Eine kurzfristige Erholung oder ein Bullenmarkt
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 5. Januar 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Die meisten von uns würden sagen, dass es ein ziemlich scheußliches Jahr war, zumindest, soweit aus den Weihnachtsbriefen hervorgeht. Keines meiner Kinder hat es nach Harvard geschafft. Keine ihrer Mannschaften hat es beim Fußball in die Regionalmeisterschaften geschafft. Keiner von ihnen ist nach Neuguinea gereist um dort den Bergvölkern dabei zu helfen, die Kindersterblichkeit zu senken.
Und auch nach meinem Erfolg mit dem Trade des Jahrzehnts habe ich nicht den Nobelpreis für Wirtschaft gewonnen. Ich habe noch nicht einmal eine höfliche Anerkennung bekommen. Stattdessen: Nichts, Nada, Pustekuchen. Kein Wort. Vermutlich ist all das in der Post verlorengegangen.
Doch wir wollen zurückblicken und uns fragen, an welcher Stelle es im Jahr 2009 schief gelaufen ist.
Sie werden sich sicher noch erinnern, dass der Start in das Jahr hart war. Zumindest würde ich es so nennen. Die Wall Street ist eingebrochen. Die Aktienpreise halbierten sich. Und die größten und erfolgreichsten Unternehmen an der Wall Street haben Pleite gemacht, Hilfe vom Staat bekommen oder haben mit anderen Bankengruppen fusioniert, teilweise unter Eheschlussbedingungen, bei denen ihnen die Pistole an den Kopf gehalten wurde.
Nicht eines der Unternehmen, nicht einmal Goldman, stand am Ende noch so da wie zuvor. Goldman hat so getan, als sei man ein Überlebender, aber wir wissen noch nicht, was passiert wäre, wenn die Regierungsvertreter - unter der Führung des einstigen Vorsitzenden Hank Paulson - AIG nicht freigekauft hätte. Der Versicherungsriese war einer von Goldmans wichtigsten Geschäftspartnern.
Der Welthandel ist zusammen mit der Wall Street eingebrochen. Anstatt an den Containerhäfen vor Long Beach Schlange zu stehen, blieben die Schiffe nun untätig in den Häfen liegen und warteten darauf, dass jemand irgendetwas würde irgendwohin schicken wollen. Das wollten nur noch wenige. Warum sollte man sich auch die Mühe machen? Wenn es dort ankommen würde, würde es niemanden geben, der es kaufen wollen würde.
Die amerikanischen Verbraucher - die Käufer des letzten Auswegs - haben den Betrieb eingestellt. Sie konnten nichts mehr ausgeben, weil sie kein Geld mehr hatten. Und sie konnten kein Geld verdienen und auch kein Geld leihen. Sie konnten kein Geld mehr verdienen, weil sie ihren Arbeitsplatz verloren haben. Sie konnten kein Geld mehr leihen, weil die Hauspreise eingebrochen sind.
Damit saß die gesamte Wirtschaft in der Klemme. Mindestens 50 Jahre lang, waren die amerikanischen Verbraucher der kleine Motor, der immer noch konnte. Die amerikanische Wirtschaft ist gewachsen, weil der amerikanische Verbraucher konsumierte und immer mehr konsumierte. Die Weltwirtschaft wuchs, weil die Menschen im Ausland in der Lage waren, immer größere Mengen von Zeug an den amerikanischen Markt zu verkaufen.
Wenn man nur noch mit Kredit über die Runden kommt
Zuerst haben die Verbraucher mit richtigem Bargeld eingekauft. Aber dann sind die Gehälter in den Siebzigern nicht mehr weiter gestiegen und sie haben auf Kredite umgesattelt. Und als die ersten Jahre dieses Jahrhunderts kamen, waren sie so von Krediten abhängig, nur um das Ende des Monats zu erreichen.
Doch die gesamte Verbraucherkreditblase ist irgendwann in den Jahren 2007 bis 2008 in die Luft gegangen und ab 2009 waren die Leute in Panik. Das gab den Regierungsvertretern Deckung. Vor dem Hintergrund eines drohenden Notfalls waren sie in der Lage, faule Kredite der Wall Street im Wert von hunderten von Milliarden von Dollar an die Steuerzahler weiterzureichen... und seine Belastung noch weiter mit trügerischen Konjunkturprogrammen im Wert von Milliarden zu erhöhen.
Die geschätzten Leser wissen natürlich, dass das die Situation selbst nur noch schlimmer werden lässt. Um Geld auszugeben, mussten die Regierungsvertreter das Geld leihen. Sie haben das Geld nicht nur aus der Realwirtschaft gezogen - Geld das gebraucht wird, um sich neu auszustatten - sie haben die notwendigen Veränderungen selbst auch verzögert. Anstatt es den hirntoten Unternehmen zu erlauben, Konkurs zu machen, werden sie künstlich am Leben gehalten - mit dem Geld der Steuerzahler - sodass neue Unternehmen ihren Platz nicht einnehmen können.
Aus Sicht der Banker war die Rettung durch die Bundesregierung ein großer Erfolg. Sie waren in der Lage das Geld fast ohne Kosten zu bekommen, ihre Fehlinvestitionen abzuladen und in alle Richtungen große Boni zu verteilen (Talente wie diese wird niemand verlieren wollen) und dann wieder das zu tun, was sie auf so fatale Weise zuvor getan haben.
Und mit Sicherheit haben die Banken, nachdem die Regierungsvertreter so viel heiße Luft in ihre Segel geblasen haben, auch Geld verdient. Danach waren sie in der Lage, das Geld an die Regierung zurückzuzahlen. Die Anleger, die die Aktien der Banken gekauft haben, haben auch einen Gewinn gemacht.
Nachdem das erste Quartal vorbei war, war das Jahr 2009 ein gutes Jahr für fast alle Anleger. Man konnte Dollarscheine in alle Richtungen werfen, die Wahrscheinlichkeit, dass man dabei Geld gemacht hat, war hoch. Der Dollar ist eingebrochen. Alles andere ist nach oben geklettert.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Hedda Phonphai (05.01. 2010 11:55 Uhr):
Lieber Herr Bonner. Mir wundert es auch, dass die Aktienhausse so lange anhalten kann. Ich habe in April schon mit einem Absturz gerechnet, aber wurde bitter ein besseren belehrt, ich habe viel zu früh meine günstig erstandene Aktien verkauft. Ich konnte mich nicht vorstellen, dass ein Wirtschaft, die auf Verbrauch von Konsumgüter aufgebaut ist, bestehen kann. Einzige was ich mich jetzt vorstellen kann sind 2 Szenarios. 1. Die Fed und die Banken haben masslos übertrieben um kleinanleger zu Verkauf zu animieren, und dann selber traden und sie hatten mehr cash als Sie zugeben wolten 2. Möglichkeit. Sie haben die Regierungsgelder konsequent in Aktien investiert, die ja unverschämt günstig waren, aus den angstfaktor heraus, und haben sich geweigert das von der Regierung beigesteuertes Geld zu verleiehn bis Sie Ihre Haushaltskasse am aktienmarkt aufgessert hatten. Am ehesten ist wohl eine kombination von beiden denkbar, ziemlich "vertauensweckend" Vielleicht ist USA nicht so Pleite wie sie die welt glauben lassen will. Wer kann das kontrollieren?? MdbG Hedda Phonphai
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