Eine bekannte Predigt an ungewöhnlichem Ort
Investors Daily
vom 19. Oktober 2005 18:00 Uhr
ENL5454
*** Die Chinesen sind Schlafmützen, das streite ich nicht ab. Während die Amerikaner ihre Wirtschaft aus den Angeln gehoben haben, um immer mehr Dinge zu kaufen, die sie sich nicht leisten können, haben die Chinesen Fabriken aufgebaut um Dinge für Leute herzustellen, die sich diese Dinge nicht leisten können. Die Gewinnspannen der chinesischen Industrien sind fast verschwunden. Die Firmen wissen, dass die einzige Möglichkeit, in China zu überleben, darin besteht, groß zu werden. Die chinesische Regierung macht sich immerzu Sorgen wegen der Arbeitslosigkeit. Denn Menschen ohne Arbeit sind immer eine Quelle für Ärger. Wenn man also groß genug wird, dass man viele Leute einstellen kann, dann wird die Regierung schon dafür Sorge tragen, dass man nicht untergeht. Man wird dann als "zu groß um zu scheitern" eingestuft.
Dieser Imperativ bringt die Chinesen auf gewinnbringende Weise an die Arbeit: Sie bauen Fabriken, sie stellen Leute ein, sie stellen Dinge her ... Ohne sich besonders stark darum zu kümmern, wie sie damit Geld machen. Die Wirkung auf den Westen ist heilsam: Die Preise für die Verbrauchsgüter fallen. Aber jeder Einbruch der Verkaufszahlen wird China wehtun ...
Deshalb lachen sie auch nicht über den Schatzminister Snow in China, denn sie wissen zwar, dass er ein Quacksalber ist, aber sie wissen auch, dass er Recht hat. Viele chinesische Firmen werden Pleite machen, wenn das amerikanische Kaufen nachlässt.
Sie werden die Nachfrage aus dem Ausland (größtenteils aus den USA) irgendwie durch inländische Nachfrage ausgleichen müssen. Die Chinesen selbst müssen dazu lockerer werden und mehr Geld ausgeben, sich Kreditkarten zulegen und Hypotheken mit negativer Amortisierung. Dann werden sie alle Pleite machen, und nicht nur ihre Fabriken.
*** Ich werde billiges Land in Südamerika kaufen. Aber in der Zeitung von heute steht, dass ich in Nordamerika noch billigeres Land kaufen könnte. Ellsworth in Kansas gibt jedem etwas Land, der sich bereit erklärt, dort zu leben. Ah, ... da ist der Haken.
Ich erinnere mich, dass ich vor einigen Jahren ein ähnliches Angebot von der Stadt Baltimore erhielt. Der Bürgermeister versuchte wieder, "Leben in die Innenstadt" zu bringen. Er gab mir zwei baufällige Gebäude für jeweils einen Dollar. Die Gebäude lagen auf der East Baltimore Street, in der Nähe von Little Italy. Wenn ich also eine gute Mahlzeit wollte, dann ging ich einfach nur die Straße hinunter in eines der italienischen Restaurants und hing dort mit den Gangstern herum.
Eines Abends waren ein paar von uns unterwegs, als ein Polizeiauto neben uns auftauchte. Man hielt uns für Touristen, die sich verlaufen hatten. Der Polizeibeamte sagte:
"Was ist los mit euch? Könnt ihr nicht sehen, dass das hier keine sichere Gegend ist? Macht das ihr weg kommt."
Baltimore hat die höchsten Mordzahlen der Nation. Einer der Bürgermeister versuchte diese Zahl zu senken, indem er einen "Keine-Morde-Tag" einführte. Ich kann mir die Unterhaltung an der Ecke von Charles Street und North Avenue zwischen zwei staatsbürgerlich gesinnten Anwohnern gut vorstellen.
"Ich sehe, Sie haben die Absicht, mich zu töten, aber wissen Sie denn nicht, dass heute der "Keine-Morde-Tag" ist?"
"Oh, da haben Sie Recht, da muss ich wohl bis morgen warten."
Eine andere Möglichkeit bestand darin, Handfeuerwaffen aus den Händen derer zu nehmen, die sie vielleicht benutzen würden. Die Stadt rief eine Rückkaufaktion aus. Wie jedes Regierungsprogramm waren die Ergebnisse verquer. Die Leute brachten ihre alten und wertlosen Waffen und benutzten das Geld, um sich bessere zu kaufen.
Aber die Leute passen sich ihrem Umfeld normalerweise sehr schnell an, und denken dann schon bald, dass das Ungewöhnliche normal ist. Ich gewöhnte mich daran, an Leichen vorbeizugehen und Kugeln auszuweichen.
Irgendwann lebte die Innenstadt aber wieder auf. Viele Wohnkomplexe wurden abgerissen. Die Immobilienpreise stiegen. Aber meine Zeitplanung war schlecht. Die Gebäude, die ich in den frühen Achtzigern gekauft hatte, habe ich Mitte der Neunziger wieder verkauft. Abzüglich der Kosten für die Renovierung habe ich weniger dafür bekommen, als ich investiert hatte. Selbst für einen Dollar war das Gebäude überteuert.
"Ich werde Ihnen heute einen echten Jeremiah bieten", sagte der Priester am Sonntag in der Kirche bei seiner Predigt. Jeremiah tat ungefähr das gleiche, wie dieser Newsletter – er sprach Warnungen aus, die niemand hören wollte. Weil er sich diese Mühe machte, wurde er als Verräter gebrandmarkt, aber er behielt Recht. Die Juden wurden sehr bald überrannt und gerieten in Babylon in Gefangenschaft.
Jeremiah wies darauf hin, dass die Israeliten zwei Bedrohungen gegenüberstanden: einmal von Außen und einmal von Innen. Die größere Bedrohung stammte aus dem Inneren. Nachdem sie sich von Gott und seinen Gesetzen abgewendet hatten, hatten sie förmlich darum gebeten, versklavt zu werden.
Und jetzt drohen dem gesamten westlichen Christentum die gleichen Gefahren, fuhr der anglikanische Kleriker fort. Es gibt externe Bedrohungen, über die ich in den Zeitungen lese und die ich im Fernseher zu sehen bekomme. Aber die größere Bedrohung stammt aus dem Inneren. Wir sind besessen von materiellen Dingen, von Sex, von den gefeierten Persönlichkeiten, von Reichtum und von dem Gedanken, dass wir tun und lassen können, was wir wollen – und damit auch durchkommen. Aber das ist nicht wahr.
Ich habe schon ähnliche Predigten gehört, aber bisher noch nicht in der anglikanischen Kirche.