Eine deutsche Auswandererfamilie schreibt Geschichte
Jürgen Nowacki in Investoren Wissen
vom 22. Juli 2011, 16:00 Uhr
ENL5454
Dresscode: Levi Strauss & Co
Am 12 Juli gab das Unternehmen Levi Strauss aus San Franzisco seine Quartalszahlen bekannt was wir als Anlass nehmen wollen tiefer in die Geschichte eines deutschen Unternehmers einzusteigen, der es durch einen glücklichen Umstand und harte Arbeit zu einem der größten Bekleidungsunternehmen der Welt schaffte.
Strauss wurde unter dem Namen Löb Strauß im oberfränkischen bei Bamberg als Sohn jüdischer Eltern geboren. Sein Vater, Hirsch Strauß, starb früh an Tuberkulose, als Löb 16 Jahre alt war. Die vielköpfige Familie lebte in großer Not was sie bewog 1847 nach Amerika auszuwandern. 1853 ging Strauss nach San Franzisco um sein eigenes Unternehmen zu gründen.
Die Anfänge und der kalifornische Goldrausch
Im Januar 1848 wurde auf dem Bauplatz für ein Sägewerk auf der Ranch eines Schweizers, das erste Goldnugget entdeckt. Da die Arbeiter der Ranch trotz der entsprechenden Anweisung den Fund ausplauderten, drängten schon bald die ersten Menschen aus Kalifornien zu den Goldfeldern
Strauss verkaufte seine Waren nicht nur in San Francisco, sondern aufgrund der guten Preise auch bei den Goldgräbern vor Ort. Da er zuvor mit den Handel von Kleidung und Kurzwaren Erfahrung gesammelt hatte, wurden Stoffballen, Zeltplanen und Nähzeug mitgenommen. Er fand bald heraus, dass die Goldgräber bei ihrer harten Arbeit strapazierfähige Hosen benötigten.
Im Dezember 1870 kam der aus Riga stammende Schneider Jacob Davis auf die Idee, die Ecken der Hosentaschen und das untere Ende des Hosenlatzes mit Nieten eines Pferdegeschirrs zu verstärken. Weil ihm für die Patentierung seines 1872 entwickelten Verfahrens Geld fehlte, wandte er sich an Levi Strauss, der ihm seinerzeit bereits die Tuchballen lieferte. Strauss unterstützte das Vorhaben und erhielt zusammen mit Davis am 20. Mai 1873 das entsprechende Patent (US-Patent-Nr. 139121). Die vernieteten Waist Overalls stießen auf eine riesige Nachfrage. Bis zum Jahresende wurden 5.875 Dutzend Hosen und Mäntel aus Denim verkauft (Quelle: Strauss & Co Firmenchronik). Zwei Fabriken produzierten diese Hosen und zehn Jahre später waren bereits 535 Angestellte für das Unternehmen tätig.
Zum zweiten Teil von: 138 Jahre später...