Eine Frage der Stückzahl
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 08. März 2006 12:00 Uhr
ENL5454
Heute ein wenig "Zertifikate Trading Know How". Trader's Daily-Leser Christian P. fragt:
"Ich hatte schon Probleme, größere Stückzahlen an Zertifikaten unterzubringen. Nun meine Fragen:
- 1. Ist es möglich die Order aufzuteilen und somit zum Ziel zu kommen?
- 2. Soll ich die Order splitten, z.B. einen Teil über den Emittenten und den anderen Teil über Stuttgart?
- 3. Wie ist es wenn ich z.B. 40.000 Stück und mehr ordern möchte?
- 4. Und sehr wichtig, wie verhalte ich mich beim Verkauf solcher Mengen?"
Meine Antworten:
Zunächst einmal nochmals der Hinweis: Die Obergrenzen, bis zu denen die Emittenten-Quotes gelten, können Sie sehr leicht einsehen – einfach auf www.euwax.de die entsprechende ISIN oder WKN eingeben, neben dem Geld- und Briefkurs steht dann die Obergrenze. Die Angabe erfolgt in Stück (nicht Euro). Dann:
- Zu Punkt 1: Ich hatte das auch einmal einen Makler an der Börse Stuttgart gefragt. Es kommt dem Emittenten natürlich auf die Summe an – wenn z.B. die Obergrenze bei 5.000 Stück liegt und ein Kunde 5 Auftrage zu jeweils 5.000 Stück vorlegt, dann ist die Obergrenze überschritten, der angezeigte Geld- und Briefkurs sind nicht mehr verbindlich. (Sie können es aber natürlich versuchen, wenn Sie z.B. zwischen den einzelnen Aufträgen etwas abwarten oder es z.B. nur zwei Aufträge sind, die könnte der Emittent durchgehen lassen – aber da gibt es keine Garantie.)
- Zu Punkt 2: Kann dann sinnvoll sein, wenn in Stuttgart ein anderer Kunde eine Gegenposition eingehen könnte, der Emittent also außen vor bleiben würde. Ansonsten springt auch in Stuttgart der Emittent ein, es gilt dann das Gleiche wie bei Punkt 1.
- Zu Punkt 3: Die absolute Stückzahl sagt mir nichts ... wie gesagt, es hängt vom Basiswert und der konkreten Obergrenze ab, die ist immer verschieden.
- Zu Punkt 4: Beim Verkauf gilt genau dasselbe wie beim Kauf! Und wichtig: Die Tatsache, dass die Obergrenze überschritten wird, bedeutet ja nicht, dass sie nicht mehr kaufen oder verkaufen können. Es bedeutet nur, dass die angezeigten Geld- und Briefkurse für einen solchen Auftrag nicht mehr greifen.
- Sie können den Auftrag telefonisch durchgeben und sich konkrete Geld- und Briefkurse für Ihren Fall nennen lassen. Sie werden wahrscheinlich einen etwas schlechteren Kurs als den angezeigten Geld- bzw. Briefkurs gestellt bekommen. Der Grund: Bei größeren Stückzahlen wird die Absicherung für den Emittenten schwieriger, die Kosten sind für ihn höher. Das gibt er weiter. Das ist auch der Grund dafür, dass die Obergrenze bei liquiden Basiswerten höher ist.
Hier haben wir also den seltenen Fall, dass Sie bei hohen Einsätzen einen schlechteren Kurs gestellt bekommen als bei niedrigen. Wer reich ist, wird benachteiligt. Wo im Leben gibt es so etwas sonst?
Viele Grüße,
Michael Vaupel