Eine neue Entlassungswelle an der Wall Street
unserem Korrespondenten Eric Fry an der Wall Street in Investors Daily
vom 25. September 2002 18:00 Uhr
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Das amerikanische Säbelrasseln gegen den Irak und die Reaktionen des irakischen Diktators stellen die Nerven der Investoren weiterhin auf eine harte Probe. Die irakische Regierung hat angekündigt, dass sie eine neue UN-Resolution nicht akzeptieren würde, was Präsident Bush zu einer neuen PR-Kampagne gegen den Irak veranlasste. Die Aussicht auf einen bevorstehenden Militärschlag ließen sowohl Dow als auch Nasdaq-Composite weiter abstürzen. Das bescherte uns beim Nasdaq ein brandneues 6-Jahres-Tief!
Aber der Nasdaq-Composite war nicht der einzige auf Tiefststand. Am Anleihenmarkt fiel die Rendite der 10jährigen amerikanischen T-Bonds auf ein 4-Jahrzehnte-Tief von 3,69 %! Der Preis für Rohöl ist hingegen auf ein neues 19-Monats-Hoch gestiegen.
Es wird derzeit viel über alle möglichen Spekulationsblasen gesprochen. Aber kaum über die Möglichkeit einer Spekulationsblase am Anleihenmarkt. Aber der Anleihenmarkt hat sicherlich einige Qualitäten, die für Spekulationsblasen charakteristisch sind. Die erste: Der Preis ist egal. Die Investoren kaufen Anleihen, weil sie "sicher" sind. Das stimmt natürlich. Wenn Sie heute einen T-Bond mit Nominalwert 1000 Dollar kaufen, werden Sie am Ende der Laufzeit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch 1000 Dollar erhalten. Aber das bedeutet nicht, dass die 1000 Dollar in 2012 genau so viele Starbucks-Kaffees wie heute kaufen können.
Es ist möglich, dass der Dollar in 10 Jahren sehr viel weniger Güter als heute einkaufen kann. Und eine jährliche Rendite von 3,69 % ist ein recht magerer Ausgleich für die Tatsache, dass Sie Ihr Geld für 10 Jahre der weltgrößten Schuldnernation überlassen – einer Nation, die auch das weltweit größte Handelsbilanzdefizit vorzuweisen hat.
"Vom Sentiment (Marktstimmung) her sieht es so aus, als ob der Bondmarkt ein schönes Top hinlegen wird," so Kevin Duffy. Er sagt dass die positive Stimmung derzeit ein extremes Niveau erreicht hat. Dies könnte – als Contra-Indikator betrachtet – darauf hindeuten, dass wir bald den Wendepunkt erreicht haben werden. Duffy wundert sich: "Haben wir das Top erreicht, weil wir in eine neue Phase der Inflation eintreten werden, mit steigenden Goldpreisen?" Wir Bären denken nach und warten ab.
Die letzten US-Wirtschaftsdaten waren nicht gerade gut. Der Index der führenden Indikatoren (LEI) fiel im August um 0,2 %, das ist der dritte Rückgang in Folge (Juli: –0,1 %, Juni: –0,2 %). 7 der 10 im Gesamtindex enthaltenen Indikatoren fielen im August, was darauf hinweist, dass sich der Abschwung weiter ausbreitet ... und er breitet sich auch an der Wall Street aus.
Nicht nur bei den Aktienkursen, sondern ganz konkret ... denn auch an der Wall Street werden Stellen gestrichen. Ein Freund von mir hat letztens seinen Job in der Finanzbranche verloren und sagte mir gestern, "dass es diese Jobs einfach nicht mehr geben würde". Noch schlimmer ... einige Jobs, die es heute noch gibt, wird es nächsten Monat nicht mehr geben. "Der Traum, früh in den Ruhestand gehen zu können, ist letzte Woche für viele vorerst geplatzt", schreibt die Financial Times, "nachdem eine ganze Reihe von Investmentbanken weitere Entlassungen angekündigt hat." Zum Beispiel Goldman Sachs ... die in den nächsten Wochen eine ganze Reihe von Entlassungen aussprechen werden.
"Das oberste Management von Goldman Sachs hat die einzelnen Abteilungen schon beauftragt, Listen mit den zu entlassenden Mitarbeitern zu erstellen", berichtet die NY Post.
Das sind die neuesten angekündigten Entlassungen. Vor kurzem hat Morgan Stanley schon 200 Mitarbeiter entlassen, Dresdner Kleinwort Wasserstein feuerte ungefähr 500 Angestellte. Das offensichtliche Problem: Das Geschäft existiert teilweise einfach nicht mehr. Die Zahl der Übernahmen und Zusammenschlüsse hat seit letztem Jahr um 30 % abgenommen.
Die Entlassungen bei Goldman Sachs sollen sich auf die Top-Manager konzentrieren, die am meisten verdienen. In guten Jahren kommen Managing Directors locker auf 1 Million Dollar pro Jahr. Einige erhielten sogar Pakete im Gesamtwert von 5 bis 10 Millionen pro Jahr.
Es ist natürlich fraglich, ob diese Banker solche Beträge jemals wert waren. Aber darum geht es jetzt nicht mehr. Was passiert jetzt? Was macht ein arbeitsloser Investmentbanker während eines Bärenmarktes? Arbeitet er als Verkäufer von Herrenbekleidung? Es ist schwer zu sagen, auf welche Stellen er sich mit einem Lebenslauf bewerben kann, in dem Folgendes steht: "Gezeigtes Talent für das Geben von ungerechtfertigten Kaufempfehlungen und andere halblegale Praktiken."