Eine kleine Einführung in das CDS-Geschäft (Teil 1)
Jürgen Nowacki in Investoren Wissen
vom 9. September 2011, 16:00 Uhr
ENL5454
Spätestens seit der Griechenlandkrise wissen wir Börsianer, dass sich institutionelle Anleger gegen den Zahlungsausfall ihrer Schuldner absichern können und es auch aktiv tun. Die Kreditderivate, über die die Absicherung erfolgt, heißen CDS, Credit Default Swaps. Wie gut es einem Unternehmen oder Land geht, kann man zum einen am Kredit-Rating ablesen, die USA zum Beispiel haben bei Standard & Poor's nur noch zwei As statt ursprünglich drei (Top-Bonität). Zum anderen könnte man sich die Entwicklung der Risikoaufschläge auf die Versicherungsprämien mit Hilfe eines Index ansehen. Genauso wie ein älterer Mensch mehr für eine Lebensversicherung bezahlen muss als ein Jüngerer, so verändern sich die Risikoaufschläge, sobald sich die makroökonomischen Rahmendaten einer Volkswirtschaft ändern. Privatpersonen, die einen Kredit haben möchten, müssen sich im Kleinen auch die Frage nach ihren ökonomischen Verhältnissen gefallen lassen. Dabei wird geprüft, mit welcher statistischen Wahrscheinlichkeit die störungsfreie Rückzahlung des Kredites gewährleistet ist. Ganz vereinfacht ausgedrückt: Wohnen Sie in der falschen Gegend und arbeiten Sie in einer Branche, deren wirtschaftliche Zukunft als unsicher angesehen wird, steigt Ihr Risikoaufschlag und der Kredit wird teurer. Eine ähnliche Logik kennen Sie auch von der Autoversicherung her. Haben Sie in einer bestimmten Altersklasse (Fahranfänger) eine höhere Unfallwahrscheinlichkeit, steigen die Versicherungsprämien.
Einen kleinen Unterschied zwischen dem bekannten Versicherungsgeschäft und den CDS-Produkten gibt es aber doch. Sie können Credit Default Swaps auf zum Beispiel Griechenbonds kaufen, unabhängig davon, ob Sie nun griechische Staatsanleihen erworben haben oder nicht. Spekulieren Sie darauf, dass es mit der Wirtschaft in Griechenland, Italien oder auch Deutschland bergab geht und die Risiken eines Kreditausfalls statistisch betrachtet ansteigen, so handeln Sie diese Kreditderivate auf steigende Preise.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Albert Karl (09.09. 2011 23:54 Uhr):
Sehr geehrter Herr Nowacki, vielen Dank für diesen wichtigen Artikel. Ich darf, wenn Sie gestatten, in diesem Zusammenhang noch ergänzen, denn wenn wir schon beim Thema Banken sind, dann bietet sich gleich ein "realty check" bezüglich der Aktien- und Anleihenmärkte an. Die "Haruspexe" der Analysten-Szene versuchen dem staunenden Anlegerpublikum seit Wochen zu suggerieren, dass die Aktienmärkte wegen der Schuldenkrise und wegen aufkeimender Konjunkturängste auf Talfahrt gegangen seien. Auch bezüglich der rückläufigen Aktienkurse sind die klammen Banken die Ursache aller Probleme. Schon seit Wochen waren die CDS gegen Bankpleite sukzessive gestiegen. Wie Sie wissen, sind im August die CDS-Spreads der europäischen Banken in die Nähe der Rekordstände gestiegen, die wir kurz nach der Lehmann-Pleite gesehen haben. Der Ausweitungsdruck konzentrierte sich zunächst auf die französischen Banken Nataxis, BNP Paribas, Sociètè Gènèrale und Crèdit Agricole, da befürchtet wurde, Frankreich könnte sein Top-Rating verlieren. Danach sind die CDS-Spreads von spanischen und italienischen Banken ebenfalls unter Ausweitungsdruck geraten und inzwischen werden alle Banken über einen Kamm geschoren. UniCredit, Santander, Bank of America sind von rekordhohen CDS-Prämien genauso betroffen wie die Deutsche Bank. Das Misstrauen der Banken untereinander stieg infolge dessen genauso schnell an wie die Kurse der Bank-Aktien fielen. Der Interbanken-Handel, der sich nach der Lehmann-Pleite dank der Hilfen der EZB mühsam wieder erholt hatte, kam dadurch wieder zum Erliegen. Überschüssige Liquidität wurde nicht mehr an andere Banken verliehen, sondern bei der EZB im Rahmen der Einlagenfazilität geparkt. Die Banken waren deshalb gezwungen, sich Liquidität zu höheren Zinsen anderweitig zu beschaffen. Die Banken waren ferner gezwungen, den Druck an ihre Kreditnehmer weiterzugebeben, vornehmlich an andere Banken und Hedgefonds. Es wurden notgedrungen mehr Sicherheiten verlangt, die Zinsen erhöht oder die Kredite gekündigt. Was das für die Zocker-Banken und Zocker- Hedgefonds bedeutete ist doch klar: sie waren gezwungen, Aktienbestände auf den Markt zu werfen, insbesondere die hochliquiden Index-Titel. Ebenfalls spielten Währungsgewinne eine Rolle. Seit Beginn der Rally im März 2009 hatte der Euro gegenüber dem US-$ deutlich zugelegt. Es war lukrativ, europäische Aktien auf den Markt zu werfen, weil die neben den Kursgewinnen auch noch erhebliche Währungsgewinne verzeichneten. Der jüngste Kursverfall wurde demnach durch Liquidationen ausgelöst, die wir den klammen Banken zu verdanken hatten. Konjunkturängste oder die Sorge um ausufernde Staatsschulden hatten damit nichts zu tun. Sorry, für die Länge meiner Gedanken. Gruß und schönes Wochenende Ihr A.K
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