Eine holprige Sportart und ebenso holprige Metaphern
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 22. August 2006 07:30 Uhr
ENL5454
Ich habe von Addison Wiggins einen Brief aus dem Süden Frankreichs erhalten. Dort lebt er „ganz primitiv“.
„Den Ort Golfe-Juan wird man wohl kaum auf einer Karte finden. Dieser kleine Ort, in dem wir momentan untergekommen sind, versteckt sich hübsch an der Küstenlinie zwischen Cannes und Antibes und ist nur aus einem einzigen Grunde bekannt. Hier schlich sich Napoleon zurück an Land, nachdem er auf der Insel Elba 1815 gefangen gehalten worden war. Diese Szene ist aus der Literatur sehr bekannt. Es sind die ersten Abschnitte aus Alexandre Dumas „der Graf von Monte Christo.“
„Während des Wochenendes haben wir ein Auto gemietet und sind Napoleons Route gefolgt – dem Weg, den Napoleon durch die Alpen zurück nach Paris wählte, nachdem er hier an Land gegangen war. Die hohen Berggrate sind heute gut ausgebaute Straßen, die sich den Weg durch Felsen und Klippen bahnen. Hin und wieder gibt es in der Ferne einen Blick auf das Mittelmeer. Es braucht einiges an Vorstellungskraft, sich auszumalen, wie die Steinmauern in den engen Kurven in diesem steilen Gebiet so kunstfertig errichtet werden konnten.“
„Wir verließen unsere Route bei einer kleinen Touristenfalle namens Castellane. Abgesehen von einem 300 Meter hohen, festungsartigen Felsen auf dessen Spitze eine mittelalterliche Kirche thronte, war dieser Ort, nun ja, nervig. Italienische und deutsche Touristen verstopfen die Straßen und machten Geräusche wie Herdentiere. Als es uns endlich gelungen war, einen Tisch in einem Café zu finden, bevormundete uns auch noch der Kellner, der uns einen ´Assiette de Fromage´ servierte... in sehr schlechtem Englisch.“
„Auf dem Weg zurück nach Golfe-Juan fuhren wir durch die Schlucht von Verdun. Das hat uns diesen Ausflug gerettet. Es war wunderschön und dramatisch dort. Auf der Fahrt durch die sich windenden Straßen fingen wir an zu verstehen, warum die Italiener und die Deutschen die gut ausgestatteten Autos so sehr mögen. Die Pflanzenwelt erinnerte mich an den Western Slope in Colorado. Und der Fluss, der sich durch die Berge schnitt, war einladend aquamarin.“
„Ein beliebter Zeitvertreib der Touristen in der Schlucht ist eine Sportart, die sich Canyoning nennt: Man hüllt sich in einen schwimmfähigen Neoprenanzug, packt seine Campingausrüstung in einen trockenen Sack und macht sich dann auf den Weg den Fluß hinab, ohne Boot oder Paddel... stolpernd, tauchend, sich überschlagend und gleitend bis zu dem See, der sich 40 Kilometer weiter am anderen Ende befindet.“