Eine Krise der Meinungen zum Kapitalismus
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 9. Februar 2012, 07:30 Uhr
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Die Financial Times hat ihre Serie "Kapitalismus in der Krise" erheblich länger fortgesetzt, als ich es erwartet hätte. Eigentlich länger als es angemessen gewesen wäre. Die Krise wird vorbei sein, bevor die Serie endet. Jede der in Davos auf der Liste stehenden Persönlichkeiten, welche zu diesem Thema einen Beitrag verfasst hat, redet im Grunde ihr eigenes Handeln schön.
Die Politiker teilen mit, dass sie das verbessern können, was mit dem Kapitalismus nicht stimmt. Die Regulierer wollen mehr Regulierungen; die Gutmenschen fordern dazu auf, mehr auf gute Taten zu setzen. Die Wirtschaftswissenschaftler haben ihre wirtschaftlichen Lösungen. Die Unternehmen setzen ihr Vertrauen in das "can-do".
Bill Clinton war ein scharfer Politiker. Jetzt - gemessen an seinen Kommentaren in der Financial Times - hat er sich von einem "elder statesman" zu der Form von Senilität bewegt, welche alternde Weltverbesserer beeinflusst. Versuchen Sie zum Beispiel zu verstehen, was er damit meint:
"Regierungen, Unternehmen und NGOs (können) zusammenarbeiten, um Wissen zu teilen und dauerhafte Lösungen zu implementieren..."
"Was wir benötigen, ist Innovation, Vorstellungskraft und Hingabe. Die effektivsten Weltbürger werden die sein, welche Erfolg darin haben werden, ihre Unternehmen und philanthropischen Missionen zu verbinden, um eine Zukunft gemeinsamen Reichtums und gemeinsamer Verantwortung zu schaffen."
Das sind Worte, die von einem Roboter ohne Verstand geschrieben worden sein können...oder von Thomas Friedman. Die Worte sind leer; zumindest sind sie nicht dumm. Aber es gab auch viele dumme Worte in dieser Serie der Financial Times. Ein Vertreter von "Occupy London" schrieb, dass Friedrich Hayek uns geholfen habe, die Fehler des Kapitalismus zu finden.
Hayek betonte, dass eine Marktwirtschaft mit verteiltem Wissen für das Treffen von Entscheidungen erheblich besser sei als zentralisierte Information und Planung in einer staatlich gelenkten Planwirtschaft. Aber der Schreiber von "Occupy London" verfehlte das Thema komplett. Er zitierte Hayek und ging dann weiter, um genau die Sorte von staatlichen Eingriffen vorzuschlagen, vor denen Hayek gewarnt hatte.
Einige Schreiber schienen überhaupt nichts zu sagen zu haben. Andere schienen nichts über Kapitalismus zu sagen zu haben; es war so, als ob sie darüber nicht nachgedacht hätten. Und bei wieder anderen konnte ich gar nicht verstehen, was sie meinten.
Zusammengenommen war diese Serie eine große Enttäuschung. Der Kapitalismus hat keine wirklichen Freunde und keine wirklichen Verteidiger, zumindest nicht in der Financial Times.
Deshalb muss ich diese Aufgabe übernehmen. Gerade arbeite ich an einem "Kapitalistischen Manifest".
Zum zweiten Teil von: Die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Michael Gebert (09.02. 2012 08:56 Uhr):
Bravo, bravissimo! Was wir hier haben, ist gar kein Kapitalismus, vielleicht Interventionismus oder Subventionismus. Die zwei wichtigsten Funktionselement des Kapitalismus, das Geld und sein Preis, sind durch die sozialistischen Elemente "Staatsmonopol" (aufs Geld) und zentralplanwirtschaftliches Zinsdiktat der Notenbanken okkupiert. Und genau hier liegt die Wurzel des Übels. Wenn man auf dem Highgate-Friedhof in London ganz leise ist, kann man Karl Marx im Grabe lachen hören.
Antworten - Kommentar von J Clauss (09.02. 2012 09:52 Uhr):
Hallo.... ich weiß gar nicht, was da immer für ein Gezeter gemacht wird!! "Wirtschaft" bedeutet wirtschaften. Und DER ist es egal, WIE sie genannt wird, Hauptsache sie funktioniert!!! Und "funktionieren" bedeutet.. Ein bisschen hiervon und ein wenig davon und noch ne Priese dies und das.. Betrachte man doch mal das gesamte System als einen Ereigniskreis.. Mache einmal in Nord-Süd Richtung eine Halbierung und einmal in Ost-West Richtung.. Dann weise man der oberen Hälfte einen gewinnbringenden Status zu und der unteren Hälfte einen "Notwendigkeits-Status (Dinge die auf JEDEN Fall geregelt sein müssen) Des weiteren teile man in eine linke und rechte Wertung.. wie Fairnis und Gerechtigkeit auf der einen Seite, sowie Spaß am Geld verdienen und nutzbringendem Gewinn andererseits. Somit sind schon mal die 4 wesentlichen Kriterien benannt! 