Eine kleine Geschichte: Arrogante Manager und Widerstand dagegen
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 28. Mai 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Gute Frauen und Männer: Die Aktionäre dieses Unternehmens.
Dazu eine kleine, wahre Geschichte:
Es war einmal ein europäischer Konzern. Bei dem gab es ein großzügiges Bonus-Programm für die eigenen Vorstandsmitglieder. Sinnvoll war daran, dass es an den Erfolg des Unternehmens gekoppelt war:
Nur wenn im direkten Leistungsvergleich mit den Konkurrenten der Branche das eigene Unternehmen einen der ersten drei Plätze erreicht...
...werden die Bonuszahlungen fällig.
Die Vergleichskriterien wurden vorher genau festgelegt.
Als es dann unter Berücksichtigung dieser Kriterien zur Auswertung kam, da schaffte es das Unternehmen nicht auf einen der ersten drei Plätze, es kam auf Platz 4. Nach den vorher festgelegten Regeln für das Bonus-Programm wurden deshalb keine Bonuszahlungen an die Vorstandsmitglieder fällig. Auszahlung aus diesem Bonusprogramm laut Richtlinien eindeutig: Null.
*** Doch was war das?
Das Gehaltskomitee unter Vorsitz des früheren Reuters-Vorstandsvorsitzenden Peter Job befand: Platz 4 ist doch gar nicht so schlecht...in den Bedingungen für das Bonus-Programm stand zwar eindeutig „erste drei Plätze", aber da wollen wir mal nicht so sein.
Der Bonus wird ausbezahlt.
Dabei ging es um Millionenbeträge: So erhielt der ohnehin das Unternehmen verlassende Vorstandsvorsitzende van der Veer die aus diesem Programm resultierende Bonuszahlung von 2,7 Mio. Euro. Auch die anderen Vorstandsmitglieder erhielten jeweils einen Millionenbetrag.
Da sind wir mal großzügig (mit dem Geld anderer Leute), dachte sich besagter Peter Job offensichtlich.
Es zeigte sich: Man kann ein großes Gehalt beziehen und dennoch ein Mensch ohne Gehalt sein.
*** Dann fand diesen Monat die Hauptversammlung dieses Unternehmens statt.
Standard-Termin, die Kleinaktionäre haben ihre Stimmrechte ohnehin zum großen Teil den Depotbanken übertragen, das haken wir mal eben so ab, dachten sich vielleicht einige.
Doch was war das?
Es gab einen Antrag, der gegen die Entlohnung des Vorstands Stellung bezog und diese rückgängig machen wollte.
Ach, höchstens ein paar Querulanten werden da zustimmen, im Promillebereich... - dachten sich vielleicht einige.
*** Doch was war das?
Es gab eine absolute Mehrheit für diesen Antrag - knapp 60% votierten GEGEN die Entlohnung des Vorstands!
Endlich einmal Widerstand gegen arrogante Vorstände, welche nur Angestellte des Unternehmens sind und sich am Geld ihrer Chefs (denn Besitzer sind die Aktionäre!) schamlos bereichern.
Dieses „NEIN" hat mich deshalb sehr, sehr gefreut!
Übrigens bezeichnend die Reaktion des Vorstands: Man nehme das „Abstimmungsergebnis sehr ernst".
Was ist das für ein Blabla...warum nicht direkt Rücknahme der Bonuszahlung? Hier spricht mal wieder eine unglaubliche Arroganz von „Topp"-Managern. Widerstand von Seiten der Aktionäre, das ist die richtige Waffe gegen solche im wahrsten Sinne des Wortes Asozialen.
*** Eine Sache noch.
Besagtes Unternehmen ist das nach Marktkapitalisierung größte europäische Unternehmen.
Royal Dutch Shell.
Möge der Widerstand wachsen.
Michael Vaupel