Eine Veränderung des Spektakels
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 15. Juni 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Geld bewegt die Welt. Und das ist der Grund, warum es so unterhaltsam ist, das Geld zu beobachten. Es ist so, als würde man die Three Stooges ansehen – von einem absurden Reinfall geht es zum nächsten.
Während die Wall Street das Geld neu verteilt, von den Novizen an die Profis – von den schwachen Händen in die starken Hände, wie die Profis selber sagen – trägt das korporative Amerika selbst seinen Anteil zu dieser Umverteilung bei, nimmt das Geld aus den schwachen Händen der Privatanleger und der Rentner und steckt es in die schwieligen Hände der elitären Insider.
“Die Zahlungen an die Geschäftsführer schießen in den Himmel“, heißt es in einer Schlagzeile der AP. Die Hälfte der obersten amerikanischen Geschäftsführer, die in den Firmen des S&P 500, verdienen mehr als 8,3 Millionen Dollar im Jahr, fügt der Artikel noch hinzu.
Ich freue mich natürlich absolut für die Geschäftsführer und die Geldmischer an der Wall Street, dass sie so viel Geld verdienen können wie sie wollen. Soweit es mich betrifft, ist das alles Teil eines öffentlichen Spektakels.
Aber ich möchte die Leser daran erinnern, dass sich diese Shows verändern. Manchmal sind es fröhliche Possenspiele, manchmal düstere Tragödien, manchmal sind die Investoren glücklich, wenn sie ihren Angestellten Millionen zahlen können, manchmal werden sie geizig und halten jeden Cent zurück, nur für den Fall, dass sie ihn selber brauchen können. Manchmal können sie gar nicht schnell genug jedes Angebot kaufen, dass die Wall Street ihnen zu bieten hat, dann wieder sitzen die armen Aktienmakler wartend vor schweigenden Telefonen.
Der Unterschied liegt in der Menge des Geldes. Wenn die Kredite expandieren, dann werden die Leute etwas leichtfertig damit. Sie geben Geld aus und leihen es ohne Rücksicht, und sie sind sich sicher, dass es immer noch mehr davon geben wird. Schon bald können die Leute ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen ... die Kreditgeber fangen an, sich Sorgen zu machen ... Verbraucher fahren ihre Ausgaben zurück ... Anleger brechen in Panik aus. Dann verändern sich das gesamte Spektakel. Kein leichfüßiger Steptanz mehr. Jetzt wollen die Zuschauer sehen, wie die stolzen Helden bestraft werden. Sie wollen sehen wie die Mächtigen gedemütigt und die Reichen gegrillt werden.
Woher weiß man, ob sich das Spiel gewandelt hat? Man beobachten den Anleihenmarkt. Anleihenerträge sind gestiegen. Das macht dem Immobilienmarkt die Erholung schwerer und gräbt ein Loch in die große Kreditblase. Bislang ist es nur ein kleines Loch. Aber das zischende Geräusch reicht vielleicht schon aus, um die Zentralbank davon abzuhalten, die Zinssätze anzuheben. Und wenn das Zischen lauter wird, dann könnte es das Ende für die größte Schau der Welt bedeuten.