1. die "diktatorische" Komponente (lebenswichtiger Systemerhalt der überlebenswichtigen Funktionen) 2. die finanzielle Komponente (ein System muss auch "bezahlbar" sein) 3. die soziale Komponente (das System will aus "eigenem Antrieb" erhalten werden) 4. die "religiöse" Komponente (das System schenkt jedem Menschen darin gewisses Vertrauen, das die "Macher" ihre Jobs auch ernst nehmen und "entsprechend "gute" (Systemkonforme) Arbeit ab liefern. Einem Staat, dem man nicht wirklich vertraut, wird auf Dauer NIE überleben können! Und jetzt kann man mal schon abschätzen, WIE die jeweiligen Prioritäten und Wichtigkeiten jeweils verteilt sein müssen, um zu einem wohl funktionierenden Gleichgewicht zu finden... Nun wird auch hoffentlich klar, was für ein Quatsch es eigentlich ist, einem System immer nur eine "bestimmte" Funktionsweise (der "Name" des Systems) zu weisen zu wollen!! Im Grunde müssen nämlich alle erforderlichen UND notwendigen Regelungen getroffen werden, damit ein System funktionieren kann und es auch dabei bleibt!! Also für bestimmte Dinge wie z.B. Energie, Verkehr, Nahrungsversorgung, Wohnung usw. diktatorische Entscheidungen getroffen werden, während für andere Dinge soziale Entscheidungen im Abstimmungsverfahren entschieden werden müssen.. Und über den Rest, solange er nicht das gesamte System betrifft, den können die einzelnen Länder, Kommunen und Gemeinden selber regeln. Im Grunde IST ja unser System schon in der Art aufgebaut, allerdings scheint das manchen noch nicht wirklich klar geworden zu sein, was es bedeutet, DAS es so funktioniert, denn letztlich hat der Bürger sein System halt auch selbst verdient.. Somit ist im Grunde JEDER auf seine Art und Weise in einer gewissen Sorgfaltspflicht, damit das Gesamtergebnis "Staat" und seine Wirtschaft eine wohlwollende Zukunft hat. In diesem Sinne...................J.Clauss
Antworten - Kommentar von Monetenmann (09.02. 2012 11:43 Uhr):
Was ist denn Kapitalismus? Kann doch keiner in knappen Worten kristallklar definieren oder beantworten. Das macht die Sache ja so lustig. Der Kapitalismus sei gescheitert, bei vielen ist das selbstständige Nachdenken, Urteilen und Handeln gescheitert. Pure Schizophrenie: Ich hasse die Macht der Regierung, gebe ihr aber die Macht über mein Handeln. Die Krise ist nicht nur eine Überschuldungs- und Systemkrise, sondern vielmehr noch: sogar eine Bewußtseinskrise. Die Leute suchen die Ursache der Krise bei anderen und auch deren Lösung. Aber beides liegt in jedem von uns selbst.
Antworten- Antwort von JClauss (08.03. 2012 17:35 Uhr):
Sehr verehrter Herr Monetenmann.. Genau DAS ist der wahre Kern der ganzen Problematik.. Egal, WIE man diese Krise bezeichnen könnte, sie wirkt sich auf ALLE Bereiche aus.. Schön, das es noch andere Menschen gibt, die das klar sehen, wo der Hase im Pfeffer liegt. Bleibt nur zu hoffen, das es sich noch rechtzeitig rum spricht, bevor die Karre vollends und un-umkehrbar an die Wand gefahren wird.. (Selbst die Evolution hat sich daran zu halten, das gewisse Gegebenheiten(sprich Chancen) auch rechtzeitig für die eigene Entwicklung genutzt werden , da die jeweils momentan "positiv" wirksamen Voraussetzungen immer nur von BEGRENZTER Dauer sind, in der weiterführende Veränderungen durchführbar sind. Ist der Zeitraum erst mal verstrichen, dann war es das! Und das Rad der Entwicklung wird wieder SO lange sich "rückwärts" drehen, bis wieder irgendwann mal eine Chance zur Weiter-Entwicklung gegeben ist. (mit all dem ganzen Kram von Zersetzung, Auflösung, Tod, Verderben und der jeweiligen Vernichtung des momentanen Zustandes) Gerade JETZT sollte sich eigentlich der "ganze Planet " mal so langsam um die Frage kümmern, WAS wollen wir denn eigentlich in der Zukunft... Individuell UND gemeinsam.. Und WOHIN wollen wir, bzw. WAS wollen wir DORT dann tun.. Heute stehen uns Mittel zur Verfügung, uns auf jede erdenkliche Art und Weise um uns selbst zu betrügen, uns gegenseitig "aus zu nehmen" oder gar uns weg zu pusten und ich hoffe, das uns zur Alternative doch noch etwas "Wünschenswerteres" einfällt.. Doch dazu müssen wir zuerst unsere eigene Mitte wieder finden, damit wir die Welt SO betrachten können, wie sie WIRKLICH ist. Nur DANN haben wir auch die Möglichkeit, uns GEORDNET darüber zu unterhalten, ohne einer Waffe in der rechten Hand!! Ich meine, wir hätten jetzt ALLE Chancen für ne neue Zukunft, hoffentlich verpatzen wir das nicht!
- Antwort von JClauss (08.03. 2012 17:35 Uhr):
- Kommentar von Wagner (09.02. 2012 11:58 Uhr):
Sie haben so recht, Herr Bonner. Es ist interessant zu beobachten, wie die öffentliche Meinung von FinTimes manipuliert wird. Die Redakteure denken, daß FinT nur von Linken und Dummen gelesen wird. Es ist an der Zeit eine Zeitung mit neutralen, wirklich weisen Ansichten endlich herauszugeben. Denn scheint die FinT Redaktion über die natürlichen, wiederverkehrenden Phasen des Marktes, vor allem die bereinigende Rezession, herzlich wenig zu wissen. Auch über die, Markt vernichtende, lange Hand der Politik.
Antworten - Kommentar von bruno (09.02. 2012 14:19 Uhr):
Lieber Herr Bonner, das finde ich richtig toll und bin auf Ihr "Manifest" sehr gespannt. Ich hoffe es wird so, dass man es auch in 150 Jahren noch aktuell findet und es die Welt so bewegt, dass diese sicherer und gerechter wird. Falls Sie einen ehrenamtlichen Assistenten für Ihr Projekt suchen, so stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung :-)
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