Eine texanische Invasion
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 02. August 2005 18:00 Uhr
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"Wer weiß?" seufzte mein Freund John Mauldin vergangene Nacht.
John ist mit seiner gesamten Familie zu Besuch bei uns in Frankreich – mit allen neun. Die örtlichen Franzosen müssen das ganze für eine texanische Invasion halten. Sie wissen nicht, ob sie höflich lächeln sollen oder die Polizei rufen.
Wie haben uns über Zinssätze unterhalten, über China und über die Politik von Greenspan ... auch über Aktien, Schatzanleihen, Kinder, Gott und darüber, wie man in zehn Jahren seine Brötchen verdienen wird.
Der Unterschied zwischen jungen und alten Investoren ist der, dass die jüngeren wesentlich schlauer sind. Sie kennen die Antworten auf viele dieser Fragen. Ab einem Alter von fünfzig Jahren oder so wird der schlaue Mensch dumm. Was er mit Sicherheit weiß, ist, dass er nicht viel weiß.
"Wenn nicht bald irgendwas Großes passiert, dann wird China zur größten Wirtschaft der Welt", erklärte John, "das macht nicht besonders viel aus. Es tut den Dänen nicht weh, wenn sie nicht die größte Wirtschaft der Welt haben. Es wird auch uns nicht wehtun. Aber der Preis für Arbeit wird noch lange nach unten gedrückt werden."
Genau da liegt der Haken. Der Haken im Gesamtbild. Die meisten Amerikaner tun, was man ihnen sagt. Sie schuften und schleppen und mühen sich ab, ohne dass sie lange darüber nachdächten, was sie gerade tun. Das Problem ist, dass es 300 Millionen Chinesen und weitere 600 Millionen Asiaten gibt, die bereit und in der Lage sind, die gleiche Arbeit für ein Zehntel des Preises zu erledigen. Solange der Prozess der Globalisierung unvermindert andauert, können diese Amerikaner nicht mit Lohnerhöhungen rechnen. Und da sie so stark verschuldet sind, müssen sie wohl mit einem niedrigeren Lebensstandard rechnen – zumindest solange, bis sie ihre Bilanzbögen wieder ausgeglichen haben.
Nun, mögen Sie vielleicht sagen ... die Bilanzbögen sehen doch gar nicht so schlecht aus. Die Schulden sind hoch – aber nicht besonders hoch, wenn man das ganze mit dem Wert der Häuser vergleicht.
Aber wer so etwas wirklich sagt, ist ein Dummkopf. Die Schulden müssen aus dem Einkommen bedient werden – nicht aus der Inflation der Hauspreise. Man kann sein Haus nicht verkaufen, um die Hypothekenschulden zu begleichen. Denn wo wollen Sie wohnen, wenn Sie ihr Haus verkauft haben?
Die Welt profitiert von der Globalisierung. Auch die Amerikaner profitieren, aber das wird anders aussehen, wenn die Immobilienblase endet. Dann werden sie ihre Stellen verlieren ... sie werden keinen "Eigenanteil" mehr haben, den sie herausnehmen können. Die Lebensstandards werden sinken. Der Einbruch, auf den ich schon so lange gewartet habe, wird schließlich da sein. Und dann werden sich die Amerikaner fragen, ob sie wirklich noch bereit sind, die imperiale Belastung zu tragen – auf eigene Kosten der ganzen Welt Sicherheit und Frieden zu gewährleisten.
Wie soll das alles enden? Wann werden die Aktien zusammenbrechen? Wann wird sich die Immobilienblase in die Luft jagen? Werden die Anleihen steigen oder fallen? Wird China zusammenbrechen, bevor es erwachsen wird?