Eine kurzfristige Erholung an den Immobilienmärkten?
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 6. Oktober 2009, 07:30 Uhr
ENL5454
Auch die Immobilien zeigen eine kurzfristige Erholung...
Es passiert nicht viel. Der Dow fällt ein wenig. Die Nachrichten haben diese Trendwende auf die überraschend geringen Zahlen für die Zuversicht der Verbraucher zurückgeführt. Offenkundig sind sich die Verbraucher doch nicht so sicher, dass die Krise vorbei ist. Sie sparen ihr Geld... vielleicht sogar mit einer Sparrate von 8%.
Öl hat sich auch wenig bewegt. Das gleiche gilt für Gold.
Das Wall Street Journal hat berichtet, dass die Märkte auf die "durchwachsenen Zahlen" reagieren würden.
Das soll heißen, dass einige Berichte ermutigend waren. Andere nicht. Es war so, als würde ein Wirtschaftsprognostiker Schneesturm melden und ein anderer strahlendes Sommerwetter und warme Temperaturen. Die Anleger wussten nicht, wie sie sich anziehen sollten.
Unter den dunklen Wolken fand sich ein Beitrag über den Rückgang der Steuereinnahmen. Die Staaten haben es schwer, die Bücher auszugleichen, weil ihre Steuereinnahmen zurückgehen. Das Wall Street Journal berichtet, dass sie um 17% unter den Einnahmen aus dem vergangenen Jahr liegen. Da die Staaten kein Geld drucken können, sind sie gezwungen, sich einzuschränken - normalerweise reduzieren sie die Zahl der Stunden, die die Angestellten arbeiten und die Gesamtzahl der Angestellten. Das ist schlecht, heißt es in dem Bericht, weil es die Arbeitslosigkeit steigen lässt und die Lohnbasis senkt, was zu geringeren Verbraucherausgaben führt.
Eine weitere kleine Wolke ist in der vergangenen Woche am Himmel aufgetaucht (zusätzlich zu den Zahlen über die Zuversicht der Verbraucher): Der Markt für die Teilzeitnutzung von Ferienimmobilien sinkt in einem Rekordmaß.
Machen Sie sich diesbezüglich keine Sorgen. Ich habe jemanden gefunden, der mir die Sache mit der Teilzeitnutzung erklärt hat.
Was man ihnen verkauft, das ist ein Traum. Man bringt sie zum Grundstück. Man stellt sicher, dass es ihnen gut geht. Und dann rechnet man mit ihnen. Man zeigt ihnen, wie viel sie sparen, wenn sie auf das eigene Anwesen kommen, anstatt einen typischen Urlaub zu machen. Und dann zeigt man ihnen die anderen Gebäude, die sie tauschen können. Sie denken, dass sie eine billige Immobilie kaufen können und diese gegen ein teures Teilzeitnutzungsrecht tauschen können. Aber so funktioniert es nicht. Sie bleiben auf der billigen Einheit sitzen und der Traum wird ein wenig blasser. Und dann kommen sie nicht mehr... und dann versuchen sie die Teilnutzungsimmobilie zu verkaufen. Es handelt sich dabei nur selten um eine gute Wertanlage."
Abgesehen davon sind diese Immobilien nur ein kleiner, ausgefallener Teil des Gesamtbildes bei den Immobilien. Die wahre Geschichte spielt im regulären Immobilienmarkt. Hier gibt es, wenn man den Meteorologen der Wirtschaft glauben darf, sonniges Wetter.
Die Hauspreise scheinen sich zu stabilisieren. In einigen Gegenden steigen sie sogar. Sicher, in manchen Gegenden bekommt man für sein Haus gerade noch die Hälfte dessen, was man vor zwei Jahren dafür bezahlt hat. Das lockt die Käufer zurück an den Markt. Sie denken, dass sie dadurch reicher werden.
Wetterwechsel
Sie werden vermutlich enttäuscht werden. Sie tauchen mit ihren Sonnenschirmen und mit der Sonnenmilch am Strand auf... genau zu dem Zeitpunkt, an dem die Winterstürme die Küste erreichen.
Forbes nennt acht Gründe, warum man sich wegen der Immobilien auch weiterhin Sorgen machen sollte."
Die Steuervergünstigungen der Regierung, die 8.000 Dollar wert sind, werden Ende November auslaufen. Das wird dazu führen, dass der Kauf eines Hauses für Erstkäufer um 8.000 Dollar teurer werden wird.
