Eine besondere Form von „Stress zu Weihnachten“
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Value Analyse
vom 17. Dezember 2009, 12:00 Uhr
ENL5462
*** Stress zu Weihnachten. Der bezieht sich ja in Mitteleuropa meistens auf Dinge wie Geschenke kaufen. (Ware Weihnacht statt wahre Weihnacht.)
In anderen Ländern hat dieser „Stress zu Weihnachten" allerdings eine ganz andere Bedeutung.
Nehmen wir Saudi Arabien: Da geht die Geheimpolizei gerade zu liturgisch wichtigen christlichen Zeiten wie Weihnachten hart gegen Christen (die in Form von Gastarbeitern im Land sind) vor. Teilnehmer selbst privater christlicher Zusammenkünfte werden rigoros verhaftet. Schuften dürfen sie für die Saudis, aber in ihrer Wohnung noch nicht einmal ein Kreuz haben, sonst gibt es Probleme. Ein schöner Verbündeter, dieses Saudi Arabien.
Dann Eritrea. Da sollen 2.000 Christen wegen ihres Glaubens im Gefängnis sitzen. Sogar in der schönen Türkei dürfen neue Kirchen nicht oder nur schwer gebaut werden, während hierzulande Moscheen aus dem Boden schießen und Anwohner, die Bedenken haben, als rechtsradikal diffamiert werden.
*** Tja, und wenn sich im Irak die derzeitige Lage nicht bessert, dann geht dort die fast 2000jährige Geschichte der irakischen Christen (=Assyro-Chaldäer) zu Ende. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GFBV) schreibt dazu aktuell:
„Täglich werden (im Irak) Christen entführt, vergewaltigt, misshandelt und ermordet. Dieser Exodus ist nicht mehr aufzuhalten. (Es) darf (...) niemanden wundern, dass diese Menschen keine Zukunft mehr für ihre Familien und ihr Volk in diesem Land sehen, in dem Christen sogar geköpft oder gekreuzigt werden. Im Bürgerkrieg zwischen fanatischen schiitischen und sunnitischen Milizen und Terroristengruppen bleibt für die Assyro-Chaldäer kein Platz." (Quelle: Pressemitteilung GFBV www.gfbv.de)
Unter Saddam Hussein lebten die Christen wenigstens nicht schlechter oder besser als jede andere Religionsgruppe, Außenminister Tarik Asis war Assyro-Chaldäer. Von den zu Kriegsbeginn geschätzten 700.000 irakischen Christen (alleine in Bagdad ca. 400.000) haben mindestens 500.00 das Land verlassen bzw. wurden ermordet. Es geht in den Mainstream-Nachrichten unter (oder habe ich was verpasst?), dass im Irak die Christen die größten Leidtragenden der Situation in ihrem Land sind.
Und über was für einen „Stress zu Weihnachten" lamentieren wir da?
Also. In diesem Sinne. Ich wünsche Ihnen einen stressfreien Tag!
Ich mache mich nun auf die Rückreise von Afrika nach Mitteleuropa und bin dann direkt bei einer Verlagsveranstaltung. Meinen nächsten Trader´s Daily-Beitrag gibt es dann kommenden Montag.
Alles Gute,
Ihr
Michael Vaupel
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von B Meyering (17.12. 2009 13:23 Uhr):
Sehr geehrter Herr Vaupel, man muss schon Mut haben, um sich diesen Dingen mit offenen Augen zu stellen. Andere, zum Beispiel ausländische Freunde ,haben das schon viel früher sehr kritisch gesehen und (auch mich) laut gewarnt. Sprechen sogar von schleichender Islamisierung. So weit will ich gar nicht gehen. Aber ein Land wie Deutschland, das aus gutem Grund die Religionsfreiheit für alle per Grundgesetz schützt, sollte den Mut und das Recht haben, Toleranz auch für Christen dort einzufordern, wo diese bedrängt, misshandelt und getötet werden. Und nicht -unter Umständen- in solche Länder noch Know How und High Tech liefern, während dort unsere Glaubensbrüder misshandelt werden. Auch für einen Beitritt zur EU wäre das unabdingbare Voraussetzung. Sicher nicht so einfach zu realisieren, ist mir auch klar. Aber der Denkansatz sollte erkennbar werden, und zwar nicht nur hinter vorgehaltener Hand. Um jeden Zweifel zu entkräften, ich komme nicht aus der braunen Ecke. Ich begrüße es, wenn Andersgläubige hier per Verfassung das Recht dazu haben, ihren Glauben frei zu leben. Vielleicht können Sie Ihren Beitrag zu Ostern erneut einbringen.
Antworten - Kommentar von Paul Bieri (17.12. 2009 13:42 Uhr):
Laut UNO und Politikern sind nur noch wir Schweizer schlechter, da wir über den Bau von Minaretten abgestimmt , resp. diese verboten haben. (Moscheen sind nach wie vor erlaubt)
Antworten - Kommentar von SageIchNicht (17.12. 2009 18:25 Uhr):
Ist das eine Rechtfertigung für irakische Massaker durch Deutsche Bundeswehr? Dann bleibt noch die Frage Warum deutsche Mitbeteiligung an Entmachtung von Saddam Hossein und deren Exekutsion? Er sollte doch geehrt werden!
Antworten - Kommentar von F Helf (17.12. 2009 23:11 Uhr):
Sehr geehrter Herr Vaupel. 1. Danke für Ihren Artikel. 2. Die ganze Welt darf mich braun oder grün oder hellgelb mit blauen Punkten nennen: Ich kann dieses heuchlerische Geschwätz von Integration und Tolleranz (und vor allem deren Einforderung bei uns) nicht mehr ab. Denn dahinter stecken, anders als es uns unsere Lehrer ehedem beigebracht haben, heutzutage nur noch politische und wirtschafltiche Interessen. 3. Respekt vor der Schweiz. Nicht wegen dem Ausgang der Entscheidung, sondern wegen des Mutes sich zu entscheiden und die eigene Meinung zu äußern.
Antworten - Kommentar von Hellmut Lempp (21.12. 2009 20:06 Uhr):
Verehrter Herr Vaupel ! Ich las schon des öfteren interessante Kommentare (oder auch Reisebeschreibungen) von Ihnen, und schrieb Ihnen auch schon hin und wieder. Dieses ist nun wieder ein für mich wichtiger Kurzbericht, da er mir Fakten als Argumente liefert. Denn natürlich denke auch ich, daß irgendwo bei uns hier in Europa etwas schief hängt, wenn die Schweizer ihrer jüngsten Abstimmung wegen diffamiert werden, wenn der europäische Gerichtshof christliche Kreuze in Schulen verbietet weil sie gegen die Religionsfreiheit verstoßen sollen (kann ich nicht nachvollziehen), und wenn es intolerant sein soll, wenn eine Behörde einer Lehrerin das Tragen ihres Kopftuches in der Schule untersagt (ich meine, es ist ein altes Gebot der guten Sitten, im Haus die Kopfbedeckung abzunehmen). In einer Welt der Globalisierung muten die Christenverfolgungen in mehreren mohammedanischen Staaten, ebenso wie die immer noch stattfindenden Beschneidungen von Millionen junger Frauen wie Relikte aus dem finstersten Mittelalter an. Daß sich unter diesen Umständen Leute an dem Volksentscheid der Schweizer reiben (der gegen weiteren Bau nicht von Moscheen, sondern einzig von deren Minaretten gerichtet war), ist schlicht unverständlich.
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