amerika waren all die glorreichen Technologien, der Kapitalismus, die Finanzindustrie unfähig, auch nur einen einzigen Cent Lohnerhöhung beim durchschnittlichen Arbeiter in den letzten 40 Jahren zu bringen.
Warum? Niemand weiß das sicher. Ich habe eine Hypothese: Zombifizierung.
Der Prozess des Rückgangs wurde von Professor Mansur Olson von der Universität Maryland beschrieben. Besondere Interessen und Lobbyisten schaffen es, das politische System zu beeinflussen, um selber Vorteile zu erhalten. Diese Vorteile und Privilegien kosten Geld und senken den Output. Die Wirtschaft wird Schritt für Schritt weniger dynamisch und weniger fähig, den Reichtum zu erhöhen. Ein anderer Professor - Meghnad Desai von der London School of Economics - sagt, dass der westliche Kapitalismus in der Geriatrie gelandet ist. "Dynamischer Kapitalismus mit seiner Energie, Innovation und der Gier nach Wachstum ist nach Osten gewandert", sagt er.
Eine zombifizierte Wirtschaft in der Geriatrie kann kein reales Wachstum produzieren...
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Siegfried (20.01. 2012 10:09 Uhr):
Sehr treffend für den erreichten (wirtschaftlichen) Zustand der Mehrheit den Begriff der Geriatrie (Altersbeschwerden) zu verwenden. Etwas geht tatsächlich dem Ende zu. Aber zu glauben, dass die Jugend im Osten und das Alter im Westen zu finden sein soll, finde ich trügerisch. Die ganze Welt schaut alt aus, die Hoffnung kann ich weder im Osten noch sonstwo auf der Erdoberfläche finden. Es wird schon eines tiefen Prozesses der Veränderung im Innern der Einzelmenschen bedürfen. Solche Menschen die sich wachrütteln lassen wollen werden wohl überall zu finden sein, aber auch solche welche sich mit allen Kräften dagegen sträuben werden (Zombies). Die Sträubenden werden vermutlich die Mehrheit bilden daher steht wirklich eine grosse Korrektur an. Da hat Bill Bonner recht. Lassen wir die grosse Korrektur ruhig kommen, diese dient der Reinigung mit der Vernichtung dessen was falsch ist. Und falsch ist vermutlich mehr wie wir heute erahnen können.
Antworten - Kommentar von Offenhäuser (20.01. 2012 10:29 Uhr):
soisses, der Artikel beschreibt den Kern des Problems. Es gibt zu viele Raubtiere und zuwenig Schafe. Das Gleichgewicht wird erst dann wieder eingestellt, wenn die Raubtiere verhungern.
Antworten - Kommentar von Dipl Ing Theobald (20.01. 2012 12:27 Uhr):
diese Themen sind seit langem bearbeitet, z.B. beim verstorbenen Freiher von Bethmann (den die FAZ immer verhöhnte), bei Paul C. Martin und Walter Lüftl, bei Heinsohn (Emeritus Uni Bremen).
Antworten - Kommentar von Manfred (20.01. 2012 19:55 Uhr):
Nicht die Volkswirtschaft wird zum Zombi,sondern höchstens der Autor. Jede kapitalistische Wirtschaftsordnung hat über kurz oder lang die Tendenz zu weniger Wachstum und Wertschöpfung. Erhöhte Produktivität führt besonders bei alternden Gesellschaften schnell zu einer Spirale=Weniger Beschäftigte= Niederigere Löhne und Lohnsumme= Geringere Kaufkraft=Weniger Umsatz, tendenziell sinkende Gewinne, aber Konzentrierung des Kapitals in wenigen Händen. Es lohnt sich nicht mehr in der realen Wirtschaft zu investieren .Folge= Zocken mit den bekannnten Folgen. Solange Lohndumping, Ausbeutung von Mensch und Natur zum kapitalistischen Ritual gehört und Wachstum als geheiligtes Allzweckmittel stilisiert wird, werden die Probleme bestehen bleiben. Grüsse Manfred
Antworten - Kommentar von Lutz Pansegrau (22.01. 2012 11:25 Uhr):
Verzeihen Sie meine Unwissenheit Herr Bonner: ich musste erst per Wkipedia heraus finden was Geriatrie bedeutet. Dabei fiel mir auf, der "moderne" Kapitalismus - heute als Marktwirtschaft bezeichnet und existiert nur noch im Zusammenhang mit der Finanzwirtschaft - besteht nun seit etwas über hundert Jahren. Die Alterskrankheiten, die enstehen werden, hat schon Karl Marx beschrieben. " ... sinkende Profitrate und Verwertungsbedürfnis bestimmen den grundsätzlich krisenhaften Charakter der kapitalistischen Produktionsweise, die in regelmäßigen Krisen des Kapitalismus ihren Ausdruck fänden." Nun, wir hatten schon einige Krisen; und die heutige wird nicht die letzte sein, wenn sich nicht grundsätzlich etwas ändert. Und weiter prophezeiht Kar Marx: "Der grenzenlose Ausdehnungsdrang des Kapitals, der die Bourgeoisie „über die ganze Erdkugel jagt“, sei letztlich nichts als eine verzweifelte Flucht nach vorn, um den der kapitalistischen Gesellschaft systematisch inhärenten Widersprüchen durch Eroberung neuer Märkte zu entkommen. Mit dem letztlich unausweichlichen Unerträglichwerden dieser Widersprüche schlage schließlich die weltgeschichtliche Stunde der sozialistischen Revolution durch das Proletariat. Das Kapital, so Marx und Engels im Manifest der Kommunistischen Partei (1848), produziere seine eigenen „Totengräber“. Also, werden wir bald einen Zusammenbruch erleben, der von Ihnen, Herr Bonner, als "Grosse Korrektur" bezeichnet wird. Genau wie wir Menschen und alles was lebt, wird ausgerottet und gegen neues Leben ersetzt. Wir haben auf unserer Erde viele Wissenschaftler und Ökonomen generiert, diese sind grösstenteil lediglich damit beschäftigt den Status Quo festzustellen ohne jedoch eine neue Idee zu entwickeln wie ein nachhaltigeres, ausgewogeneres Wirtschaftssytem aussehen könne. Vermutlich geht es denen immer noch zu gut. Verzeihen Sie mir wenn ich das was Wilhelm Busch in seinem Gedicht: "Zu gut gelebt" mit anfüge: ... ein fettes Huhn legt selten Eier. So ging es auch dem Dichter Meier, der auch nicht viel mehr dichten kann, seit er das grosse Los gewann". Lutz Pansegrau
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ENL5454
- Kommentar von Monetenmann (23.01. 2012 15:38 Uhr):
Was Mr. Bonner als Zombifizierung betitelt, nenne ich "Virtualisierung der Wirtschaft". Es wird real nichts mehr erwirtschaftet, also macht man es virtuell. Real gehen die Schuldner irgendwann aus, auch kein Problem, wir erschaffen einfach virtuelle. Gehen die realen Geschäfte aus, betätigt man virtuelle. Second Life lässt grüßen...
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