Eine Frage des Engagements
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 12. August 2005 12:00 Uhr
ENL5454
Heute mal ein wenig Hintergrund-Informationen zum Rohstoffmarkt. Thema "Commitment of Traders" (kurz: "CoT", nicht zu verwechseln mit dem AC/DC Song "CoD"). Hier wird übrigens der englische Begriff verwendet, es wird nicht eingedeutscht. Was ist damit gemeint?
Dazu muss ich ein wenig ausholen. Wie werden Rohstoffe gehandelt? Sie werden auf Termin ge- und verkauft. Das bedeutet: Es gibt Futures für bestimmte Rohstoffe, bestimmte Liefertermine. Die Rohstoff- (bzw. Rohwaren-) Börsen haben das standardisiert.
Die Zertifikate, die ich empfehle, beziehen sich auf diese Futures.
Da also immer jeweils ein oder auch mehrere Futures Basiswert eines Rohstoff-Zertifikats sind, lohnt es sich, sich näher mit diesen Futures zu befassen. Zum Beispiel kann sich ein Zertifikat auf den bis September 2005 laufenden Orangensaft-Future beziehen (Reuters-Kürzel OJU5). Und nun finde ich es ganz interessant, zu sehen, wie viele Kommerzielle und Spekulanten in diesem Future "long" gegangen sind, und wie viele "short".
Mit "Kommerzielle" meine ich diejenigen, denen es um die tatsächliche Warenlieferung geht. Also Farmer, Restaurantketten etc.
Spekulanten sind Leute wie wir – die auf Gewinne hoffen, ohne an einer Warenlieferung interessiert zu sein. Mit einem Unterschied: Diese Spekulanten setzen direkt auf die Futures. Und wir gehen den Umweg über Zertifikate, die sich auf diese Futures beziehen. Warum der Umweg? Zum einen wegen der geringeren Gebühren, außerdem können wir mit Zertifikaten nie mehr als den Einsatz verlieren, bei Futures ist dies durchaus möglich.
Ok, jetzt zurück zum Thema "Commitment of Traders". Dieser Begriff bedeutet übersetzt "Engagement der Trader". Er gibt in Zahlen an, wie viele der Kommerziellen und der Spekulanten long und wie viele short gegangen sind. Nein, das stimmt nicht ganz, genauer gesagt: Dieser Begriff gibt an, wie viele Short- und wie viele Long-Positionen von Kommerziellen und Spekulanten eingegangen worden sind.
Wenn z.B. die Spekulanten extrem viele Short-Positionen eingegangen sind, dann sollte das zu denken geben ... denn diese rechnen alle mit fallenden Notierungen des Basiswertes. Da ist dann meistens was dran. (Nun ja, leider auch nicht immer – denn extreme Werte können auch ein "Kontraindikator" sein, nach dem Motto: Die Mehrheit liegt immer falsch). Wenn extrem viele Short-Positionen eingegangen sind, kann es auch leicht zu einem "Short Squeeze" kommen. (Um Sie nicht unnötig zu verwirren, lasse ich diesen Aspekt erst einmal außen vor und komme nächste Woche darauf zurück.)
Wie lässt sich nun diese ominöse "Commitment of Traders" bestimmen?
Ganz einfach. Brauchen Sie gar nicht selbst bestimmen, das macht jemand für Sie. Und zwar der amerikanische Staat, in Form einer Behörde. Unter folgendem Link
http://www.cftc.gov/ cftc/ cftchome.htm
finden Sie die gewünschten Angaben, sauber sortiert nach Börsen und Futures. Dort finden Sie die Angaben, die wichtig sein KÖNNEN – natürlich nicht müssen (ich berücksichtige diese Angaben bei meinen Rohstoff-Empfehlungen standardmäßig).
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
Michael Vaupel