Eine Frage des Wertes

unserem Korrespondenten Bill Bonner in Paris in Investors Daily
vom


von unserem Korrespondenten Bill Bonner in Paris

*** Meine Mutter ist vor kurzem gestürzt und hat sich den Kopf an einer Granitstufe gestoßen. Sie erholt sich, mehr oder weniger. Aber wir fragen uns alle, wie lange sie noch bei uns bleiben wird. Sie sagt, sie wolle zurück in die USA, um ihre alten Ärzte zu konsultieren ... und um mehr in der Nähe vom Rest der Familie zu sein. "Ich komme wieder, wenn ich mich wieder munterer fühle", sagt sie. Ich frage mich, ob es noch einmal dazu kommen wird.


Ich kann mir nicht helfen, ich muss immer wieder denken, dass diese Sommertage, die wir miteinander verbringen, vielleicht die letzten sind. Wie viel sind sie wert, frage ich mich.

Ich habe darauf keine Antwort. Und so wende ich mich mit feuchten Augen vom täglichen Kummer dieser "todgeweihten Rasse", wie Sophokles sie nennt, den weniger wichtigen Dingen zu. Das heißt, ich wende mich von der Tragödie zur Komödie ... und zur Farce.

Manche Dinge sind unbezahlbar. Das habe ich schon vor einigen Tagen einmal geschrieben. Ich habe die leise Ahnung, dass die unbezahlbaren Dinge manchmal unterbewertet sind. Weil sie un-bezahlbar sind, vermuten die Leute, dass sie auch wertlos sein müssen. Teure Dinge hält man jedoch für sehr wertvoll obwohl sie vielleicht völlig wertlos sind.

Um das leichter nachschlagen zu können, habe ich eine kleine Liste vorbereitet:

Dinge, die überbewertet sind und zu viel gekauft werden:

Aktien – Junkbonds – amerikanische Wohnimmobilien – moderne und zeitgenössische Kunst – Terrorismus – Republikaner und Demokraten – Fernsehen – Elektronische Geräte – Autos – Shorts – ungezwungene Mahlzeiten – Der DaVinci Code – Baseballkappen – Schulden – Zeitungen – Vororte – Anstellungen – Höhere Bildung – Shopping – Ruhestand – Krankenversicherungen – Filme – Sportschuhe – Bequeme Kleidung.

Unterbewertete Dinge sind:

Gold – Deutsche Immobilien – Gute Manieren – Privatsphäre – Mütter und Väter – Knusprige Ente – Gärten – Holzfeuer – Der Investor's Daily – Ersparnisse – Sparsamkeit – Eleganz – Spazieren gehen – Freizeit – Europa – Private Unternehmen – Alte Leute – Ausgedehnte Familien – Lange Kleider – schöne Kleidung – Hüte, ganz besonders Baskenmützen.

*** William Greider (von dem ich ein Interview in der International Herald Tribune gelesen habe) ist ein Genie, weil er die Sache genauso einschätzt wie ich, und er ist ein Dummkopf, weil er nicht bereit ist, der Sache direkt ins Gesicht zu sehen. Stattdessen wendet er den Blick ab, wie üblich ... und meint, dass er etwas Verschlagenes beobachtet. Ein Teil des Problems sei, sagt er, "dass es den amerikanischen Unternehmen im Allgemeinen frei steht – und dass sie sogar ab und zu von Washington ermutigt werden – ihre Produktion in die Billiglohnländer zu verlagern ... Dieses Vorgehen zahlt sich für die Unternehmen und die Anleger aus, aber nicht für die Nation."

Die Idee scheint zu sein, dass die Nation besser da stünde, wenn die Leute darin weniger gut dastehen. Wenn ein Unternehmen gezwungen wird, weniger gute Produkte zuhause herzustellen, und sie zu höheren Preisen zu verkaufen ... würde die Nation sich schon irgendwie wieder erholen. Wer auch immer diese Logik versteht, es ist nicht der, der ihnen diesen Newsletter geschrieben hat. Jedoch ist Greider, nachdem er das Problem zu einer Angelegenheit der öffentlichen Politik zusammengestaucht hat, in der Lage, es zu begreifen:

" ... Die Regierungen müssen zusammen eine Verlagerung des Machtgleichgewichts angehen, so dass die Arbeit wieder mit der steigenden Produktivität und den steigenden Gewinnen zunimmt", sagt er.

Warum soll man da nicht auch gleich die Aktien und Immobilienpreise mit steigen lassen? oder die Lebenserwartung? Oder die Zahlen der schlanken Frauen ... der gut aussehenden Männer ... und der Teenager ohne Akne und schlechte Manieren?

Ich verstehe, warum die Löhne im Orient steigen: Weil sie bessere und mehr Ware herstellen. Aber warum sollten die Löhne im Okkzident steigen, nur weil die Regierung das will?


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