Eine Bärenmarktrally ist nicht unwahrscheinlich
unserem Korrespondenten Eric Fry in New York in Investors Daily
vom 26. Februar 2003 18:00 Uhr
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Letzte Woche war ich in Südflorida. Was ich da gemacht habe? Natürlich Marktrecherche, Marktrecherche. Nach zwei Tagen erschöpfender Marktrecherche kam ich zu folgenden Schlussfolgerungen: Der Bullenmarkt der Unterhaltungsindustrie bleibt stark, aber der Tourismus scheint in einen Bärenmarkt zu fallen ...
Die Hotels, Restaurants und Bars waren nicht annähernd so voll wie letztes Jahr. Die Stinkreichen sind nach wie vor vorhanden, aber die "Durchschnitts-Touristen" sind seltener geworden. Man kann jetzt in vielen Restaurants, für die man letztes Jahr noch wochenlang vorher einen Tisch reservieren musste, einfach so einen Tisch bekommen.
Nicht, dass Sie glauben, ich war nur zum Vergnügen in Miami – ich war dort auf einer Investment-Konferenz, die von Jim Chanos (einem in den USA bekannten Shortseller) veranstaltet wurde. Jim Chanos ist besonders deshalb bekannt geworden, weil er rechtzeitig vor ihrem Kurskollaps und öffentlich Enron und Tyco als schreckliche Aktien bezeichnet hat.
Jim lädt jedes Jahr ungefähr 25 professionelle Investoren nach Miami ein, und er verlangt von seinen Gästen, dass sie 2 Dinge mitbringen: Einen Vorschlag für eine Aktie, die man kaufen sollte, und einen Vorschlag für eine Aktie, die man verkaufen sollte. Jedes Jahr sind die Vorschläge dieser Konferenz wirklich superb, und dieses Jahr war keine Ausnahme. Leider müssen sich alle Teilnehmer zum Stillschweigen verpflichten. Aber immerhin darf ich hiermit über die Vorschläge vom letzten Jahr berichten.
Chanos selbst lag mit seinen Vorschlägen sehr gut. Vor zwei Jahren empfahl er Enron zum Verkauf, letztes Jahr Tyco. Tyco fiel letztes Jahr 50 %. Ich schlug letztes Jahr vor, die Aktie von Interpublic zu verkaufen. Diese Gesellschaft ist zwar weniger bekannt, aber ich lag besser als Chanos: Die Interpublic-Aktie brach um satte 65 % ein.
Wo wir gerade von Verkäufen sprechen: Es könnte sein, dass die Leerverkäufer an der Nasdaq in den kommenden Tagen/Wochen auf dem falschen Fuß erwischt werden. Der Grund: Die Technologie-Aktien sind jetzt schon so lange gefallen, dass viele professionelle Anleger es als relativ sicher bezeichnen, Aktien zu "shorten", also leer zu verkaufen. Deshalb sind derzeit sehr viele Technologie-Aktien leer verkauft worden. Das Barron's Magazin schreibt dazu: "Es gibt einige Hinweise darauf, dass die professionellen Investoren auf eine Rally nicht vorbereitet sind. Umfragen zeigen, das die Hedgefonds derzeit aggressiver shorten als zuvor."
Die Bären sind derzeit fest davon überzeugt, dass die Technologie-Aktien wegen ihrer hohen Bewertung weiter fallen werden. Aber die Börse ist keine Einbahnstrasse. Ab einem bestimmten Punkt führen diese ganzen Leerverkäufe zu einer explosiven Rally.
Wenn die Nasdaq-Aktien wieder etwas steigen werden, dann werden all die Leute, die diese Aktien leer verkauft haben, Verluste erleiden. Je höher der Nasdaq-Composite klettern wird, desto größer werden diese Verluste sein. Wenn die Verluste sehr schmerzlich werden, dann werden einige "Shortseller" (Leerverkäufer) die Aktien, die sie leer verkauft haben, kaufen, um ihre Verluste zu begrenzen. Ironischerweise führt das dazu, dass die Kurse dann noch weiter steigen, was weitere Shortseller zum Kaufen bewegen wird. Dies wird zum selbstverstärkenden Effekt, und deshalb kann man sehr schnell in eine Rally geraten ... schnallen Sie sich an und bereiten sie sich auf den Start vor ... vielleicht.