Eine neue Ära für die US-Verbraucherwirtschaft
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 11. August 2006 07:30 Uhr
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„Die Zinsentscheidungen der Fed sind, wenn die Wirtschaft schwächer wird, vermutlich nicht mehr in der Lage, die amerikanischen Aktien nach oben zu treiben,“, lautete Mitte der Woche eine informationsbeladene Schlagzeile von Bloomberg.
Die Finanzmedien denken, dass sie etwas herausgefunden haben. Die Fed hat die Zinsen am Dienstag tatsächlich nicht angehoben. Und die Investoren, die das Ende der Zinsanhebungen schon aufgegeben hatten, werden ihre Aktien nach dieser Nachricht verkaufen.
Jede Ära bringt ihr eigenes unnachahmliches Theater hervor – inklusive der eigenen Helden, Stars und Bösewichte. Noch in den 1980ern betrachtete die Finanzwelt die Zahlen der Geldmenge M3 zu Unterhaltungszwecken. Immer wenn die neuen Zahlen die Bühne betraten, hat die Zuschauerschaft gestöhnt und gebuht, wenn sie hoch waren oder applaudiert, wenn sie niedrig waren. Jeder wusste, dass die Geldmenge den Schlüssel zur Inflation lieferte. Und jeder wusste, dass die Kontrolle der Inflation der Schlüssel zum Aktienmarkt und zur Wirtschaft war.
Heute haben wir ein neues Zeitalter und die alte Geldmenge M3 ist so sehr ein Idol von gestern, dass sie heute aus den Finanznachrichten vollständig verschwunden ist. Die Fed gibt noch nicht einmal mehr die aktuellen Zahlen bekannt... und wer klatscht oder buht heute noch?
Auf diese Weise hat Mister Alan Greenspan die Rolle des amerikanischen Zentralbankers verändert – ursprünglich ein Komparse der internationalen Finanzszene – ist er heute eine Sternenformation... etwas nach Art von Britney Spears Schauspieltalent gekreuzt mit Brad Pitts Fähigkeiten als Herzchirurg. Diese Mischung wird sich natürlich als tödlich für die Wirtschaft erweisen.
Deswegen hat Ben Bernanke, ehemaliger Häuptling der Wirtschaftsfakultät der Universität Princeton, die Zügel übernommen. Die Welt hat sich ihm zugewandt, als wäre er eine Mischung aus Hieronymus und dem Agenten 007... Ein Mann von dem das Schicksal der Welt abhängt.
Seine aktuelle Herausforderung ist die, die ich schon oft genug auf diesen Seiten beschrieben habe. Der Verbraucher scheint nun schließlich doch erschöpft zu sein. Ms Clinton berichtet, dass der amerikanische Verbraucher nicht mehr härter arbeiten kann und auch keine weiteren Kredite mehr aufnehmen kann. Seine Kaufkraft wird untergraben – wirtschaftlich ausgedrückt – sowohl strukturell als auch zyklisch.
Strukturell steht er zwei Milliarden Asiaten gegenüber, die in den internationalen Pool der Arbeit gesprungen sind und sich zu sehr freuen würden, wenn sie nur ein Zehntel von dem verdienten, was ein durchschnittlicher amerikanischer Arbeitnehmer verdient. Zyklisch betrachtet der Verbraucher seine eigenen Kontoauszüge, die in roter Farbe getränkt sind. Über Jahre von Alan „Blase“ Greenspan angestachelt, haben sich ganze Horden von Verbrauchern die schlechte Angewohnheit angeeignet, die Schuldenseite des Hebels für verfügbares Geld stärker hinabzudrücken. Heute schulden die unglückseligen Verbraucher mehr Leuten Geld, als irgendeine Gesellschaft vor ihnen. Bei den steil ansteigenden Sprit-, Wohn-, Bildungs- und Gesundheitsrechnungen, durchwühlen sie heute ihre Taschen, nur um festzustellen, dass sie nichts mehr zum Ausgeben haben.
Selbst ein Wirtschaftler aus der Liga des Mr. Bernanke kann zwei und zwei zusammenzählen. Und die amerikanische Wirtschaft besteht zu fast 70% aus Verbraucherausgaben. Wenn die Verbraucher das Geld nicht mehr in der gewohnten Weise ausgeben können, dann führt das zu einem Konjunkturrückgang... einem Einbruch... oder sogar zu einer wirklichen Rezession. So einfach ist das.
Und die gleichen Preissteigerungen, die heute das verfügbare Geld des durchschnittlichen Amerikaners beschneiden, beschneiden auch die Möglichkeiten, die Mr. Bernanke als oberster Banker heute noch bleiben.
Ein Zentralbanker ist immer noch eher ein Zauberer als ein Jongleur oder ein Schwertschlucker. Sein Geschäft ist genauso herausgeputzt wie ihre, aber er braucht mehr Fingerfertigkeit. Wenn er das Geld in die Wirtschaft pustet wie Konfetti, dann bringt er die Wirtschaft dazu, dass sie denkt sie sei reicher als sie wirklich ist. Die Verkaufszahlen steigen, die Investitionen steigen und die Wirtschaft boomt. Aber irgendwann, so sagte Milton Friedman voraus, wird das zusätzliche Geld die Preise nach oben treiben und die Leute begreifen, dass sie sich haben täuschen lassen. Angeglichen an die Inflation stehen sie keinen Deut besser da als zuvor. Sie hören daraufhin auf zu investieren. Die Banker stecken die Arme ein letztes Mal in den Hut, um das letzte Kaninchen hervorzuziehen und kommen mit leeren Händen wieder daraus hervor.
Eine einbrechende Wirtschaft mit steigenden Preisen, besser unter dem Namen „Stagflation“ bekannt, ist das, was man bekommt, nachdem die leichten Kredite ihren Zauber verloren haben.
Was kann ein armer Zentralbanker dagegen tun? Er braucht eine weitere Hand, aber ein Banker mit drei Händen lässt immer noch auf sich warten. Währenddessen nutzt Ben Bernanke die eine Hand, um die Zinssätze anzuheben und die Inflation zu bekämpfen, oder um sie zu senken und die Stagflation zu bekämpfen.
Beides zugleich kann er nicht.