Die Zentralbank beendet dann auch ihre Einkaufstour im Wert von 1,45 Billionen Dollar. Sie hat den Immobiliensektor unterstützt, indem sie die hypothekarisch gesicherten Derivate gekauft hat. Was wird passieren, wenn sie damit wieder aufhören wird?
Die Standards für Hypothekenkredite werden immer straffer.
Die Immobilien sind immer noch nicht günstig. Forbes zitiert die Zahlen von Shiller, die den durchschnittlichen Hauspreis immer noch bei 40% oberhalb der Preise von 2000 sehen. Die Einkommen sind während dieser Phase nicht gestiegen. Daraus folgt, dass die Häuser immer noch zu teuer sind.
Es gibt eine geschädigte Psycholgie. Es wird seine Zeit brauchen, ehe die möglichen Hausbesitzer über den Schock des Bärenmarktes hinwegkommen.
Das Ende des Sommers ist da. Die Hausverkäufe steigen im Sommer immer. Die Leute ziehen im Sommer um, wenn die Schule endet. Und mit den Blättern fallen auch die Hauspreise im Herbst.
Es gibt immer noch eine gewaltige Zahl von Häusern, die zwangsvollstreckt werden. Forbes schreibt, dass nur 12% der Hypotheken mit anpassbaren Zinssätzen bereits angepasst sind. Weitere Zwangsvollstreckungen werden die Zahl der verzweifelten Verkäufer steigen lassen und die Preise fallen.
Es gibt einen Schattenbestand", der über dem Immobilienmarkt hängt, und der könnte gewaltig sein. Jeder wusste, dass es schwer werden würde, im Jahr 2009 sein Haus zu verkaufen. Viele mögliche Käufer hielten sich zurück und warteten darauf, dass sich der Markt wieder stabilisieren würde. Wenn sie ihre Häuser zum Verkauf anbieten, dann wird auch das die Preise unten halten.
Einige Besserwisser unter den Wirtschaftswissenschaftlern sind vermutlich schon hinter die acht Gründe gekommen, warum die Immobilienpreise steigen müssen. Entscheidend ist nur, sich daran zu erinnern, dass wir uns in einer Krise befinden... einer gewaltigen Umstrukturierung der Wirtschaft - und nicht in einer der üblichen Rezessionen, so wie wir sie seit dem Zweiten Weltkrieg hatten. Nach 64 Jahren hat der Verbraucher nun endlich die Grenze erreicht. Er kann nicht noch mehr Geld leihen. Er kann nicht noch mehr Geld ausgeben. Er muss sich nun endlich einschränken. Diese Tatsache wird ihren Wiederhall in der gesamten Weltwirtschaft finden... und auch im amerikanischen Immobilienmarkt zu hören sein... viele Jahre lang.
Sehr zuversichtlich... dass es schlecht ausgehen wird
Die Hauspreise könnten, genauso wie die Aktien, eine kurzfristige Erholung erleben. Aber sie werden über eine lange Zeit nicht wieder zu Bullenmärkten werden.
Mein alter Freund Marc Faber ist sehr zuversichtlich" dass sich die Sache zum Schlechteren wenden wird.
Die Zukunft wird eine absolute Katastrophe werden, mit dem Zusammenbruch der kapitalistischen Systeme der Welt, so wie wir sie bislang kennen. Es wird Kriege geben, Regierungen werden nicht mehr in der Lage sein, ihre Schulden zu zahlen und große Bereiche der westlichen Gesellschaft werden verarmen", schreibt er.
Wir haben bei der Zentralbank einen Gelddrucker", fährt er fort, der sicherstellen wird, dass es zu einer ausufernden Inflation und zu einer Entwertung des Dollars auf ganzer Linie kommen wird. Das bedeutet für die meisten Amerikaner einen geringeren Lebensstandard und auch für die meisten Europäer."
Gleichzeitig sagt Paul Volcker, dass Chinas Aufstieg nicht mehr ist, als die Unterstreichung des relativen Niedergangs der Vereinigten Staaten."
Da haben wir es wieder: China ist auf dem Weg nach oben, Amerika ist auf dem Weg nach unten.
Das ist das Drama, das ich hier jeden Tag beobachten kann. Meiner Ansicht nach, war Amerika vermutlich in der Phase zwischen dem Fall der Berliner Mauer und dem Untergang der Lehman Bros. auf dem Gipfel von Wohlstand und Macht. Aber ehe die Leute wirklich wissen werden, was los ist, wird noch viel passieren müssen.