Eine Metapher hat mehr Wahrheit als ein Faktum
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 01. September 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Was gibt es heute zu Sagen? Ist am Wochenende etwas passiert? Wird morgen etwas passieren? Passiert überhaupt irgendetwas?
Ja – das tut es, liebe(r) Leser(in). Aber die Ereignisse selbst bedeuten nichts. Es ist die Interpretation dieser Ereignisse, die zählt; die Interpretation ist es, die den Ereignissen die Bedeutung und die Prognosekraft gibt. Eine Metapher hat mehr Wahrheit als ein Faktum, so Norman Mailer.
In der Freitagsausgabe des Figaro habe ich Fakten gelesen: "Das Wachstum ist zur amerikanischen Wirtschaft zurückgekehrt." Die Zahlentrickser im US-Wirtschaftsministerium haben die Zahlen für das zweite Quartal so noch oben gedrückt, dass ein aufs Jahr hochgerechneter Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt von 3,1 % herauskam. War das der Beginn eines neuen Booms ... oder das Ende eines alten? Bedeutet das, dass wir reicher werden als je zuvor?
Nun, wahrscheinlich nicht. Die Zahlen zum amerikanischen Bruttoinlandsprodukt sind fehlerhaft und irreführend. Fast die Hälfte des Wachstums war den Militärausgaben zu verdanken, die noch niemals jemanden reicher gemacht haben, außer vielleicht die Besitzer von Rüstungsfirmen und politische Insider. Und der Rest des Wachstums ist eine Kombination von Computerzahlen und des heroischen Versuchs eines Teils der Konsumenten, sich selbst zu ruinieren. Die Hausbesitzer haben ihre bestehenden Hypotheken zu den niedrigsten Zinsen seit 30 Jahren erhöht, um dieses Geld für importierte Waren ausgeben zu können. So haben z.B. die Autoverkäufe neue Rekorde erreicht ... und diese Rekorde werden weiterhin gebrochen. Diesen Monat haben die Autoverkäufe ein neues episches Hoch erreicht. Jetzt gibt es in den USA mehr Autos als Leute mit Führerschein. Und der Anteil der Hypothekenschulden am Bruttoinlandsprodukt ist von 35 % im Jahr 1980 auf fast 60 % heute gestiegen ... und die Konsumenten gehen so schnell pleite wie nie zuvor.
Die Zahlen zum zweiten Quartal sehen für mich so aus, als ob die Konsumenten ihren "letzten Atemzug" tun – und die Zahlen sehen für mich weniger nach einer echten Erholung aus. Seit Juni sind die Hypothekenzinsen wieder gestiegen, was einen kleinen Boom bei den Hausverkäufen provoziert hat – da jetzt noch jeder schnell ein Haus kaufen will, bevor die Zinsen weiter steigen. Aber die Zahl der Anträge auf Erhöhung bestehender Hypotheken ist eingebrochen. Vorletzte Woche gab es bei diesen Anträgen wieder einen deutlichen Rückgang, von 13,7 %. Damit stehen sie 65 % unter dem Niveau des 2. Quartals ... und 78 % unter dem Topp-Wert.
"Die Erhöhung bestehender Hypotheken ist vorbei", so das Atlanta Journal-Constitution.
Ohne neue Kredite – was wird da als nächstes passieren? "Es wird aus der aktuellen Rezession keine saubere Erholung geben", so das Levy Institute.
Mehr dazu, was demnächst passieren wird, weiter unten ...
Jetzt aber zunächst mein Kollege Addison mit mehr News: